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Duden –
Das Bedeutungswörterbuch (4. Auflage)
Dudenverlag 2010
1151 Seiten, gebunden Preis: 21,95 Euro

   
 
 
     
 

Was ist der Unterschied zwischen brauchen und gebrauchen? Wann ist man froh, und wann ist man fröhlich? Wer erscheint frühzeitig, und wer ist rechtzeitig da? Was genau ist eine Kolonade? Antworten gibt das Bedeutungswörterbuch von Duden – jetzt in vierter, neu bearbeiteter und erweiterter Auflage und als Software für Windows, Mac OS X und Linux. Das Bedeutungswörterbuch widmet sich Wortschatz, Wortbedeutung und Wortbildung im Deutschen. Mit rund 20000 Stichwörtern und Wendungen, davon 700 Neuaufnahmen, bildet es den Grundwortschatz der deutschen Sprache ab und enthält den gesamten Wortschatz des „Zertifikats Deutsch”. Das Wörterbuch gibt zu allen Stichwörtern Aussprache- und Grammatikangaben, erklärt die Bedeutung und veranschaulicht anhand von Beispielen, wie die Wörter verwendet werden. Zu vielen Stichwörtern führt das Wörterbuch außerdem sinnverwandte Wörter und Zusammensetzungen auf. Rund 450 Artikel zu Wortbildungselementen vermitteln eine Übersicht über die Systematik der deutschen Wortbildung; circa 75 Infokästen zu leicht verwechselbaren Wörtern klären Zweifelsfälle auf einen Blick. So dient das Wörterbuch allen Muttersprachlern und allen, die Deutsch als Fremdsprache lernen, dazu, ihren Wortschatz zu erweitern und ihre Sprachkompetenz zu verbessern. Übrigens: Kolonade, die: Säulengang, bei dem das Gebälk horizontal verläuft und im Unterschied zur Arkade keine Bogen aufweist: Durch die Kolonaden des Kurhauses schlendern.

Nicole Kemper

 
     
     
     
 
 

Duden –
Das Stilwörterbuch
9., völlig neu
bearbeitete Auflage
Dudenverlag 2010
1087 Seiten, gebunden Preis 21,95 Euro

   
 
 
     
 

Die Sprache macht's möglich: Auch im ewigen Eis kann ich auf die Palme gehen oder meine Begleiter auf die Palme bringen. Völlig unblutig schneidet sich jemand von seinem Kollegen eine Scheibe ab und sitzt auf glühenden Kohlen, ohne Brandblasen zu bekommen. Wer bei solchen Formulierungen das Gefühl hat, sich auf dünnem Eis zu bewegen, findet Hilfe im neu aufgelegten Stilwörterbuch von Duden. Es gibt Sicherheit bei der Anwendung von festen Wendungen, Redensarten und Sprichwörtern. Auf 1087 Seiten und mit rund 100000 Fügungen und Satzbeispielen zeigt das Nachschlagewerk Bedeutung und Verwendung der Wörter im Satz. Für die Neuauflage wurde der Inhalt des Bandes vollständig überarbeitet und aktualisiert. Das neue „Stilwörterbuch” enthält den aktuellen Grundwortschatz der deutschen Sprache. Viele neue Wörter und Wortbedeutungen wie zum Beispiel Boykott, boykottieren, chatten, cool, global, klicken, leasen, nachtreten, SMS, simsen oder toppen sind aufgenommen worden. Vor allem wurden zahlreiche neue Verwendungsweisen und Anwendungsbeispiele ergänzt. So informiert beispielsweise der Stichwortartikel zu „Konjunktur” ausführlich darüber, mit welchen Verben sich die gesamtwirtschaftliche Lage beschreiben lässt: die Konjunktur springt an, zieht an, erholt sich, kühlt sich ab, lahmt, schwächelt, brummt. Außerdem ist eine größere Anzahl neuer fester Verbindungen und Wendungen wie beispielsweise bis zum Anschlag (im Artikel „Anschlag”), dicke Bretter bohren (im Artikel „Brett”) und jemanden auf Linie bringen (im Artikel „Linie”) verzeichnet worden. Ein nützliches Nachschlagewerk für alle, die sich professionell oder privat mit Sprache auseinandersetzen. Allerdings hat es im täglichen Gebrauch auch seine Grenzen: Bei meiner (sich rein zufällig ergebenden) Suche nach den Wörtern 'aberwitzig', 'skurril' und 'Palette' ging ich leer aus. Und zwischen 'Lebenslauf' und 'lebensmüde' hätte ich doch ein klein wenig 'Lebenslust' erwartet ...

