Kino-Tipp: Lolita lesen in Teheran – Autoritärer Kulturkampf 4Film | 16.11.2025 | Erika Weisser

Lolita lesen in Teheran

Iran, 1979: Der Schah ist gestürzt, überall keimt Hoffnung auf ein freiheitliches Leben. Die Literaturwissenschaftlerin Azar Nafisi kehrt voller Zuversicht aus dem US-amerikanischen Exil zurück. Doch sie stößt bald an die von den neuen religiösen Machthabern gesetzten Grenzen; ihr Vorhaben, an der Universität Teheran englischsprachige Literatur zu lehren, scheitert: Bücher wie „Der Große Gatsby“ oder „Stolz und Vorurteil“ werden von männlichen Studierenden als moralisch verwerflich und für Frauen nicht geeignet beanstandet und gemeldet.

Als sie sich weigert, den vorgeschriebenen Hijab zu tragen, wird sie suspendiert; einige ihrer gleichfalls unangepassten Studentinnen werden verhaftet. Sie führt die Vorlesung als privaten Lesezirkel in ihrem Wohnzimmer weiter, ist wegen der ständigen Repressalien aber zunehmend zermürbt und schwankt zwischen subversivem Bleiben und lebensrettender Flucht. Düsteres Drama über die zerstörende Wirkung des autoritären Kulturkampfs.

Lolita lesen in Teheran
Italien/Israel 2024
Regie: Eran Riklis
Mit: Golshifteh Farahani, Mina Kavani u.a.
Verleih: Weltkino
Laufzeit: 107 Minuten
Start: 20. November 2025

Foto: © Weltkino