Buch-Rezi: Niemer heebt s – Landleben ohne Romantik 4Literatur & Kolumnen | 07.11.2023 | Erika Weisser

Buchcover: Niemer heebt s

Wer erfahren will – oder sich erinnern mag –, wie es sich vor einem halben Jahrhundert auf dem Land lebte, der oder dem sei Wendelinus Wurths neues Buch ans Herz gelegt. In schönstem Niederalemannisch beschreibt der in Gutach lebende Autor die Welt „vor der großen familiären Arbeitsteilung“.

Um zu verstehen, wie die bäuerliche Landwirtschaft und deren allmählicher Wandel ihn als Kind, als Heranwachsender oder auch als erwachsener, dem alten Vater beim Baumschnitt zur Hand gehender Mann prägte, empfiehlt es sich, die episodischen Texte laut zu lesen. Dabei bekommt man nicht nur ein Gespür für die Feinheiten dieser Sprache, sondern auch für die Denkweise der Leute, die in dieser Landschaft lebten und vor allem: zusammen lebten.

Dabei romantisiert Wurth nichts. Die selbstverständliche Mitarbeit beim Heuen, bei der Erdbeer-, Kirsch- und Kartoffelernte, die deshalb vernachlässigten Hausaufgaben, die Jugend zwischen Tradition und Pop-Musik, der Einfluss des „Ustuschschieler“-Aufenthalts in den USA: Alles thematisiert er ohne Nostalgie – und mit viel Humor und Anerkennung.

Buchcover: Niemer heebt s

Niemer heebt s
von Wendelinus Wurth
Verlag: Drey, 2023
118 Seiten, gebunden
Preis: 20,60 €