Wasserlinien & Lebensräume – Literatur aus dem Donauraum als Schwerpunkt der Leipziger Buchmesse 4Literatur & Kolumnen | 17.03.2026 | Erika Weisser
Donau – unter Strom und zwischen Welten“ lautet heuer das Fokusthema der Leipziger Buchmesse. Vom 19. bis 23. März können Besucher auf literarischen Reisen die Werke von Autoren aus den zehn Ländern kennenlernen, die dieser Strom auf seinem knapp 3000 Kilometer langen Weg vom Schwarzwald ans Schwarze Meer durchquert oder streift.
Dass der aus mehreren Quellbächen gespeiste Fluss seinen Ursprung nahe Freiburg hat, dass bei Tuttlingen ein Teil seines Wassers versickert und der andere Teil weiter nach Ulm und dann durch Bayern fließt, um ab Passau Österreich zu passieren und bei Wien zur schönen blauen Donau zu werden – all das wissen Südbadener aus dem Heimatkundeunterricht. Ihr weiterer Verlauf ist möglicherweise weniger bekannt – der Schwerpunkt bietet nun eine Gelegenheit, sich damit und mit dem dortigen vielfältigen literarischen Schaffen vertraut zu machen.
Bekannt ist indessen, dass die Donau außer Wassermassen und Handelswaren einst auch Schiffe mit Menschen transportiert hat. Familien, die sich weniger aus Abenteuer- oder Reiselust denn aus Armut und Not aufmachten und „im Ungarland“ oder an anderen Orten strandeten. Wirtschaftsflüchtlinge würden böse Zungen sie heute nennen. Darunter waren auch Menschen, die aus politischen Gründen deportiert wurden: 1755 verbannte Kaiserin Maria Theresia 27 Hotzenwälder Salpeterer mitsamt ihren Familien in das 1000 Kilometer entfernte Banat, weil sie sich ihre Rechte als Freibauern nicht nehmen lassen wollten.
Das Leben dieser „Donauschwaben“ wird etwa von der Freiburger Schriftstellerin Iris Wolf thematisiert, die aus Siebenbürgen stammt. Und mit den Salpeterern beschäftigt sich Sigrid Katharina Eismann in ihrem Roman „Mein innerer Schwarzwald“. Die Autorin wurde als Nachfahrin einer der damals vertriebenen Familien in Temeswar geboren und erzwang zu Ceausescu-Zeiten die Ausreise nach Deutschland. Mit dem Freiburger Journalisten Hubert Matt-Willmatt recherchierte sie die Geschichte der Salpeterer und machte daraus ein eachtenswertes Buch über die äußere und innere Wirkung von Willkürherrschaft.
Dass in manchen Donauländern auch 230 Jahre später noch Menschen verbannt wurden, zeigt András Viskys Roman „Die Aussiedlung“, der von der Ausweisung einer Pfarrersfamilie von Ungarn nach Rumänien erzählt. Um Unterdrückung und Gewalt sowie deren Überwindung geht es auch in Dimitré Dinevs Epos „Zeit der Mutigen“ (Bulgarien), in Lorina Băltenanus Roman „Das Seil, das mich an die Erde bindet“ (Moldawien) und in Ena Katarina Halers „Die Schuldlosen“ (Kroatien). Schön zu lesen ist hingegen Lukáš Cabalas: „Denkst du noch an Trenčín?“ – eine Hommage an die slowakische Kulturhauptstadt Europas 2026.
Literarischer Fluss: An der Donau sind viele und vielfältige Länder, Kulturen und Literaturen angesiedelt. So vielfältig, dass hier nur eine kleine Auswahl berücksichtigt werden kann.
















