Von Wandel und Bewegung Zwei Auffassungen von Malerei im Museum für Neue Kunst Featured | 22.12.2025 | Erika Weisser

_Ausstellungsansicht

Seit Ende November – und bis zum 12. April – werden im Museum für Neue Kunst Werke von zwei Künstlern präsentiert, die gegensätzlicher nicht sein könnten. Zumindest auf den ersten Blick: Den mit schwerer Ölfarbe gemalten, kompakt wirkenden Riesenbildern von Artur Stoll sind die leichten, fragil anmutenden und beweglichen Textilinstallationen von Olga Jakob gegenübergestellt. Oder besser: gehängt.

„Mal er, mal sie“ ist die gemeinsame Ausstellung zweier unterschiedlicher künstlerischer Ansätze in der Malerei benannt. Die Geschichte dahinter: Stoll, der 1947 in Freiburg geboren wurde und nach seinem Kunststudium in Karlsruhe bis zu seinem Tod 2003 in Norsingen lebte, signierte seine Gemälde manchmal einfach mit „Maler“. Um die Wechselwirkung seines Werks mit dem seiner knapp 40 Jahre jüngeren Kollegin Olga Jakob zu benennen, kam man auf den malerischen Titel, erzählt Museumsdirektorin Christine Litz beim Rundgang durch die Ausstellung.

„Ondit Murmur“ heißt Olga Jakobs bewegliche Installation

„Ondit Murmur“ heißt Olga Jakobs bewegliche Installation

Die Wahl der 1985 in Kyjiv geborenen Kölnerin Olga Jakob als Gegenpart zu Artur Stoll war kein Zufall: Auch sie absolvierte ihr Studium an der Akademie für Bildende Künste in Karlsruhe. Zudem werden erstaunliche Parallelen wahrnehmbar, wenn man sich auf genaueres Hinsehen und den Dialog zwischen den beiden Kunstauffassungen einlässt: Die Installationen der Künstlerin, die „mit der Schere malt“, sind trotz aller schwebenden Leichtigkeit mindestens ebenso raumgreifend wie Stolls 2,80 x 2,30 Meter große Gemälde. Und ebenso wie ihre skulpturalen Werke durch die stetige Veränderung wie etwa der Licht- oder Lufteinwirkung zur Perfektion gelangen, beschäftigen sich auch seine Bildthemen mit dem Wandel – mit Wachstum, Werden und Vergehen.   

 Artur Stolls Zyklus namens „Wunderblume“

Artur Stolls Zyklus namens „Wunderblume“

Die Werke beider Künstler verändern sich schon allein je nach dem Blickwinkel, aus dem sie innerhalb des Raums betrachtet werden – und finden ein neues Verhältnis zueinander. Einige Exponate können von den Besuchern selbst bewegt werden. Die aus Geweben in verschiedenen Farben und Texturen sowie körpergebendem aufgeleimtem Seiden- oder schwererem Papier bestehenden Installationen Olga Jakobs können mit eigens dafür bereitliegenden Handschuhen in ganz neue Formen gebracht werden. Und in Stolls 17-teiliger Arbeit „De Norso“ kann man am Modell ausprobieren (Foto ganz oben), wie eine andere Hängung wirken würde. Am 15. Januar und 5. März werden die beiden Kuratorinnen Christine Litz und Lisa Bauer-Zhao die Vorschläge der Besucher dann mit den echten Bildern umsetzen. 

Infos:
www.museen.freiburg.de/mnk/sonderausstellungen-mnk

Fotos: © MNK Bernhard Strauss