Geschmackspolizei: Der Sounddreck … zum Partner oder Single 4Musik | 14.08.2025 | Ralf Welteroth

Geschmackspolizei

Die Freiburger Geschmackspolizei ermittelt schon seit 20 Jahren gegen Geschmacksverbrechen, vor allem in der Musik. Für die cultur.zeit verhaftet Kommissar Ralf Welteroth fragwürdige Werke von Künstlern, die das geschmackliche Sicherheitsgefühl der Bevölkerung empfindlich beeinträchtigen.

„Den Traumpartner finden … denn alleine war ich lang genug“, heißt das Corpus delicti, eine CD zur Selbsthypnose mit Musik von Werner Eberwein aus dem Jahre 1998. Ja, wir sind mit unseren Ermittlungen spät dran – chronische Unterbesetzung. An und für sich ist dagegen nichts einzuwenden, aber aus einem Traum wacht man in den allermeisten Fällen wieder auf, und diese Selbsthypnose hier ist doch sehr gewagt bis kriminell.

Bevor aus dem Traumpartner ein Alptraumpartner wird, sollte man eher zu einem anderen Tonträger greifen, der sich mit dem Single-Dasein beschäftigt und zu einem ganz pragmatischen Umgang damit einlädt. „Partnergeräusche für Singles“ wurde vor einigen Jahren schon von der Drogeriemarkt-Kette Rossmann (!) angeboten und offeriert in knapp 60 Minuten eine breite Palette an Geräuschen, welche die Anwesenheit eines Partners oder natürlich auch einer Partnerin simulieren. Man hört eine Toilettenspülung, Geschirrgeklapper, Schritte und auch das ein oder andere Körpergeräusch vom Gähnen über Räuspern bis hin zu, na ja, genau, auch das.

Sie haben die Wahl, wir haben Sie informiert und sind unserer Aufklärungspflicht nachgekommen. Durch eine Selbsthypnose, deren Wirksamkeit in diesem Fall arg bezweifelt werden muss, zu einem „Traumpartner“, den man am Ende nicht mehr loswird. Oder ein glückliches Dasein als Single mit einer Geräuschkulisse, die sich hören lassen kann, aber nicht muss.

Partnerschaftlich grüßt,

Ihre Freiburger Geschmacks­polizei