Handgemacht – Außergewöhnliche Unikate Featured | 10.02.2026 | Marianne Ambs, Erika Weisser, Jannis Jäger
Katalin Jung in ihrer Werkstatt.
Alles andere als altmodisch! Ob Kuckucksuhr, Couture-Rock, Maßanzug, Filzhut oder funkelnder Schmuck: In der REGIO zeigen kreative Köpfe, wie viel Persönlichkeit, Mut und Leidenschaft in echtem Handwerk stecken.
Katalin Jung
Schmuckdesignerin

Wo es glitzert und glänzt
„Bei mir macht es Bling.“ So beschreibt Katalin Jung ihren Schmuck. Wenn es glitzert und glänzt, ist für die Schmuckdesignerin die Welt in Ordnung. In ihrer Werkstatt im Vogtsburger Ortsteil Niederrotweil stehen Schränke und Vitrinen mit ihren Kreationen. Geschmiedete Goldringe liegen neben glitzernden Ohrsteckern und Ketten. Die Schmucksteine gibt es in Herzform oder als Sternchen, Brillanten umfassen Turmalin-Tropfen und Morganit-Anhänger. Katalin Jung kombiniert Gold mit Silber, Perlen mit Edelsteinen. Die Schmuckdesignerin hat ihren ganz eigenen Stil gefunden, mit vielen Kombinationsmöglichkeiten. „Jedes Stück ein Unikat“, verspricht sie. Und ergänzt: „Ich habe so viele neue Ideen.“
Jedes Jahr eine neue Kollektion
Einige davon münden in die jährliche Kollektion, alle anderen werden in Kladden notiert und bei Gelegenheit wieder hervorgeholt. „Gerade ist es etwas ruhiger“, erzählt Katalin Jung: Sie habe die Werkstatt aufgeräumt, neues Material eingekauft. Bald starte sie mit der Arbeit für die Kollektion 2026, die sie wie jedes Jahr am 3. Wochenende im Juli mit einer „Vernissage im Gärtle“ den Kundinnen und Kunden präsentiert. „Dieses Jahr greife ich ein Thema aus früheren Jahren wieder auf“, erklärt sie. Eine Kundin habe sie auf die Idee gebracht. „Es wird bunt und verspielt“, verspricht Jung. „Viele Blumen und Blüten.“ Mehr wird nicht verraten.
Ein gastfreundliches Haus
Seit 13 Jahren arbeitet Katalin Jung in ihrer Werkstatt in Niederrotweil, im Keller des Wohnhauses, das sie mit ihrem Mann und den zwei Kindern bewohnt. Der Garten vor dem Fenster, die Weinberge ganz nahe: ein kleines Paradies. Der Start als Schmuckdesignerin war nicht so romantisch. Eigentlich wollte Katalin Jung Lehrerin werden. Als 2003 das Referendariat anstand, kam eine Schwangerschaft dazwischen – und der Schmuck. Zwei Jahre jobbte sie in einer Schmuckwerkstatt. 2005 meldete sie ein Gewerbe an. Bald stellte sich der Erfolg ein. Für eine Berufsausbildung zur Goldschmiedin war keine Zeit. Zwanzig Jahre, zwei Ladengeschäfte und unzählige Kunsthandwerkermärkte später verwendet Katalin Jung weniger Naturmaterialien, sondern vor allem Perlen, Edelsteine und Brillanten. Der Schmuck ist ihre Passion. „In einer Schule zu unterrichten, das kann ich mir nicht mehr vorstellen.“ Lieber pflegt sie ein offenes, gastfreundliches Haus. „In meiner Werkstatt sind Besucher immer willkommen.“
In Niederrotweil hat die Schmuckdesignerin einen Ruhepunkt gefunden. „Früher bin ich zu den Menschen gefahren, heute kommen diese zu mir.“ Von weiter her kommen immer mehr Kunden, die in einem der beiden Gästehäuser übernachtet haben, die 2020 und 2022 von ihrer Familie eröffnet wurden. Wie schafft Katalin Jung das alles? „Ich arbeite viel und gerne“, sagt sie. „Wenn es sein muss bis in die Morgenstunden.“

Fotos: © Ralf Kilian
Info
Katalin Jung
Ziegelfeld 17
79235 Vogtsburg-Niederrotweil
Tel.: 07662/947369
E-Mail: info@kj-schmuckdesign.de
kj-schmuckdesign.de
Vernissage im Gärtle
am 18. und 19. Juli 2026
Gerhard Schmieder
Holzbildhauermeister


