Buch-Tipp: Dunkelholz – Leere Kladde auf dem Tisch 4Literatur & Kolumnen | 29.07.2025 | Erika Weisser
Lydia braucht Zeit, Ruhe, Raum, Abstand. Und findet alles in einem längst verlassenen kleinen Haus am Rand eines bereits herbstlichen Waldes. Von Auszeit spricht sie nicht, sie hat keine Ahnung, wann sie in ihren Alltag und zu ihrem Mann Markus zurückkehren will. Und ob sie das überhaupt will.
Sie will schreiben, will Klarheit in ihr Leben bringen, in ihre Beziehungen, ihr häufiges Scheitern. Vor allem will sie aufschreibend ergründen, wie es geschehen konnte, dass sie ihre Tochter Clara und deren innere Nöte so aus den Augen verlor, dass sie zuerst mager-, dann sportsüchtig wurde und sich schließlich rechts-radikalisierte, bewaffnete und im Knast landete.
Doch die Kladde, die sie als tägliche Mahnung mitten auf dem Stubentisch der Hütte platziert, bleibt wochenlang leer. Zu sehr lenkt Lydia sich mit Putzen, mit Pilze- und Holzsammeln, mit Anfeuern, mit der mühseligen Beschaffung von Lebensmitteln ab. Und mit langen Spaziergängen, bei denen sich die Gedanken, die sie eigentlich verdrängen will, dann doch einstellen. Allerdings ungeordnet, in unvermittelten, oft unzusammenhängend scheinenden Rückblenden. Allmählich arbeitet sie sich dann doch zum Kern ihrer Bindungsunfähigkeit vor. Überzeugendes Debüt der Freiburger Autorin.

Dunkelholz
von Natalja Althauser
Verlag: Piper, 2025
208 Seiten, Hardcover
Preis: 22 Euro
Erscheint am 1. August








