Heimspiel: »Anbieten statt verbieten« 4Literatur & Kolumnen | 16.03.2026 | Erika Weisser
Nach 17 Jahren im Freiburger Gemeinderat hat Johannes Gröger sein Mandat niedergelegt. Seit seiner Wahl 2009 war der heute 71-jährige Rechtsanwalt Vorsitzender der Fraktion der Freien Wähler, die in all den Jahren aus drei Mitgliedern bestand und stets selbstständig und unabhängig blieb.
„Freiburg lag mir vom ersten Tag an am Herzen. Ich erinnere mich noch gut, wie ich 1976 mit meinem himmelblauen Käfer über den Zubringer Mitte auf die damals noch nicht so weit in den Westen ausgedehnte Stadt und deren umgebende Berge zufuhr und sofort das Gefühl hatte, hier genau richtig zu sein. Nach der Flucht aus der DDR und zwei Jahren in Westberlin fand ich hier einen lebendigen Studien- und vor allem bald auch einen idealen Lebensort.
Ich bin froh und sehr dankbar, dass ich etwas zurückgeben und zur Weiterentwicklung der Stadt beitragen konnte. Etwa im kulturellen Bereich, der mir sehr wichtig ist. So habe ich 1986 die Freie Kunstakademie Freiburg gegründet, aus der die heutige Macromedia University hervorgegangen ist. Damals kam ich mit der Kommunalpolitik in Berührung; Kunst, Kultur und deren Förderung sind ja immer auch kommunalpolitische Themen. Ich engagierte mich dann bei den Freien Wählern, der ersten Bürger-Initiative, die sich in den 1950er-Jahren gegründet hatte und ausschließlich kommunalpolitisch aktiv war und blieb.
Bei der Gemeinderatswahl 2024 konnten wir mit 1,5 Prozent mehr Stimmenzugewinn verzeichnen als die anderen Gruppierungen. Das liegt sicher auch daran, dass wir uns immer für eine solide Finanzpolitik stark gemacht haben. Denn nur mit einem ausgeglichenen Etat können sich Kommunen Investitionen im kulturellen oder sozialen Bereich leisten. Das gilt etwa für die jüngst beschlossenen Ausstellungshonorare für bildende Künstler und – auf meine Initiative hin – die Anschaffung von Musikcontainern, um den Mangel an Proberäumen zu mildern. So entsteht im Eschholzpark gerade ein kleines Musikdorf.
Das gilt aber auch für das vor zehn Jahren eingeführte Sozialticket. Ich bin stolz darauf, dass der entscheidende Kompromissvorschlag für dieses wichtigen Instrument der Mobilitätsteilhabe von unserer Fraktion kam. Dennoch hoffe ich, dass es langfristig überflüssig wird. Besser wären nämlich gar keine Tickets. Leider vergeblich habe ich 2013 ein Konzept vorgelegt, nach dem der ÖPNV durch eine Umlage finanziert und die Nutzung kostenfrei werden sollte. Denn wenn jeder eine Art Steuer für Bus und Bahn zahlt, nutzt er diese Verkehrsmittel auch und verzichtet öfter von allein aufs Auto. Der Individualverkehr wird nicht durch Restriktionen eingedämmt, sondern durch Alternativen.
Anbieten statt verbieten – das war stets mein politischer Ansatz. Auch wenn er nicht immer durchsetzbar war. Aber zum demokratischen Prinzip gehört ja auch, zu akzeptieren, dass man manchmal keine Mehrheiten für seine Vorschläge findet.
Ich gehe nun ohne Wehmut. Ich hatte mir schon lange vorgenommen, mit 70 neue Schwerpunkte zu setzen und die Arbeitsbelastung zu verringern. Ich will mehr Zeit fürs Privatleben haben, mich den Dingen zuwenden, die zu kurz gekommen sind, etwa die Musik. Ich spiele seit meiner Kindheit Klavier, habe das auch nie ganz gelassen – aber eben doch manchmal vernachlässigt. Große Pläne habe ich erst einmal nicht. Doch eines Tages würde ich gerne mit dem Fahrrad nach Athen fahren.“
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