Literaturhaus muss sich trotz Förderung strecken, um vielfältiges Programm zu finanzieren Kultur | 11.05.2018 | Erika Weisser | 70 mal gelesen

Ein halbes Jahr ist seit der Eröffnung des Literaturhauses Freiburg im Theatersaal der Alten Universität vergangen. In dieser Zeit hat Literaturhausleiter Martin Bruch mit seinen Kolleginnen Birgit Güde und Katharina Knüppel ein Programm auf die Beine gestellt, das in der Stadt viel Beachtung fand.

Mehr als 5000 Besucher aller Altersgruppen kamen zu den bisher realisierten knapp 70 Veranstaltungen, die von herkömmlichen, oft hochkarätig besetzten Lesungen und Autorengesprächen über ungewöhnliche neue Formate bis zu innovativen Experimenten reichten.

Manche Angebote lockten so viele neugierige Literaturbegeisterte an, dass die 140 Sitzplätze in dem 260 Quadratmeter großen Saal ziemlich schnell ausverkauft waren; dasselbe gilt für die Veranstaltungen, die wegen des erwarteten Andrangs von vorneherein in dem doppelt so großen Kaisersaal des Historischen Kaufhauses anberaumt wurden: Auch für die Lesungen von Daniel Kehlmann und Bernhard Schlink gab es schon bald nach ihrem Bekanntwerden keine Tickets mehr.

Das klingt nach reichlich Umsatz. Zumal das Literaturforum Südwest als Trägerverein des Literaturhauses die 45.480 Euro teure Jahresmiete nicht selbst bezahlen muss; die übernimmt das Rathaus, die Summe ist im städtischen Doppelhaushalt 2017/18 fest verankert. Doch mit dem Geld aus dem Kartenverkauf, sagt Martin Bruch, sei nur ein Teil der Ausgaben für die Veranstaltungen und Projekte zu begleichen: „Wir halten die Eintritts­preise mit 9 Euro für Erwachsene bewusst niedrig, außerdem geht immer ein Kontingent an kostenlosen Tickets an den ‚Kulturwunsch‘, damit auch Leute mit kleinem Geldbeutel zu uns kommen können.“

Mit variablen Elementen, die als Tribüne oder Sitzgelegenheit Verwendung finden, kann das ­Literaturhaus im Handumdrehen für jeden Zweck umgestaltet werden. Aufklappbare Buchlampen sorgen für das richtige Licht.

Deshalb verbringen er, Güde und Knüppel einen großen Teil ihrer Arbeitszeit nicht nur mit der Planung der inhaltlichen und organisatorischen Konzeption der Veranstaltungen, sondern auch damit, Anträge an die verschiedenen Stiftungen und Fonds zu stellen, Kooperationspartner zu suchen, Sponsoren zu finden. Dabei, erklärt Bruch, sei es ihr Anspruch, das dem Literaturforum Südwest aus dem städtischen Haushalt zugestandene Budget von jährlich 152.550 Euro „zu vermehren, nach Möglichkeit sogar zu verdoppeln“. Denn dieser Betrag fließe zum Großteil in die Personalkosten und mache es überhaupt erst möglich, dass das Literaturhaus-Team arbeiten kann. Deshalb sei es ihr Ziel, für die Veranstaltungskosten mindestens ebenso viel Geld „selbst einzuwerben“.

Bei der Möblierung des Literaturhauses ist ihnen dies gelungen: Der einmalige städtische Investitionskostenzuschuss von 65.000 Euro wurde mit selbst erworbenen 90.000 Euro sogar noch übertroffen. Dazu hätten außer dem eigens gegründeten „Förderkreis Literaturhaus Freiburg“ mit seinen 130 Mitgliedern auch viele Freiburger Einzelspender und Institutionen beigetragen. Aber auch Hersteller, die ihnen bei Stühlen, Lampen und den passgenau angefertigten und variablen Holzmöbeln „großzügige Rabatte einräumten“. Ihre Namen haben einen Ehrenplatz über der Ausgangstür. 

Programm: www.literaturhaus-freiburg.de

Fotos: © Erika Weisser