a - e - i - o - u: Spekulative Seefahrt 4Literatur & Kolumnen | 26.06.2023 | Erika Weisser

Buchcover: a - e - i - o - u

Heutige Menschen, in deren Schriftsprache auch Vokale selbstverständlich sind, denken vermutlich selten drüber nach, ob das schon immer so war. Wer sich aber mit diesem Thema beschäftigen will, der oder dem sei Klaus Theweleits neues Buch empfohlen. Darin sucht der Freiburger Kulturwissenschaftler nach schlüssigen Beweisen für seine bereits im sperrigen Titel „Die Erfindung des Vokalalphabets auf See, die Entstehung des Unbewussten und der Blues“ aufgestellte These, dass das Vokalalphabet auf dem Wasser entstanden ist.

„Wellenroman“ nennt er seine mit Gewinn und Vergnügen zu lesende spekulative Reise zu den Ursprüngen der europäischen Schriftsprachen. Und diese liegen für ihn zwar schon bei den Griechen, doch nicht etwa bei den Dichtern und Philosophen, sondern bei den Händlern und Piraten, die vor gut 3000 Jahren auf dem Mittelmeer unterwegs waren. Diese hatten laut Theweleit keinen festen Heimathafen und kein politisches Zen­trum mit einer „Priesterkaste, die darüber entscheiden konnte, wie die ohne Schriftzeichen für Vokale verfassten Texte zu verstehen waren.“

In großer Distanz und auf stürmischer See sind Konsonanten jedoch nicht zu hören, Vokale schon. Deshalb mussten sie verschriftlicht werden.

Ob diese Geschichte so stimmt? Wunderbar erzählt ist sie jedenfalls. Und schön bebildert obendrein.

Buchcover: a - e - i - o - u

a - e - i - o - u
von Klaus Theweleit
Verlag: Matthes & Seitz, 2023
287 Seiten, gebunden
Preis: 28 Euro