»Touch von Hühnchen«: Freiburgs Erster Insekten-Foodtruck serviert Heuschrecke und Co. Featured | 03.09.2022 | Till Neumann

Kross angebraten: So sehen die Heuschrecken des Freiburger Foodtrucks Krosshopper aus.

Insekten-Snacks sind für viele befremdlich. Zwei Freiburger wollen das ändern: Sie bieten mit einem Foodtruck auf Festivals als „Krosshopper“ gebratene Heuschrecken oder Mehlwurm-Pralinen an. Für das Duo sind die proteinhaltigen Lebensmittel ein Schritt zur Welternährung der Zukunft.

Eine gebratene Heuschrecke zum Bier? Beim Agrikulturfestival in Freiburg war das zuletzt möglich. Der Krosshopper-Foodtruck von Lars Nungesser und Felix Grün brachte dort Insekten-Nahrung unters Volk. Die beiden studierten Umweltwissenschaftler setzen bisher auf drei Gerichte: eine Art Falafel (frittierte Gemüsebällchen mit Insektenmehl), eine Praline aus Datteln, Walnüssen und gerösteten Mehlwürmern und das am meisten gefragte Gericht: scharf angebratene Heuschrecken.

Ob das ankommt? „Ich hätte nicht gedacht, dass das so gut schmeckt“, sei eine der häufigsten Rückmeldungen. Das erzählt Co-Gründer Lars Nungesser. Der 28-Jährige hat sich 2021 mit der Ernährung der Menschheit befasst. Er kam zum Ergebnis: „Insektennahrung ist ein Baustein einer nachhaltigen Ernährungsstrategie, auch für den Westen.“

Für zwei Milliarden Menschen seien sie ein ganz normales Essen. „In Mexiko oder Uganda snackt man Heuschrecken an jeder Straßenecke“, erzählt Nungesser. Warum dann nicht auch hier? Ein Freund hielt Heuschrecken zu Forschungszwecken. Danach probierten sie die Tierchen. „Einfrieren, in die Pfanne hauen, das hat geschmeckt“, berichtet Nungesser. Dann überzeugte er Felix Grün (29) für den Foodtruck.

Servieren Insekten: Felix Grün (links) und Lars Nungesser in ihrem Foodtruck.

Auf fünf Festivals waren sie seit Juni. Die Heuschrecken erhalten sie als Tiefkühlware im Kilopack vom Hersteller „Catch your Bug“ aus Ulm. Laut eigenen Angaben ist das Deutschlands erste zugelassene Speiseinsektenzucht. Snackinsects.com aus der Nähe von Hamburg liefert ihnen das Mehl aus Buffalo-Würmern. Wie das schmeckt? „Heuschrecken schmeckt nach Heuschrecke“, sagt Nungesser. Ein Touch von Hühnchen sei drin. „Sie sind außen knusprig, innen soft, aber nicht glibberig.“ Man könne sie mit Scampi vergleichen.

Selbst ist er kaum Fleisch – aus Protest gegen Massentierhaltung. Bei Insekten habe er keine Bedenken. Sie seien artgerecht zu züchten und hätten eine bessere Ökobilanz als alle anderen Tiere, die sonst auf der Speisekarte stehen. Sie seien auf wenig Raum in kurzer Zeit mit geringem Ressourcenverbrauch zu halten. Fakt ist: Einige Heuschrecken liefern mehr als doppelt so viel Eiweiß wie Rind oder Huhn. Ihr Proteingehalt ist höher als bei Nüssen, Hülsenfrüchten oder Getreide.

Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO gibt es rund 1900 verzehrbare Insektenarten. Die EU hat 2018 den Verkauf als Nahrungsmittel erlaubt. Um ein Kilo Grillen zu züchten, benötigt man beispielsweise 1,7 Kilo Futter, schreibt das Portal online-lebensmittel-lieferservice.de. Das sei doppelt so effizient wie beim Huhn, viermal besser als beim Schwein und zwölfmal ertragreicher als beim Rind.

Ob sich die Freiburger daran gewöhnen? Laut einer YouGov-Umfrage von 2019 antworten auf die Frage „Würden Sie Insekten essen?“ satte 42 Prozent: auf keinen Fall.

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Fotos: © Nils Stappert, privat

Heuschrecke auf Brot: Freiburger Hobby-Züchter serviert Insekten