SC braucht jetzt Schützenhilfe – letzter Akt in Berlin Featured | 10.05.2022 | Pascal Lienhard & Lars Bargmann

Mannschaft des SC Freiburgs mit Banner für Fans.

Der SC Freiburg hat sein letztes Heimspiel in der Saison gegen Union Berlin mit 1:4 verloren. Die Eisernen sicherten sich damit einen Platz auf europäischer Bühne. Die Gastgeber sind nun auf Schützenhilfe angewiesen, wenn sie sich noch für die Champions-League qualifizieren wollen.

Rückblick: Christian Streich und seine Jungs haben eine Saison gespielt, die so kaum jemand erwartet hätte – egal, wie der SC am 14. Mai in Leverkusen spielt. Schon kurz nach Saisonstart sorgte der SC am zweiten Spieltag für eine Überraschung und schickte die Borussia aus Dortmund mit einem 2:1 aus dem Schwarzwaldstadion. „Das ist schon außergewöhnlich gegen Dortmund“, sagte Streich nach dem Spiel. Dennoch gab er sich erst mal zurückhaltend. Nicht überraschend, schließlich war die Top-Position seiner Elf in der Vor-Saison Rang 6 – und das nach dem ersten Spieltag. In der Hinrunde belegte der SC dann auch fünf Spieltage in Folge den 14. Platz und war damit gefährlich nah an einem Abstiegsplatz.

Schnee von gestern: Zehn Spiele blieb das Team um Kapitän Christian Günter dann ungeschlagen. Es brauchte die Bayern, um diesem Lauf mit einem 2:1 in der Allianz Arena ein Ende zu setzen. Wer hätte noch ein paar Wochen zuvor gedacht, dass das Spiel zum Spitzenduell von Platz 1 gegen Platz 3 werden würde? In die Winterpause verabschiedete sich der SC als Dritter. Es war die zweitbeste Hinrunde der Vereinsgeschichte.

Lukas Höler im Zweikampf

Mann des Spiels: Lucas Höler kurz vor dem 1:1. Das Tor wurde wegen Handspiels aberkannt. Später traf Höler zum 1:3.

Bis heute ist Freiburg nicht tiefer als auf den sechsten Platz gerutscht, zu Redaktionsschluss war der SC noch Vierter. Nur acht Niederlagen hatten die Freiburger bis dahin kassiert. Das Ticket in die Conference-League war mit dem 4:3-Auswärtssieg in Hoffenheim am 32. Spieltag gesichert. Schon bald werden sich im Europa-Park-Stadion europäische Vereine die Klinke in die Hand geben. Noch vor einem Jahr wäre das als Tagtraum eines Fans mit zu viel Pils intus abgestempelt worden.

A propos Stadion: Als würden so viele Emotionen nicht reichen, verabschiedeten die Breisgau-Brasilianer sich zum sechsten Spieltag aus dem altehrwürdigen Schwarzwaldstadion. Es sei ein Tag, an dem man schon etwas Wehmut habe, so Günter nach dem 3:0-Sieg über den FC Augsburg. „Ich glaube, das Stadion geht schon in die Geschichte ein“, sagt der Kapitän. Da blieben zum Ende des Spiels auch die Augen von Streich nicht trocken.

Das Spiel, dem Fans und Team nun entgegenfiebern, wird nicht im Europa-Park-Stadion stattfinden, sondern im Berliner Olympia Stadion. Am 21. Mai trifft der SC dort im DFB-Pokalfinale auf RB Leipzig. 

Potenzieller Titelgewinn hin oder her – Streich und sein Trainerteam haben die Elf nach rund zehn Jahren in eine außergewöhnliche Saison geführt. Der bisher letzte europäische Auftritt war in gewissem Sinn allerdings auch außergewöhnlich: Am 27. Juli 2017 hatte der SC zu Hause gegen den slowenischen Außenseiter NK Domzale in der dritten Qualifikationsrunde für die Euro-League durch ein Tor von Petersen 1:0 gewonnen, schied aber eine Woche später nach einem 0:2 in Ljubljana sang- und klanglos aus.

Bei sich bleiben und Gas geben

„Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin“, skandierten die Fans nach dem Union-Spiel, während Sportvorstand Jochen Saier am Sky-Mikro über „ganz bittere Gegentore“ sprach. Intern sei die Champions-League kein Thema gewesen. Und in Leverkusen „wollen wir einfach Punkte holen“. Das Riesenziel Europa-League sei erreicht. Man müsse nun „bei sich bleiben und Gas geben“. Auf dem Rasen hielten die Spieler derweil ein Transparent in die Höhe: Für Euch. Mit Euch. 4ever. Danke Fans! 

Fotos: © Achim Keller