Heimspiel: »Einsamkeit macht süchtig« 4Literatur & Kolumnen | 27.02.2026 | Till Neumann
Keiner in BaWü wohnt höher als Conny Gröbler. Der 49-Jährige hat 25 Jahre lang die Loipen auf dem Feldberg gespurt. Jetzt hat er aufgehört. Als „Der Feldberger“ ist er aber weiter eine Instagram-Bekanntheit – und bekommt regelmäßig Heiratsanträge. Im chilli-Heimspiel berichtet er, wie es dazu kam.
„Als selbstständiger Loipenpräparierer habe ich nach 25 Jahren aufgehört. In der langen Zeit hat sich einiges verändert. Vor 25 Jahren waren die Winter noch Winter. Wenn du dein Geld damit verdienen musst und teure Maschinen besorgst, muss sich das auch rentieren.
Der Klimawandel ist ein Faktor. Ein weiterer ist die Politik am Feldberg. Der Berg ist im Wandel und ich bin nicht ganz einverstanden mit der Loipenpolitik. Wenn du mit deinem Namen dafür nicht mehr stehen willst, musst du Entscheidungen treffen.
Zu dem Job kam ich über die Hütte, die meine Familie hier oben betrieben hat. Wir haben sie damals als Pension umgebaut und einen Pistenbully geholt. Bürgermeister Stefan Wirbser kam im Jahr 2000 drauf, dass ich die Loipen machen könnte. Das hat mir natürlich Spaß gemacht hat.
Damals sind Anfang November die Autos nur noch bis zur B317 gefahren. Dann waren fünf, sechs Monate Schnee am Stück. Im Frühjahr oder zu Ostern wurde die Straße einmal aufgefräst und wir haben die Autos wieder hochgeholt.
Meine Schichten gingen meist so um drei, vier Uhr nachts los: Schneeverwehungen räumen, Hüttenwirte anfahren, die Ein- und Ausgänge schieben. Mit einfach rübertuckern wie heute war es nicht getan. Da musste man sich richtig durch den Schwarzwald kämpfen.
Meine schönsten Momente waren die nächtlichen Touren durch verschneite Wälder. Wenn die Tannen fantastische Figuren bilden, wo du dich manchmal erschreckst, weil du denkst: Huch was steht denn da im Dunkeln? Dann die Begegnungen mit Tieren. Schlimm war, wenn du mit der Maschine mitten in der Nacht einen Schaden hattest und liegen geblieben bist. Oder wenn du tagsüber hautnah Unfälle miterlebt hast.
Ich arbeite ja auch ein bisschen mit der Bergwacht zusammen. Wir unterstützen uns gegenseitig und das sind dann eben nicht so tolle Erlebnisse, aber die gehören einfach auch mit zum Berg dazu.
Ich wohne auf dem Gipfel unterhalb vom SWR-Sendeturm in der Wetterstation. Im Ländle lebt keiner höher. Das Leben dort ist einsam. Das muss man gewohnt sein. Ich sage oft: Einsamkeit macht süchtig. Schon nach ein paar Stunden Trubel in der Stadt freue ich mich auf den Berg: Du siehst die vielen Lichter unten, hast deine Ruhe und die Naturgewalten vor der Nase. Die Berge gehören zu meinem Leben dazu.
Ich bin aufgewachsen im Thüringer Wald – oben im Dorf –, dann als Jugendlicher mit meinen Eltern hier in den Schwarzwald gekommen. Also ich kenne es nicht anders.
Ich will den Leuten diese subalpine Insel Feldberg mit Fotos und Videos näherbringen. Ich nehme einfach mein iPhone, freue mich, dass da ab und zu ein paar tolle Bilder rumkommen. Das ist ein Ding nebenher, der Oberinfluencer bin ich nicht.
Hochzeitsanträge kommen trotzdem ab und zu. Das kommt davon, dass viele Mädels das als romantisches Leben sehen: Da oben der einsame Almöhi.
Mein Job ist jetzt, die Wetterstation des Deutschen Wetterdienstes hier oben zu betreuen. Ich sorge dafür, dass Daten gesammelt werden und nach Offenbach rausgehen. Da ich schon immer selbstständig bin, heißt es, bis zur Rente arbeiten bis zum Umfallen. Solange ich hier oben bin, kann ich die Zeit aber einfach genießen.
Foto: © Der Feldberger