Nicole Kemper

 
     
     
     
 
 

Volker Petzold
Das Sandmännchen
Alles über unseren Fernsehstar
320 Seiten, gebunden
Edel Entertainment 2009 Preis: 24,95 Euro

   
 
 
     
 

Ultimative Fundgrube

Nein, dieses Standardwerk über den größten Fernsehstar der DDR – und bei den kleinen Fernsehzuschauern ist er das auch im wiedervereinigten Deutschland geblieben – ist kein Schmöker für junge Leseratten. Es ist vielmehr ein unglaublich faktenreiches Geschichtsbuch über den Sandmann, der 1959 im Deutschen Fernsehfunk erstmals in die ostdeutschen Wohnzimmerstuben ausgestrahlt wurde. Und um auch dieses mögliche Missverständnis gleich vor dem Gang zur Buchhandlung aufzuklären: diese Figur ist nicht mit dem BRD-Sandmännchen identisch, eher ein weit entfernter Bruder im Geiste; aber der Ost-Sandmann trat nach der Wende die Nachfolge des West-Sandmännchens an, das ja in den 80er Jahren von allen Dritten Programmen in die Mottenkiste versenkt wurde. Auch für einen Unbeteiligten wie den Rezensenten, der noch nie auch nur eine Folge des hier vorgestellten Sandmanns gesehen hat, hat dieses Buch einen ungeheuren Reiz in all den angesprochenen Aspekten, die über den abendlichen Gruß an die Kinder hinausgehen. Es ist ein Stück deutsch-deutscher Zeitgeschichte, die sich in den vielen vom Autor in jahrelanger Kleinarbeit zusammengetragenen Anekdoten und Histörchen rund um den Sandmann widerspiegeln. Tiefe Einblicke in die Produktions- und Ideenschmiede, gesellschaftspolitische Hintergrundinformationen zu vielen Episoden – wenn der Sandmann beispielsweise Urlaub in Bulgarien macht oder afrikanischen Kindern beim Einschlafen hilft oder mit dem Polski-Fiat ins östliche Nachbarland reist – lassen den DDR-Alltag noch einmal lebendig werden. Und zwar nicht aus nostalgisch-verklärter Sicht und auch nicht vom oft so überheblichen Westler-Horizont aus, sondern informativ, manchmal leicht ironisch, aber ohne jemals den wesentlichen Aspekt aus den Augen zu verlieren, die Geschichte des Sandmanns zu erzählen. Menschen, die mit dem Sandmann groß geworden sind, werden an diesem Buch genauso ihre Freude haben, wie TV-Historiker und Medienpädagogen. Denn der Sandmann des Ostfernsehens hat nicht zuletzt durch seine Präsenz im Kinderkanal von ARD und ZDF auch heute noch erstaunlich viele kleine Fans, vor allem in Besser-Wessi-Land. Bei einem Ranking der von Kindern am meisten gesehene Sendung des Jahres 2007 konnte sich der Sandmann vor „Wetten dass?“ auf Platz 2 platzieren und wurde nur knapp von der Berichterstattung zur Handball-WM geschlagen.

Georg Giesebrecht

 
     
     
     
 
 

Jussi Adler-Olsen Erbarmen
420 Seiten, TB
dtv premium, 2009
Preis: 14,90 Euro

und

Maria Ernestam Mord unter Freunden
380 Seiten, TB
btb, 2009
Preis: 9 Euro

   
 
 
     
 