Mit einer Schablone überträgt Schmieder den Umriss auf das Holz, sägt die Einzelteile aus und bearbeitet sie mit dem Schnitzmesser.
Filigranes Massivholz
„Ich bin damit aufgewachsen“, antwortet Gerhard Schmieder auf die Frage, was ihn bewogen habe, mit 16 Jahren eine Ausbildung zum Holzschnitzer und -bildhauer zu absolvieren und sich dabei auf Kuckucksuhren zu spezialisieren. Noch vor 50 Jahren, sagt der 63-Jährige, hätten fast alle Menschen in Schonach mit diesem traditionellen Gewerbe zu tun gehabt, oft auch in Heimarbeit. Sein Großvater habe etwa die Vögel geschnitzt, die stündlich laut rufend die Uhrzeit verkünden. Und seine Mutter habe die tongebenden Kuckuckspfeifen geleimt.
Viele Schonacher arbeiteten damals in Betrieben, die Kuckucksuhren produzierten. Heute gibt es weltweit nur noch eine Firma, die mechanische Kuckucksuhrwerke herstellt. Von dieser bezieht Schmieder die Uhrwerke für seine Manufaktur, die er vor 20 Jahren eröffnete. Er arbeitet auch mit einem Uhrmacher zusammen, der für die Justierung von Uhrwerk, Zifferblatt, Zeigern, des Kuckucks und der Gewichte zuständig ist. Und mit einem Schreiner, der für die bis zu eineinhalb Meter hohen Uhren die stabilen Massivholz-Gehäuse baut, die er mit seinen Schnitzereien in feinmotorischer Handarbeit in ganz unterschiedliche Unikate verwandelt.
Dazu macht er erst einmal eine papierne Schablone – oder sucht aus seiner inzwischen beträchtlichen Sammlung das dem Auftrag oder seiner neuen Idee entsprechende Modell heraus, überträgt es auf ein massives, auf die Größe der späteren Uhr zugeschnittenes Brett aus dem Stamm der Weymouth-Kiefer, die seit langem in hiesigen Wäldern heimisch ist. Mit einer Dekupiersäge bringt er das gut zu bearbeitende Holz in die grobe Form und schnitzt die jeweiligen Motive dann heraus. Das fertig bearbeitete und verleimte, mit weiteren geschnitzten Figuren versehene Stück wird vor dem Einbau des Uhrwerks noch gebeizt und lackiert – mit schonenden Materialien.
Märchenmotive vom Waldspaziergang
Bei den beliebten „Pilz-Uhren“, die einen der Baumpilze, die er selbst im Wald sammelt, als Dach haben und die oft mit bunten Märchenmotiven geschmückt sind, baut er das Gehäuse selbst und schnitzt es dann am Stück in die Endform. Diese kleineren, oft mit Zwergen, Hobbits und anderen Fantasiewesen versehenen Uhren sind – wie auch so manch schwarzwald-klassisches Modell aus seiner Hand – auf Gerhard Schmieders Homepage und in Olis Schnitzerstube in Triberg zu bewundern und zu erwerben. Einige Uhren sind exklusive Auftragsarbeiten – von Privatleuten weltweit oder von Herstellern in Titisee-Neustadt.
Wie viele Uhren jährlich seine Werkstatt verlassen, hat er noch nicht gezählt.

Fotos: © Erika Weisser
Info
Gerhard Schmieder
Winterbergstraße 9
78136 Schonach
Tel.: 07 72/2 73 47
kuckucksuhren-meisterwerkstatt.de
Marco Mesler
Kleidung nach Maß


