Heimspiel: Der Rekordspender 4Literatur & Kolumnen | 02.08.2025 | David Pister

Thomas Weist

Thomas Weist hat seit den 2000ern schon mehr als 500-mal Thrombozyten gespendet. Alle zwei Wochen die Nadel im Arm – für den 66-jährigen Freiburger längst Routine. Zwischen Kanüle, Calcium und Altherrentreff hat ihn chilli-Redakteur David Pister in der Blutspende­zentrale des Universitätsklinikums Freiburg getroffen.

„Ich bin seit 1976 am Spenden. Ich glaube, meine große Schwester hat mich dazu gebracht. Da war ich 18 Jahre alt. Damals habe ich aber nur Vollblut gespendet – ganz früher am Torbogen und dann im Haus Langerhans. Bis zum Umzug der Blutspendezentrale.

Mit der Thrombozyten-Spende habe ich dann in den 2000ern angefangen. Vorher ging das bei mir nicht. Dann wurde das Verfahren verändert. Und seitdem gehe ich regelmäßig alle zwei Wochen spenden, seit mehr als 20 Jahren. Anscheinend gibt es aber noch einen, der an der 600 kratzt. Den würde ich ja gerne kennenlernen, aber das geht aus Datenschutzgründen nicht.

Bei meiner Spende hat sich eine Routine eingestellt. Immer montags, 10.30 Uhr. Mit meiner Altherrengruppe, die ich hier kennengelernt habe: René, Christoph und Richard. Der René ist Spitzenreiter, der hat die meisten Thrombos. Der muss nur eine Stunde an der Nadel hängen. Meine Konzentration ist nicht so hoch, ich bleibe eineinhalb Stunden.

Aus dem Treffen hat sich über die Jahre eine richtige Freundschaft ergeben. Wir sehen uns auch außerhalb der Uniklinik. Es gab aber auch schon schlechte Erfahrungen: Ein älterer Herr fühlte sich durch unsere Unterhaltungen wohl heftig gestört und wähnte sich an einem Stammtisch. Den habe ich seitdem nicht mehr gesehen, der hat wohl den Tag gewechselt.

Mit der Vollblutspende habe ich angefangen, weil es mir guttat, Gutes zu tun. Wie schon der Aderlass im Mittelalter – nach der Vollblutspende ging es mir immer besser. Die Thrombozytenspende hat sich so ergeben und ist jetzt Tradition. Aber die Motivation ist natürlich, den Menschen zu helfen. Bei einem Spenderfest vor etwa zehn Jahren habe ich zum ersten Mal die Menschen kennengelernt, die die Thrombos bekommen. Das war sehr beeindruckend, natürlich auch bedrückend, bei den Geschichten, die wir so erzählt bekommen haben. So etwas könnte man durchaus öfter machen – ein wertvolles Erlebnis für Spender wie Empfänger.

Als ich vor rund 20 Jahren arbeitslos wurde, spielte auch die Aufwandsentschädigung eine Rolle – 50 Euro pro Spende. Heute, als Rentner, ist das Nebensache. Ich bin Diplom-Geograf und habe in einem Ingenieurbüro gearbeitet – bis 1999. Komischerweise wollte ich dann etwas anderes machen: Ergotherapie. Das ging in die Hose. Und ich wurde arbeitslos. Danach habe ich beim Vermessungsamt gearbeitet.

In den Sommermonaten komme ich als Hitzeflüchtling nach Freiburg zum Spenden. Mit den Temperaturen komme ich einfach nicht mehr klar, deshalb habe ich mir für Juni bis August eine Wohnung in Schluchsee gekauft. Montags geht’s runter nach Freiburg für die Thrombos, dann sehe ich meine Leute in Freiburg, und nach einem Mitternachtsschwimmen im Windgfällweiher gehe ich wieder zum Schluchsee. So geht das dann bis Ende August.

Da oben finde ich einfach Ruhe. Ich bin am See, im See, fahre Fahrrad – und genieße die Ruhe. Die restliche Zeit, in der es in Freiburg nicht heiß-schwül ist, wohne ich in Haslach.

Die Altersgrenze von 65 Jahren wurde vor kurzem gestrichen. Das heißt, solange ich mich fit und gesund ­fühle, werde ich auch spenden.“

Foto: © David Pister