Crime-Time zwischen Spaß und Spannung

Mord unter Freunden
In weinseliger Stimmung gründen die drei Freunde Mari, Anna und Frederik die Agentur „Kleopatras Kamm“. Die Geschäftsidee des neuen Unternehmens ist ein Mädchen-für-alles-Dienst. Mit Hilfe ihres geballten Know Hows wollen die Drei die Probleme anderer Menschen lösen. Schnell kommen die ersten Aufträge in Form von Heimwerkerdiensten, Cateringbestellungen und Nachhilfe. Annas Nachbarin Elsa wendet sich mit einem schwerer wiegenden Problem an die Dienstleister – sie will ihren gewalttätigen Ehemann loswerden, egal wie. Die drei Freunde sind sich einig: Mord ist nicht in ihrer Angebotspalette enthalten. Als der Mann kurz darauf stirbt, steht die große Frage im Raum: War es ein natürlicher Todesfall oder hatte einer von ihnen die Hand im Spiel? Für Elsa Karlsten ist die Sache klar: Mit Freude will sie für den erledigten Auftrag bezahlen und Kleopatras Kamm weiterempfehlen ... Ein vergnügliches und spannendes Verdächtigungs- und Verwirrspiel mit einigen Überraschungen.

Erbarmen
Der Angriff auf der Fähre kommt von hinten und völlig überraschend. Ein Betäubungsmittel raubt der Politikerin Merete die Sinne. Als sie wieder zu sich kommt, befindet sie sich in einem stockdunklen, leeren Raum. Dieser soll von nun an ihr Gefängnis sein: Tage, Wochen, Monate gehen ins Land, bis sie das erste Mal wieder Licht sieht, und ihr eine unbeteiligte Lautsprecherstimme gratuliert: „Herzlichen Glückwunsch zu deinem Geburtstag, Merete. Du bist jetzt hier seit 126 Tagen, und das ist unser Geburtstagsgeschenk: Das Licht wird von nun an ein Jahr lang eingeschaltet bleiben. Es sei denn, du kannst uns diese eine Frage beantworten: Warum halten wir dich fest?“ Zu dieser Zeit ist Meretes Fall längst zu den Akten gelegt: Tod durch Ertrinken, keine weiteren Ermittlungen. Doch dann wird der unliebsame Kommissar Carl Mø‎rck in eine neu geschaffene Abteilung abgeschoben: Das Dezernat Q soll alte Fälle mit einem Fragezeichen neu aufrollen. Unter den Akten befinden sich auch die der verschollenen Politikerin ... Außerordentlich grausam, außerordentlich spannend – wer sich an logischen Brüchen nicht stört, findet hier einen nervenzerreißenden Pageturner, den man kaum aus der Hand legen mag. Man sollte allerdings beim Lesen nicht darüber nachdenken, warum man sich selbst mehr Gedanken über die Frage nach dem Motiv macht als die Eingesperrte – und somit auch viel früher auf die Lösung kommt.

Nicole Kemper

 
     
     
     
 
 

Medienpaket: „Duden – Die deutsche Rechtschreibung” (25. Auflage) und „Duden Korrektor kompakt 6.0” Dudenverlag 2009
1216 Seiten, gebunden Jubiläumspreis: 25,- Euro bis 31.12.2009

   
 
 
     
 

Der neue Duden ist da – und mit ihm neue Wörter. Darum erstmal ein Ratequiz: Welche Neuschöpfungen haben es wohl in das Standardwerk der deutschen Sprache geschafft? Bei A ein kleiner Tipp: Es geht um automobile Milchmädchenrechnungen. Noch mehr Neues? Da hätten wir die Bad Bank und den Barfußpfad, Hüftgold und Heizpilz, Kuschelkurs und Regenbogenfamilie. Neben neuen Phänomenen wie twittern und snowkiten haben es auch alte Bekannte wie Stockbrot und Fernbeziehung in die 25. Auflage geschafft – insgesamt enthält sie 135 000 Stichwörter mit über 500 000 Beispielen, Bedeutungserklärungen und Angaben zu Worttrennung, Aussprache, Grammatik, Stilebenen und Etymologie; darunter mehr als 5000 neu aufgenommene Wörter. Rund 400 Infokästen mit leicht verständlichen Regeln und praktischen Beispielen erklären schwierige Zweifelsfälle. Zum 25sten bietet der Dudenverlag den neuen Duden zusammen mit der Korrektursoftware „Duden Korrektor kompakt” in einem Medienpaket zum Jubiläumspreis an. Testen konnten wir die Software leider nicht – die Version im Jubiläumspaket setzt Microsoft Office oder Works als Grundlage voraus. Für die Nutzer von Konkurrenzprodukten gibt es den ebenfalls frisch erschienenen Korrektor 6.0 für OpenOffice und StarOffice.