Marco Mesler belebt das Schneiderhandwerk mit neuen Ideen.
Fotos: © Felix Groteloh
Tradition trifft auf modernen Stil
In einer Zeit, in der Mode oft von Schnelllebigkeit und Massenproduktion geprägt ist, setzt ein kleines Atelier im Herzen Freiburgs bewusst auf das Gegenteil: Persönlichkeit, Handwerk und individuelle Perfektion. Unter dem Namen Maßmacher hat sich hier ein Betrieb etabliert, der klassische Schneiderkunst mit modernem Stil verbindet und damit eine wachsende Kundschaft weit über Freiburg und den Breisgau hinaus begeistert.
Nicht weit vom Schwabentor, in Oberlinden 15, empfängt Inhaber Marco Mesler seine Kunden. Was einst als Laden für maßgeschneiderte Anzüge begann, hat sich heute zu einem vielseitigen Modeanbieter entwickelt, der komplette Outfits im Angebot hat – vom klassischen Businessanzug über Hochzeitsgarderobe bis zu Accessoires wie Hemden, Schuhe oder stylische Burlington-Socken. „Wir machen eigentlich alles außer Unterwäsche“, erklärt Mesler.
Kleidung als Ausdruck der Persönlichkeit
Im Zentrum der Markenphilosophie steht die Idee, Kleidung als Ausdruck der eigenen Persönlichkeit zu verstehen. Maßmacher kombiniert traditionelle Schneidertechniken mit modernen Fertigungsprozessen, um jedem Kunden ein einzigartiges Erlebnis zu bieten. Die Anfertigung eines Anzugs folgt einem personalisierten Ablauf: qualifizierte Beratung, sorgfältiges Maßnehmen und schließlich die präzise Anprobe, bist das fertige Stück perfekt sitzt und die Persönlichkeit seines Trägers widerspiegelt. Haltung, Bewegungen oder Stilvorlieben fließen in das Konzept der Schnittteile ein. Kleidung wird hier nicht konsumiert, sondern kultiviert. Gut Ding will Weile haben: Der gesamte Fertigungsprozess eines Anzugs kann bis zu sechs Wochen dauern.
Der Wohlfühlfaktor ist Mesler besonders wichtig: „Der Kunde soll hier nicht rauslaufen und denken, dass er auch nur einen Euro zu viel bezahlt hat für das, was er hier bekommt.“ Für viele ist der maßgeschneiderte Anzug mehr als nur ein Kleidungsstück – es ist ein sorgfältig ausgewähltes, persönliches Stück Mode.
In einer Welt kurzlebiger Mode(n) ist Maßmacher ein Ort für Nachhaltigkeit, Qualität und guten Stil – ein Modeanbieter, der der Tradition des Schneiderhandwerks neuen Schwung verleiht. Für Marco Mesler hat sein Beruf noch einen anderen, besonderen Reiz: Wenn etwa prominente Persönlichkeiten in sein Geschäft kommen, „Menschen, die viel erreicht haben in ihrem Leben – und du darfst die dann ausstatten.“
Info
Marco Mesler
Maßmacher
Oberlinden 15
79098 Freiburg
Tel.: 07 61/42 96 20 29
massmacher.com
Sabine Combé
Hutmacherin


Sabine Combé stellt den Filz für ihre Hutkreationen selbst her.
Gut behütet
Die Hände sind Sabine Combés wichtigstes Werkzeug. Für ihr Handwerk braucht die Hutdesignerin Kreativität, Ausdauer und ganz viel Kraft. „Abends tun mir schon mal die Hände weh“, erzählt sie in ihrer Filz-Werkstatt in der Waldkircher Straße 64 in Denzlingen. Hier entstehen individuelle Filzhüte für Frauen und Männer – jedes Stück ein handgefilztes Unikat. Alle Hüte haben eines gemeinsam: Sie werden aus einem Stück ohne Naht gefertigt. Sabine Combé ist überzeugt: „Jeder und jede kann Hut tragen.“ Sie selbst trägt ihre Hüte das ganze Jahr über. „Im Winter schützen sie besser als jede Mütze vor Kälte, im Sommer vor der Sonne.“ Eigenschaften, die ihre Leidenschaft für das Filzen vor mehr als 30 Jahren geweckt haben.
Als Sabine Combé ihre Liebe zum Filzen entdeckte, war die uralte Technik noch lange nicht en vogue. „Eigentlich wollte ich Weberin werden“, erzählt die Bayerin. Deshalb entschied sie sich für eine Ausbildung an der Freien Kunstschule Nürtingen. Hier lernte sie in der Materialkunde Filz kennen und begeisterte sich für die Herstellung des besonderen Materials. Mit Hilfe eines Bastelheftes brachte sie sich die Grundtechniken bei.
Leichtigkeit zum Aufsetzen
Aber kann Frau damit Geld verdienen? „Mit einem Korb gefilzter Handschuhe habe ich mich in München auf die Straße gestellt und ja, es lief“, erinnert sich Sabine Combé an die Anfänge. Bald machte sie sich selbstständig und entschied sich, nur noch Hüte zu fertigen. Durch Freunde kam sie nach Freiburg und fand ein Haus am Ortsrand von Denzlingen. Seit 1987 betreibt sie dort ihre kleine Werkstatt mit Atelier im Garten ihres Grundstücks, da, wo früher ein alter Schuppen stand.
Sabine Combés Hüte sind zeitlos, passen sich der Kleidung an, egal ob sportlich oder elegant. Sie sind federleicht und angenehm zu tragen, gleichzeitig pflegeleicht und robust. Die Unikate können geknautscht und in die Tasche gesteckt werden, sie behalten ihre Form. Zudem ist Filz ein dichtes Gewebe, das auch Regen standhält. Als Grundstoff verwendet die Hutmacherin feinste Merinowolle, eine Naturfaser, die temperatur- und feuchtigkeitsregulierend wirkt. In einem langwierigen Prozess wird aus dem Rohstoff ein Filzhut. Zunächst wird die Wolle auf ein Schnittmuster gelegt, dann mit Seifenwasser verrieben, mehrmals unter Druck auf dem Waschbrett gerieben, auseinandergezogen, wieder gerieben und immer weiter verdichtet, bis der dichte Filz entsteht, den die Hutmacherin zu individuellen Hüten formt. Etwa sechs bis sieben Stunden Arbeit braucht sie, bis ein Filzhut fertig ist.
Combés Hüte haben es sogar bis auf den amerikanischen Kontinent geschafft: „Eine Kundin hat ihren Filzhut mit nach Kanada genommen und wurde dort oft darauf angesprochen.“

