Nachgewürzt: Taurus auf der Gnadenwiese 4Literatur & Kolumnen | 30.03.2024 | Volkmar Staub

Volkmar Staub Volkmar Staub, geboren in Lörrach, lebendig in Berlin, vergibt im chilli die Rote Schote am goldenen Band.

Von den spanischen Kampfstieren weiß man, dass sie auf ihren Weiden verwöhnt werden und ein idyllisches Leben führen, bis sie in die Kampfarena geführt werden. Dort werden sie von Picadores und Toreros mit Lanzen und roten Tüchern gereizt und dann sehen auch die wohlwollendsten Tierfreunde: Diese Killermaschinen wollen töten. Lateinisch nennt man den Stier Taurus. 

Einige Politiker wie die liberale Kampfdrohne Strack-Zimmermann (für mich ein rotes Tuch), wollen jetzt „Taurüsse“ an die Ukraine liefern. So ein Taurus kann marschieren, fliegen und hat einen gewaltigen Körper, weshalb man ihn auch zärtlich „Marschflugkörper“ nennt. Andere wie Scholz – „Ich bin der Kanzler und deshalb gilt das“ – sagen, das sei zu gefährlich. Eine Lieferung wäre allenfalls möglich, wenn man die Reichweite technisch so einschränkt, dass der Stier nicht direkt bis nach Russland durchgaloppieren kann. Aber was soll die Ukraine mit einem kastrierten Ochsen?

Der Kanzler befürchtet: Der Russe könnte das sonst als direkte Kriegsbeteiligung sehen, insbesondere wenn deutsche Soldaten als Stierpfleger vor Ort sein müssten. Die anderen sagen wieder, man wäre auf der sicheren Seite, wenn die Tierpfleger vor Ort aus der Ukraine kämen. Das Anlernen in einem Veterinärpraktikum könne allerdings dauern, bis der Stierkampf längst verloren sei. 

Schon einmal, vor langer Zeit in Kreta, war Europa naiv, wurde von einer blühenden Wiese entführt und von einem Stier vergewaltigt, der sich anschließend als Gottvater Zeus herausstellte. Europa sollte sich deshalb erst gar nicht auf den Taurus einlassen. Sonst entpuppt er sich plötzlich als Kriegsgott. Aber darüber spricht man am besten nur in abhörsicheren Räumen. Wenn ein hoher Militärveterinär über den Kampfstier in einem ungesicherten Hinterzimmer in Singapur spricht, dann erweist er sich selber als Ochse.

Dem Taurus wünsche ich, dass er auf der Gnadenwiese alt wird und nie in die Kampfarena geführt wird. Als Pazifist und Fleisch-Gourmet sind mir sowieso die Rindviecher am liebsten, die bei mir auf dem Teller landen: Rinderfilets, Stierhoden oder Ochsenbrüste. Von mir aus lasst die Sau raus, aber den Taurus lasst im Stall.

Eine scharfe Chilli in die politische ­Gulaschkanone!

Herzlichst
Volkmar Staub, geboren in Lörrach, lebendig in Berlin, vergibt im chilli die Rote Schote am goldenen Band. 

Foto: © privat