 

 
     
     
     
 
 

„Das Leben geht weiter“ ein Holm-Roman
Von Matthias Keidtel

   
 
 
     
 

Verschrobene Weltsicht zum Mitschämen

Felix Holm hat vor den Möglichkeiten unserer Welt kapituliert und beneidet die Leute im Altersheim, die ihr Leben weitestgehend hinter sich haben. Das macht sein eigenes Leben nicht gerade einfacher, und das geht, wie der Titel ja bereits verheißt, auch noch weiter: Nach dem Scheitern seiner ersten Beziehung zu Ulrike, ist er wieder bei seinen Eltern eingezogen und lebt als 38-Jähriger das Leben eines verunsicherten Jungen, der scheinbar aufgegeben hat, seinen Platz in der Gesellschaft zu suchen. Holm sucht nach Konstanten im Leben - Reinhard Mey, Schaufensterbummel mit der Mutter (mit abschließendem Kaffee und Kuchen bei Möwenpick) und das Auslandsjournal gehören dazu. Als er sich endlich doch zu einem Neustart durchringt - er will Reinhard-Mey-Rosen aus Frankreich importieren und züchten - nimmt das Schicksal seinen Lauf.

Das Buch verdeutlicht dem Leser die aberwitzigen Ansichten eines Außenseiters. Das ist mal zum brüllen komisch, mal so peinlich, dass man sich kaum traut dieses Buch in der Öffentlichkeit zu lesen. Keidtels Sprache in den Holm-Romanen wird dominiert vom Passiv und vom Konjunktiv. Dadurch - und durch Keidtels unglaubliches Auge für das kleine Detail - wird die verschrobene Welt, in der Holm sein Dasein fristet, unmittelbar erlebt.

Inhaltlich ist das Nachfolgewerk von ?Ein Mann wie Holm" zunächst etwas undicht. Leser des ersten Teils fragen sich, wie es einem Menschen gelingen soll, einen solchen Rückschritt im Leben zu machen - aber sie haben es eben mit Felix Holm zu tun und das alleine reicht als Begründung. Wer sich darauf einlässt einen unmöglichen Menschen kennenzulernen, wird diesem schnell verfallen, auch wenn man inständig hofft, dass es so jemanden nicht gibt. Das Buch nimmt schnell gefangen, oder, wie Holm sagen würde:

Spaß von der ersten Seite an wäre beim Genuss dieses Buches nicht völlig ausgeschlossen, vielleicht bestünde sogar Aussicht auf das Lesen eines zweiten Kapitels, jetzt wo ich schon dabei bin, und unter gewissen Umständen, einen bequemen Sessel vorausgesetzt,   könnte dies in eine lange Lesenacht münden.

(kein Scherz, der Rezensent heißt tatsächlich auch)
Felix Holm

 

 
     
     
     
 

Crime time!

Es gibt drei Kategorien von Kriminalromanen: Die Werke der ersteren Kategorie vermögen so wenig zu fesseln, dass man sie nach wenigen Seiten beiseite legt und auf die Auflösung des Falls kalt lächelnd verzichtet. In die zweite Kategorie fallen diejenigen, bei denen die Story gerade so am Ball hält, aber nach drei Tagen komplett aus dem Gedächtnis gelöscht ist. Und last not least gibt es die seltenen Lese-Events, die den Lesern den Schlaf rauben - weil sie das Buch nicht mehr zuklappen können und bis in die frühen Morgenstunden einer schaurig-wohligen Lesesucht frönen. Von letzteren soll hier die Rede sein.