Fotos: © Sabine Combé
Info
Sabine Combé
Waldkircher Straße 64
79211 Denzlingen
Tel.: 07666/4312
sabine-combe-hutdesign.de
Kim Schimpfle
Modedesignerin

Kim Schimpfle interpretiert das Thema Tracht neu.
Extravagante Ensembles
„O Schwarzwald o Heimat, wie bist du so schön“ ist rundherum auf dem schillernden Rock zu lesen, der selbst an der Schneiderpuppe in Kim Schimpfles Atelier recht schwungvoll wirkt. Die Gründerin des Labels „Schwarzwald Couture“ hat das Muster für den Stoff selbst entworfen und in einer Stoffdruckerei in Holland herstellen lassen. Zusammen mit dem Oberteil mit traditionellen Trachten-Elementen und einem aus künstlichen Fichtenzweigen, Rehbockgeweih und einem stilisierten Kuckuck bestehenden Hut namens „Schwarzwaldpunk“ bildet er ein ziemlich extravagantes Ensemble.
Es ist nicht das einzige außergewöhnliche Stück im kleinen Laden in der Hildastraße 62 in Freiburg: Hier finden sich auch zwei voluminöse Röcke aus üppig gerafftem und gerüschtem Tüll. Einer ist in Rosa-Tönen gehalten, der andere in Ockerfarben. Je 32 Meter Tüll hat Kim Schimpfle verarbeitet und „in stundenlanger Tüftelei“ andersfarbigen Tüll als großformatige Blütenmotive eingearbeitet. In Kombination mit farblich abgestimmten, ebenfalls von ihr selbst entworfenen und in Thüringen gestrickten Pullovern aus Merinowolle wird daraus ein Modell, dem die Trägerin kein zweites Mal begegnet.
Bollenhut-Varianten aus bunten Tüll-Kugeln
Ein Unikat ist auch der auf Figur gearbeitete Janker aus leuchtend frühlingsgrasgrünem Lodenstoff: Er hat eine Kapuze, die – „als kreative Variation des Bollenhuts“ – über und über mit Tüll-Kugeln in verschiedenen Größen und Farben bestückt ist. Ein echter Hingucker, den die Designerin mit viel Experimentiergeist sowie Material- und Zeitaufwand von der ersten Idee in ein bestens tragbares Einzelstück verwandelt hat.
Kim Schimpfle, die als Sechsjährige vom Bodensee nach Freiburg kam und seither in der Wiehre lebt, experimentiert gern und viel. Das, erzählt sie, habe sie schon als Schülerin gemacht, als sie „für den Eigenbedarf immer besondere Sachen genäht“ hat. Und vor genau 30 Jahren hat sie, die „eigentlich gar nicht in Richtung Mode gehen“ wollte, damit ihre erste Modenschau veranstaltet. Seither ist sie dabeigeblieben, hat sich mit ihren stylischen Dirndln und den mit modernen Elementen neu interpretierten Trachtenkleidern längst einen Namen gemacht. Und obwohl die Autodidaktin „laufend neue Ideen“ hat und ständig ihr Repertoire erweitert, fertigt sie dieses immer noch gern an – nach Maß, auf Bestellung oder auch „für die Stange im eigenen Laden“.
Hier ist sie von Dienstag bis Samstag anzutreffen – und freut sich über Besuch. Und darüber, dass sie von ihrer Arbeit, die ihr großen Spaß macht, „immer noch leben kann“

Fotos: © Erika Weisser; schwarzwaldcouture.de
Info
Kim Schimpfle
Hildastraße 62
79102 Freiburg
Tel.: 07 61/70 59 99 75
schwarzwaldcouture.de










