Rummel im Zirkuszelt: Die Beatsteaks auf dem ZMF 4Musik | 20.07.2025 | pt
30 Jahre und kein bisschen müde. Zum Bandjubiläum bringen die Beatsteaks den Freiburger Mundenhof zum Beben.
Für Samstag hat sich nicht nur eine Urgewalt der deutschen Rockszene angekündigt. Auch ganz reale Gewitterwolken brauen sich über dem Freiburger Zelt-Musik-Festival zusammen. Also lieber ein bisschen später kommen und so den Wolkenbruch umschiffen.
Am belagerten Bierstand lässt sich die verlorene Zeit allerdings nicht mehr hereinholen. Heute also Aperol statt Gerstensaft – der Sekt und Orangenlikör ausschenkende Stand wird vom Publikum in Bandshirts der Toten Hosen, Donots sowie Cargo-Shorts weitestgehend verschmäht.
Viele haben schon den einen oder anderen Festival-Sommer erlebt. Der Altersdurchschnitt im Zirkuszelt entspricht etwa dem Alter der Band: 30 Jahre. Mit einer Altherrenrunde ist hier heute jedoch nicht zu rechnen. Auch weil „Die Verlierer“ als geradezu jugendliche Vorband ganze Arbeit leisten: rotzig, punkig, auf jeden Fall energiegeladen. So recht will der Funke auf die bald 2.800 Besucher im ausverkauften Zelt jedoch nicht überspringen: Das Mikro ist zu leise.
Mit „Big Attack“ stimmt dann die Lautstärke, und es gibt sofort Breitseite der Beatsteaks. Auch das Publikum ist direkt da, die vorderen Reihen bitten bereits zum Moshpit. Das wird hier heute eine zünftige Sause. Nicht zu sehen sind derweil bunte Bildschirme. Mit väterlicher Strenge kontrolliert Frontmann Arnim Teutoburg-Weiß von der Bühne hinab: „Sind alle Handys aus?“ Die Menge wogt und pogt, die Tribüne wackelt und scheppert, die Luft ist schwer und feucht. Und die Beatsteaks spielen ihre Hits. Und wie.

Kein Halten: die Beatsteaks auf dem ZMF
„Hand in Hand“, „I Don’t Care as Long As You Sing“, „Let Me In“, „Hello Joe“, „Jane Became Insane“ zünden allesamt. Die Jungs sind eingespielt, die Moves vom Frontmann sitzen: Gitarrist Bernd Kurtzke singt Teutoburg-Weiß punktgenau an, reicht noch ein Bier in die Menge, täuscht einen Stagedive an, ist aber schon wieder weg. Nach 30 Jahren Bühne versprühen die Beatsteaks immer noch unbändige Energie. Und die ist ansteckend.
Als „Let Me In“ nach einer fulminanten Einlage von Drummer Thomas Götz abklingt, verlässt die Band die Bühne. An einen echten Abgang glaubt hier niemand. Das Publikum spielt trotzdem mit. „Zugabe! Zugabe!“, fordert die Meute. Statt den Berlinern kommen jedoch die Klamauk-Magier Siegfried und Joy auf die Bretter. Simsalabim! Und hinter einem goldfarbenen Tuch tritt hervor: die Beatsteaks und die erste von zwei Zugaben. „Wir müssen nach Berlin – aber wir fahren einfach nicht“, ruft Teutoburg-Weiß ins Mikro. Auch wenn ein zweiter Wolkenbruch ausbleibt: Trocken geht hier heute niemand nach Hause.
Fotos: © cm









