Freiburg hält am höchsten Hebesatz fest: Gutachterausschuss veröffentlicht neue Bodenrichtwerte Featured | 05.08.2022 | Lars Bargmann

Ausblick aus der Lockhalle Vis-à-vis der Lokhalle: Im Mischgebiet liegt der neue Bodenrichtwert auf dem Güterbahnhof bei stolzen 2900 Euro.

Der Gutachterausschuss der Stadt Freiburg hat die neuen Bodenrichtwerte zum 1. Januar 2022 ermittelt. Nachdem diese Mitte 2019 um bis zu dramatische 74 Prozent im Geschosswohnungsbau förmlich explodiert waren, war die Entwicklung seither moderat. Im Schnitt fünf Prozent legten die Werte im Wohnen zu, bei den Gewerbeflächen 10 bis 20 Euro auf den Quadratmeter. Für die Altstadt entwickelt das Gremium derzeit noch eine neue Bewertungsmatrix.

Die neuen Bodenrichtwerte fußen auf notariellen Kaufverträgen. Da in der Innenstand so gut wie nichts verkauft wird, muss der Ausschuss hier eine Alternative suchen, wie der Vorsitzende Hugo W. Sprenker vor Journalisten erklärte. Die Werte sind für die Bürger in diesem Jahr besonders interessant, weil die vom Bundesverfassungsgericht 2018 geforderte Grundsteuerreform neue Angaben fordert.

In Baden-Württemberg gilt, dass der Bodenrichtwert mit der Grundstücksgröße multipliziert wird und auf diesen Wert dann die Grundsteuer angewendet wird. In Freiburg liegt der sogenannte Hebesatz bei 600 – der mit Abstand höchste Wert im Ländle überhaupt. In Stuttgart liegt er bei 520, in Karlsruhe bei 470, in Offenburg bei 420. Hohe Bodenrichtwerte sind ein Feind fürs bezahlbare Wohnen. Ob deswegen im Rathaus an der Hebesatzschraube gedreht wird? „Auch wenn es wünschenswert und richtig wäre, ist das kein Thema“, sagt Finanzbürgermeister Stefan Breiter. Die Kommune stehe vor so vielen Herausforderungen, dass Steuersenkungen nicht machbar seien. Das Grundsteueraufkommen soll insgesamt neutral bleiben, es werde aber „Gewinner und Verlierer“ geben. 

Die Quadratmeterpreise für Ein- und Zweifamilienhaus-Grundstücke liegen in den Gemarkungen Freiburg, Kappel, Ebnet und Lehen zwischen 700 und 1500 Euro, in den Tuniberggemeinden und Hochdorf bei 400 bis 720 Euro. Für den Geschosswohnungsbau ergaben sich Bodenwerte zwischen 640 und 3300 Euro. Diesen Spitzenwert belegt das Mischgebiet an der Ecke Habsburgerstraße und Friedrichring, wo auf einen Quadratmeter Boden 2,4 Quadratmeter gebaut werden dürfen. Damit liegt dort die Geschossflächenzahl (GFZ) bei 2,4. Bei Gewerbegrundstücken liegt der Spitzenwert mit 510 Euro im Güterbahnhof (GFZ: 1,8). 

Im Rieselfeld liegt der Bodenrichtwert für Mehrfamilienhäuser bei einer GFZ von 1,7 an der Jean-Monet-Straße – also an der Grenze zum geplanten Stadtteil Dietenbach – mittlerweile bei 1500 Euro. Auch die Erbbauzinsen werden traditionell an den Bodenrichtwert gekoppelt. Und nicht nur bei denen wird aktuell heftig zwischen Nutzern und Eigentümern gerungen: Es steht auch außer Frage, dass die neuen Grundsteuerbescheide der Finanzämter zu Tausenden von Rechtsstreitigkeiten führen werden.

Info
Unter www.grundsteuer-bw.de können Eigentümer die Bodenrichtwerte mit wenigen Klicks abfragen.