»Das macht uns wütend« Studierende lösen Blockade auf – Rektorin verteidigt Uni Featured | 17.07.2022 | Pascal Lienhard, Till Neumann, Johanna Storz

Uni-Hörsaal Druck im Kessel: Die Gruppe Transformationsuni 2.0 hat einen Freiburger Hörsaal blockiert. Die Rektorin Kerstin Krieglstein findet das falsch.

Eine Woche lang haben Studierende im Juni den Hörsaal 1010 der Freiburger Uni besetzt. Dann einigte sich die Gruppe „Transformationsuni 2.0“ mit der Unileitung auf Gespräche. Sie konnte ihr Anliegen im Hochschulsenat vortragen. Uni-Rektorin Kerstin Krieglstein (58) verteidigt gegenüber dem chilli das Uni-Engagement. Die Aktivist·innen sind sauer.

„Ich bin der Meinung, dass eine Hörsaalbesetzung kein probates Argument ist im enorm wichtigen Austausch zu Klima- und Nachhaltigkeitsfragen“, sagt die Rektorin. Sie befürworte den Dialog und ein faires Miteinander. Macht die Uni zu wenig für den Klimaschutz? „Nein“, kontert die Rektorin. „In Sachen Klimaschutz und Nachhaltigkeit haben wir schon immer eine Vorreiter-Rolle gehabt – genau da, wo unsere Aufträge liegen: in der Forschung, in der Lehre, im Transfer von Wissen in die Gesellschaft, Politik und Wirtschaft und als Institution.“ 

Kerstin Krieglstein

Kerstin Krieglstein

Das spiegele sich auch wider in den intensiven Forschungen zu Ökosystemen, Energiesystemen und Transformationsprozessen bis hin zur Entwicklung von sozialen und technischen Innovationen – ebenso in den vielfältigen Angeboten für Studierende, etwa dem universitätsweiten Nachhaltigkeitszertifikat. „Man kann aber immer noch besser werden und das ist auch unser Anspruch“, betont die Rektorin.

Die Universität habe großes Interesse, mit Chemikalien und Ressourcen besonders effizient umzugehen und auch CO2 zu sparen. Es sei ein Klimaschutzkonzept für die Universität entwickelt worden, das im Dezember vom Rektorat und zwei Monate darauf im Senat verabschiedet wurde. Das schließe zum Beispiel ein Solarkraftwerk mit ein.

„Unser Problem ist jedoch, dass für all das, was hier an Geld investiert und gebaut werden muss, das Land zuständig ist“, betont Krieglstein. An dieser Stelle sei die Universität handlungsunfähig. „Wir können die Vorschläge machen, das haben wir gemacht, und das Land war von unserem Klimaschutzkonzept begeistert. Aber jetzt muss von dort das Geld bereitgestellt und auch die baulichen Dinge begleitet werden.“ Auch daher empfindet sie jeglichen Vorwurf in Sachen Klimaschutz eigentlich als ungerechtfertigt. 

Die Aktivisten fordern unter anderem, dass die Uni den sozial-ökologischen Notstand ausruft. Zudem soll sie in ihre Grundordnung schreiben, dass sie sich verpflichtet, „den Schutz der globalen Ökosysteme voranzutreiben und soziale Ungleichheiten global und national zu bekämpfen“.

Die Aktivist·innen schätzen die Gespräche mit der Unileitung, sind aber enttäuscht: „Die Uni zeigt sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung gegenüber völlig unangemessen“, sagt Pressesprecher Lucas Zander. Die Rektorin weise die Verantwortung der Universität ab. Der 20-jährige Medizinstudent betont: „Das macht uns wütend.“ Mittlerweile ist er auch Teil der Gruppe, die ein Klima-Protestcamp auf dem Rathausplatz organisiert. Es soll dort bis 2035 stehen. Gegenwind für Krieglstein gibt es auch von Angestellten der Uni. So erklärt sich beispielsweise Stefan Pauliuk, Professor für Industrial Ecology, solidarisch mit Transformationsuni 2.0. Er fordert in einem umfassenden Online-Beitrag unter anderem ein Nachschärfen des Klimaschutzkonzepts sowie ein Energiespar- und Platzsparkonzept.

Foto: © Pascal Lienhard, Universität Konstanz