 
     
 
 

Hakan Nesser
Eine ganz andere Geschichte
603 Seiten, gebunden
btb, 2008
Preis: 19,95 Euro

   
 
 
     
 

Kurz bevor Inspektor Barbarotti zum Inselurlaub mit seiner neuen Liebe aufbricht, steckt ihm der Briefträger noch ein paar Briefe zu. Als Barbarotti im Feriendomizil seine Post öffnet, wäre es ihm lieber, er hätte den Postboten verpasst: Auf dem doppelt gefalteten Briefbogen stehen nur zwei Sätze: „Plane, Erik Bergmann umzubringen. Mal sehen, ob du mich aufhalten kannst.“ Widerstrebend geht der Polizist seiner Pflicht nach. Eine Fahndung wird eingeleitet, doch sie gleicht der Suche nach der berühmten Nadel im Heuhaufen: Welcher Erik Bergmann könnte gemeint sein? Barbarotti hegt indes immer noch die Hoffnung, es handle sich bei dem Schreiben um einen üblen Scherz, und er könne ungestörte Ferien mit der Geliebten genießen. Die Hoffnung zerschlägt sich, als ein Jogger tot aufgefunden wird. Sein Name: Erik Bergmann ...
Äußerst ungewöhnlich an diesem packenden Thriller ist die chancenlose Situation des Ermittlers, der zwar die Namen der Ermordeten noch zu ihren Lebzeiten erfährt, aber immer zu spät kommt. Weitere Briefe trudeln ein, in jedem wird ein Mord angekündigt. Doch bevor die Kriminalisten eine heiße Spur haben, schlägt der Mörder erneut zu.
Die Leser bekommen einen Informationsvorsprung, ohne jedoch dadurch viel schlauer zu sein als der Inspektor: In einem anonymen Tagebuch werden Geschehnisse in der Bretagne aufgerollt, die sich fünf Jahre zuvor ereignet haben. Bis sich die Ereignisse in der Vergangenheit wie in der Gegenwart zuspitzen und Zusammenhänge erkennbar werden, gibt es Hochspannung auf 600 Seiten – ein Meisterwerk des Krimimeisters!

 

 
     
     
     
 
 

Lucretia Grindle
Namenstag
512 Seiten, gebunden
Limes, 2008
Preis: 19,95 Euro

   
 
 
     
 

Die Amerikanerin Mary Warren ist Witwe: Ihr Mann wurde auf einer gemeinsamen Italienreise ermordet, als er seine frisch Angetraute gegen einen maskierten Angreifer verteidigte; der Fall ging als 'Flitterwochen-Mord' durch die Presse. Der Täter wurde gefasst und als gesuchter Frauenmörder identifiziert. Zu einer Verurteilung kam es jedoch nie: Der Verdächtige starb wenige Monate nach seiner Verhaftung bei einem Unfall mit dem Gefangenentransporter.
Zwei Jahre nach diesen Geschehnissen kehrt Mary zum Schauplatz des Verbrechens zurück, um in Florenz ein Kunstgeschichtsstudium aufzunehmen und um ihrem Geliebten Pierangelo nahe zu sein. Kurz nach ihrer Ankunft wird die Stadt erneut von einem Frauenmord erschüttert: Ein Ruderer findet die verstümmelte Leiche einer jungen Frau am Ufer des Arno. Ein grausames Detail fällt besonders ins Auge: Ein Beutel aus roter Seide ist mit einer Polsterernadel an die Schulter des Opfers geheftet. Schockiert erkennt Mary die Parallelen zu ihrem eigenen Fall. Fast scheint es, als ob ihr Widersacher wiederauferstanden sei, um erneut zu morden. Doch der ist zweifelsfrei tot und begraben ...
Vor der Kulisse der italienischen Kunsthauptstadt entfaltet Lucretia Grindle einen atmosphärischen Psychothriller, in dem die Protagonistin immer tiefer in die blutigen Geschehnisse verstrickt wird. Nicht der ganz große Reißer, aber ein genüssliches Krimihäppchen für Italienfreunde und Kunstbegeisterte.

 

 
     
     
     
 
 

Sharon Bolton
Todesopfer
480 Seiten, gebunden
Manhattan, 2008
Preis: 19,95 Euro

   
 
 
     
 

