Buch-Tipp: Für immer sehe ich dich wieder – Worte der unsagbaren Trauer 4Literatur & Kolumnen | 12.11.2025 | Erika Weisser

Für immer sehe ich dich wieder

Yannic Han Biao Federer kam in Breisach zur Welt, wuchs in Staufen auf und lebt als freier Autor in Köln. Und hier wird für ihn und seine Frau Charlotte der größte Albtraum werdender Eltern Wirklichkeit: Kurz vor seiner Geburt stirbt ihr Sohn Gustav Tian Ming.

Sie können die Katastrophe nicht fassen, können nicht über ihren Schmerz sprechen. Und inmitten hilfloser Tröstungsversuche von Verwandten und Freunden, endloser Auseinandersetzungen mit bürokratischen Abläufen und der kaum zu bewältigenden Vorbereitung der Bestattung des toten Kindes beginnt Federer aufzuschreiben, was um ihn herum geschieht. „Plötzlich“, notiert er, „fühlt sich alles falsch an, wie ausgedacht“. Wie ver-rückt, wie andere Menschen betreffend.

Sein sehr persönliches und soeben mit dem Buchpreis „Familienroman 2025“ der Stiftung Ravensburger Verlag ausgezeichnetes Werk ist ein Versuch zu begreifen, was geschehen ist. Eine Sprache zu finden für ihre unsagbare Trauer. Es ist ihm gelungen. Mehr noch: Über das Schreiben gelingt es Federer, auch den Tod des Sohnes zu akzeptieren, ihn als Familienmitglied an einem anderen Ort wahrzunehmen: Als die Morgensonne durchs Fenster scheint, sind die verwaisten Eltern sich einig, dass „Gusti sie uns geschickt hat“.

Für immer sehe ich dich wieder

Für immer sehe ich dich wieder
von Yannic Han Biao Federer
23Suhrkamp, 2025
180 Seiten, Hardcover
Preis: 20 Euro