Innenstadt als App: Freiburger Tüftler bieten digitales Fenster zum Einzelhandel STADTGEPLAUDER | 05.06.2018 | Till Neumann | 21 mal gelesen

Findeck. So heißt die Geschäftsidee von Jan Vogt (31, rechts) und Friedjoff Trautwein (34). Der Freiburger Einzelhandel soll damit ein Suchfester bekommen und digitaler werden. Der Knackpunkt: Es funktioniert erst, wenn ausreichend Leute mitspielen.

Marie benötigt spontan ein Sommerkleid mit Schmetterlingen drauf. Wo sie das in der Freiburger City findet? Über die Suchfunktion der Findeck-App stellt sie eine Anfrage. Sie gibt Größe an, Budget und ein Zeitfenster, bis wann sie eine Antwort braucht. Als Anhang schickt sie ein Schmetterlingsfoto mit, das ihr gefällt. Das Gesuch geht an alle mitmachenden Händler der Freiburger Innenstadt.

Am nächsten Tag erfährt Marie: Die Boutique „Blickfang“ hat ein Kleid mit Schmetterlingen im Sortiment. Die Inhaberin fotografiert es mit dem Handy und schickt das Foto. Marie findet so nicht nur die passende Garderobe fürs nächste Date, sondern auch einen Laden, der ihr gefällt.

Was Marie im Erklärvideo erlebt, ist ein fiktiver Fall. In der Realität funktioniert Findeck noch nicht so perfekt, berichten die Macher auf dem Balkon ihrer Wohnung bei den Westarkaden. Jan Vogt und Friedjoff Trautwein haben sich bei einer Software-Firma kennengelernt. Im Oktober 2016 gründeten sie Findeck.

Seitdem arbeiten sie daran, das Start-up großzumachen. Vogt ist Psychologe, Trautwein Geoinformatiker. Programmieren können beide – und wollen Einzelhändler fit für die digitale Welt machen. „Sogar große Händler in Freiburg sprechen von sinkender Kundenfrequenz“, sagt Vogt. Früher sei man stundenlang durch die City gezogen, heute werde im Internet gestöbert. Sie sind sicher: Die Kunden kaufen dennoch gerne vor Ort ein – wenn es flott und effizient möglich ist.

Mit Umfragen haben sie versucht herauszufinden, wo es bei Konsumenten und Händlern klemmt. Daraufhin entstand die Suchfunktion. Zudem bieten sie „Entdecken“ an. Damit kann sich der Kunde in der Innenstadt Geschäfte in seiner Umgebung anzeigen lassen. So sollen Läden in Nebenstraßen präsenter werden. Alle Händler können zudem Angebote in die App einstellen – zum Beispiel Rabattaktionen.

Händler erreichen das Wohnzimmer

Rund 30 Geschäfte sind bisher im Findeck-Netzwerk. Zu wenig, um alle Anfragen positiv beantworten zu können. Vogt schwebt eine Mindestzahl von 120 Händlern vor. Obwohl das Start-up bisher nicht für sich geworben hat, gebe es immer wieder Gesuche. 88 bisher. 40 kamen in Kontakt mit einem Händler.

„Wir waren zu Beginn zu naiv-optimistisch“, sagen die Macher. Wie sehr sich Kunden und Händler gegenseitig bedingen, haben sie unterschätzt. „Ein Henne-Ei-Problem“, so Vogt. Deshalb übernehmen sie nun für Händler Aufgaben im digitalen Bereich. So machen sie die – teilweise kostenlosen – digitalen Angebote für Händler leicht zugänglich und bauen gleichzeitig ihr Netzwerk aus.

Bereits Teil davon ist Kirsten Schoeller, Inhaberin von Bailando DanceWear in der Bismarckallee. „Der Fachhandel leidet ziemlich“, sagt die 52-Jährige. Man müsse deswegen Wege finden, die Kundschaft zurückzugewinnen. „Findeck ist eine gute Idee“, sagt Schoeller. Der zeitliche Aufwand sei gering, der Ansatz überzeugend. Auch die Option, Sonderangebote bekannt zu machen, gefällt ihr. Eine passende Anfrage hat sie bisher noch nicht bekommen.

Das könnte auch an Netzwerk Freiburg liegen. In der riesigen Facebook-Gruppe werden täglich Gesuche eingestellt, die auch zu Findeck passen könnten. Vogt und Trautwein sind auch dadurch sicher: Der Bedarf ist da. Und wer könne kompetenter antworten als die Händler selbst?

www.findeck.de

Foto: © Till Neumann