Die Ärztin Tora Hamilton lebt erst seit einem halben Jahr mit ihrem Mann auf den Shetlandinseln, als sie auf ihrem neuen Anwesen einen grausigen Fund macht: Beim Ausheben einer Grube entdeckt sie im moorigen Boden eine Frauenleiche. Die Todesursache ist offensichtlich: Der jungen Frau wurde bei lebendigem Leib das Herz herausgeschnitten. Als Tora erfährt, dass die Tote kurz vor ihrem gewaltsamen Ableben ein Kind entbunden hat, nutzt die Gynäkologin ihre Position in der örtlichen Klinik, um eigene Nachforschungen zu betreiben. Dabei stößt sie auf eine uralte Legende um die mächtigen 'Trows', die seit Jahrhunderten auf den Inseln ihr Unwesen treiben sollen ...
Sharon Bolton verwebt die archaischen Mythen um die geheimnisvollen Trollwesen mit mysteriösen Todesfällen zu einem packenden Medizinthriller. In den Mittelpunkt der Geschehnisse stellt sie mit der Protagonistin und der ermittelnden Polizistin zwei höchst eigensinnige und unangepasste Frauenfiguren, die den Spannungsbogen hoch halten und es dem Leser wahrlich schwer machen, das Buch vor der Auflösung zuzuklappen. Ein vielversprechendes Romandebüt, das Leselust auf mehr Kriminelles aus Boltons Feder weckt!

 

 
     
     
     
 
 

Jeffrey Deaver
Der Täuscher
544 Seiten, gebunden
blanvalet, 2009
Preis: 19,95 Euro

   
 
 
     
 

Eine Frau wird ermordet und ein wertvolles Kunstwerk gestohlen. Dank der zahlreichen Spuren am Tatort kann der Raubmörder umgehend gefasst werden. Die Beweislast ist erdrückend, der Fall scheint offensichtlich.

Zu offensichtlich, befindet jedoch Ermittler Lincoln Rhyme, der ganz persönliche Gründe hat, sich intensiv mit der Sachlage zu beschäftigen: Der Beschuldigte, der vehement seine Unschuld beteuert, ist sein Cousin Arthur. Bei seinen Nachforschungen stößt Rhyme auf weitere Fälle, in denen einzig die Fülle der Indizien zu einer Verurteilung führte. Mehr und mehr verdichtet sich sein Verdacht, dass er es mit einer Serie von Justizirrtümern zu tun hat ...

In ihrem achten Fall ist das Ermittlerteam Lincoln Rhyme und Amelia Sachs einem raffinierten und hoch technologisierten Täter auf den Fersen. 'Der Täuscher' ist ein intelligenter Big-Brother-Thriller, der ein bedrückend reales Bild des gläsernen Menschen entwirft.

Alle Crime Time Rezensionen von Nicole Kemper

 
     
     
     
 
 

Yannick Murphy
Here they come!
254 Seiten, Taschenbuch
Atrium 2008
Preis: 16 Euro

   
 
 
     
 

Beeindruckendes Porträt einer schrägen
Familie in einer krassen Stadt

Smitty ist dreizehn und schon ziemlich abgebrüht. Kein Wunder, denn schließlich lebt sie mit ihrer Mutter, ihren zwei Geschwistern und einem unendlich tapferen Hund in einer richtig fertigen Bruchbude in einer heruntergekommenen Gegend in den 70ern in New York. Nicht gerade die Basis für eine fröhliche Kindheit. Aber Smitty hat gelernt, sich durchzuboxen, sich durchzumogeln. Beim Hotdog-Verkäufer bekommt sie so viele Hotdogs wie sie will, dafür darf er sie ab und zu begrabschen. Mit dem Polizeipferd im Park hat sie sich auch angefreundet und sogar die eine Supermarktverkäuferin drückt ab und zu eine Auge beim Kassieren zu. Denn Smitty muss mit zehn Dollar fünf Mäuler für zwei Tage durchbringen, da muss man erfinderisch sein. Der Vater, ein ziemlich erfolgloser Filmemacher, hat sich verdrückt, ist ausgezogen und mit einer blonden Schlampe – O-Ton Smitty – zusammen. Eines Tages verschwindet er spurlos, Smitty’s durchgeknallter älterer Bruder, der gerne im blauen Seidenmantel rumläuft, seine Bude zerlegt und mit einem Gewehr rumfuchtelt, macht sich auf die Suche, die ihn bis nach Spanien führt. Währenddessen versucht Smitty ihre Familie zusammenzuhalten, das Leben in diesem verrückten New York erträglich zu gestalten, sich irgendwie durchzuwursteln.
Die Autorin Yannick Murphy ist selbst in New York groß geworden, hat dort an der Universität Kreatives Schreiben unterrichtet und legt mit der Großstadtstory „Here they come!“ ihren zweiten Roman vor. Es ist echt beeindruckend, welche Sprache sie für ihre jugendliche Ich-Erzählerin gefunden hat, wie sie uns am Leben dieser von ständigen Sorgen geplagten Familie teilhaben lässt. Direkt, offen, schonungslos und nachvollziehbar, und dann auch wieder sehr poetisch – man schwitzt und friert mit Smitty, man leidet mit ihr und freut sich über kleinste Erfolge beim Kampf gegen die Widrigkeiten der Alltagsarmut. Es passiert nicht so oft, dass ein Buch, das sich schnell runter lesen lässt, einen ganz langsamen Zauber entfaltet. „Here they come!“ ist so eine literarische Perle.
Georg Giesebrecht

