Buch-Rezi: Der Afrik – Annäherung zweier Sprachloser 4Literatur & Kolumnen | 04.11.2023 | Erika Weisser

Buchcover: Der Afrik

Im Dürrenberg bei Pfaffenweiler gibt es ein großes Gewann namens „Afrika“. Dieses Rebstück entstand 1853; damals rodete die Gemeinde einen ganzen Wald und verkaufte die Grundstücke an die örtlichen Winzer. Seither wird dort Weinbau betrieben – ein örtliches Weingut stellt aus den dort geernteten Trauben die Cuvée „Afric“ her.

Mit den erzielten Einnahmen finanzierte die Gemeinde armen Familien die unfreiwillige Ausreise nach Algerien – unter falschen Ver­s­prechungen und in der Hoffnung, die 132 Menschen für immer los zu sein. Die Geschichte ist dokumentiert; im Rebberg erinnert ein Denkmal an diese Armuts-Migrationsgeschichte.

Sven Recker widmet seine Geschichte nun dem einzigen Rückkehrer von dieser Abschiebung: Franz Xaver Luhr, den man im Dorf „de Afrik“ nannte. Doch anders als es sich wohl in der
Realität zutrug, macht er diesen im fiktiven Teil seiner Geschichte zu einem sonderbaren, eigenbrötlerischen Kauz, der auf Rache für die Vertreibung sinnt und diese auch minutiös vorbereitet. Bis ein ebenso schweigsamer Junge auftaucht.

Buchcover: Der Afrik

Der Afrik
von Sven Recker
Verlag: Edition Nautilus, 2023
160 Seiten, gebunden
Preis: 22 €