 
     
     
     
 
 

Christian Kracht
Faserland
160 Seiten, Taschenbuch
dtv 1995
Preis: 8 Euro

   
 
 
     
 

GASTREZENSION DER KLASSE 3ÖJ
AM LYCÉE TURENNE IN FREIBURG

Eine Welt voll von Markenartikeln – eine Welt ohne jegliche Geldnöte – eine Welt von Partys und Drogen – es gibt sie, wenn auch nur fiktiv in Christian Krachts „Faserland“. Zugleich ist dies eine Welt voll von Beziehungsstörung, Einsamkeit und Enttäuschung, mit einem mehr als depressiven Schluss.

Im Faserland begleitet der Leser einen namenlosen Ich-Erzähler – vielleicht Ende 20 – auf seiner Reise quer durch Deutschland. Sie beginnt auf Sylt und findet in Zürich ihr vorläufiges Ende. Er begegnet immer wieder Bekannten aus den vergangenen zwanzig Jahren. Exzessive Partys, Drogen und Alkohol sind Bestandteile seines täglichen Lebens. Die Art und Weise, wie er seine Mitmenschen beschreibt, spiegelt seine Charakterzüge wider: er ist oberflächlich, emotionslos und Gefangener seiner inneren Leere.

Beim Lesen des Romans Faserland fällt der Markenfetischismus des Ich-Erzählers auf. Die Marken sind für ihn allem Anschein nach ein Ersatz für ein unerfülltes Leben, ohne Familie und richtige Freunde. Der Ich-Erzähler versucht hierdurch sein Selbstbewusstsein zu stärken. Er ist auf die Barbourjacke, die er ständig trägt, fixiert, er erwähnt diese sehr oft und beschreibt sie detailliert. Auch trägt er ausschließlich Hemden von Brooks Brothers.

Viele Markenartikel, welche in dem Buch genannt werden, sind für die jüngere Generation unbekannt; dies hat zur Folge, dass die Geschichte an Spannung verliert. Außerdem ist die Beschreibung vieler Markenartikel an bestimmten Stellen sehr lang und ausführlich, so dass der Leser den Drang verliert weiter zu lesen.

In diesem Buch dreht sich vieles um Kleidung und andere Äußerlichkeiten; sie werden hier mehr geschätzt als innere Werte. So wird wenig von Gefühlen gesprochen, aber oft davon, welche Bedeutung die Markenkleidung hat. Dies lässt sich auch daran erkennen, dass der Ich-Erzähler sich ständig umzieht. Es ist ihm offenbar sehr wichtig, immer frisch und gut gekleidet zu sein („Ich ziehe mich erstmal um, da schöpfe ich merkwürdigerweise immer viel Kraft raus, aus dem Umziehen“)

Das Buch bezeichnet sich als ein Roman; jedoch ist die Reise von Nord- nach Süddeutschland der einzige Anhaltspunkt für diesen Roman. Das Buch zeichnet sich dadurch aus, dass es eine Reihe von Situationen aufzählt, jedoch dadurch keine zusammenhängende Handlung entsteht. Die Reise ist der einzige „Leitfaden“.
Es ist schwierig, sich mit den Charakteren zu identifizieren. Sie sind in der heutigen Gesellschaft nicht einzuordnen, da sie kein geregeltes Leben führen, nicht arbeiten und nicht sesshaft sind und dies auch nicht werden wollen.

Sie haben unverhältnismäßig viel Geld und zeigen dies auch, indem sie ausschließlich Markenkleidung tragen, innerhalb weniger Tage von Ort zu Ort reisen, Partys feiern und teure Autos fahren. Die Personen haben Wertvorstellungen und Charakterzüge, die dem normalen Bürger missfallen: zum Beispiel das absichtlich provozierende Rauchen im Nichtraucherbereich, das Entwenden eines Autos oder das Stehlen einer Markenjacke …

Dem Roman mangelt es durchweg an Spannung. Es findet kein Aufbau der Handlung statt. Dadurch fehlen Höhe- bzw. Wendepunkte. Der Verlauf der Handlung ist stetig auf einer niedrigen Spannungsebene. Es ist keine Entwicklung von Personen oder Handlungen erkennbar. Der Ich-Erzähler verliert kein Wort über seine Gefühle (z.B. Freude oder Trauer), sondern beschreibt eher detailliert, wie er und sein Umfeld sich verhalten. So macht es ihm bspw. anscheinend nichts aus, als sein Freund Rollo stirbt.

Kracht verwendet in seinem Roman nicht nur die gewöhnliche Literatursprache, sondern baut häufig Jugendjargon und Fäkalsprache ein. So findet der Leser keine zwei Seiten, auf denen nicht Ausdrücke wie „Scheiße“, „Arschloch“, „Schwuletten“ oder „assig“ benutzt werden.

Alles in allem: ein Roman mit vielen Widersprüchen, der mehr befremdet als fasziniert.

Natürlich sollte sich jeder Leser eine eigene Meinung bilden, aber für uns steht fest: dieses Buch ist nicht lesenswert !

(Diese Rezension entstand im Berufsschulunterricht der Klasse 3ÖJ des Lycée Turenne und wurde von den Schülerinnen und Schülern gemeinsam erarbeitet und verfasst, Anm. d. Red.)

 
     
     
     
 
  Verena Lueken
Gebrauchsanweisung für New York
Piper Verlag, München
170 Seiten
12,90 Euro
   
 
 
     
 

Wir nutzen den schwachen Dollar!

War es früher ein snobistisches Vergnügen einiger Gutbetuchter, sich zum ausgedehnten Einkaufsbummel nicht nach Mailand, sondern nach New York zu begeben, so ist der Flug in die Vereinigten Staaten durch die derzeitige Dollarschwäche auch für "Normalos" erschwinglich geworden, zumindest lohnt sich nach einem Blick auf die persönliche ökologische Flugbilanz ein Kurztrip über den Atlantik, denn nicht nur Jeans, auch viele Hotels sind bezahlbar. Und wer hat nicht immer schon einmal ungeachtet ideologischer Vorbehalte gegenüber MacDonald und der jeweiligen US-Regierung von einem Besuch dieser unglaublichen Metropole geträumt. Die passende Einstimmung darauf liefert das Buch "Gebrauchsanweisung für New York" von Verena Lueken, die sieben Jahre als Kulturkorrespondentin der FAZ dort gelebt hat. Wie der Titel schon suggeriert, handelt es sich nicht um einen gewöhnlichen Reiseführer mit Informationen im Stenostil, sondern um eine literarische Innenansicht, die dem Neuankömmling ungewöhnliche Einblicke in diese faszinierende Stadt verschafft. Die Autorin versteht es, ihre reportageähnlichen Erzählungen aus ihrer zeitweiligen Wahlheimat mit vielen historischen und aktuellen Fakten und Anekdoten so zu garnieren, dass auch die Leser, die gar nicht auf die Idee kommen, einen Flug dorthin zu buchen, von ihrem Bericht sehr angetan sein werden. Verena Lueken füllt die Kulisse New Yorks, wie wir sie aus zahllosen Filmen und TV-Serien kennen mit dem Leben, das sie dort kennen gelernt hat, sie lässt uns teilhaben an den Spleens der New Yorker, an den vielen auch für Ortskundige nicht immer verständlichen Regeln und Normen, nach denen der Alltag dort verläuft. Wer wissen will, wie die Menschen in und um Manhattan ticken, bevor er oder sie sich womöglich selbst dorthin begibt, der sollte zu dieser Lektüre greifen. In der Reihe der etwas anderen Reiseführer sind bei Piper mittlerweile schon über vierzig weitere "Gebrauchsanweisungen" erschienen.

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