Auf eigenen Füßen – Eine fast unglaubliche Lebensgeschichte kommt ins Kino Filmtipp | 25.11.2025 | Erika Weisser
Eine wahre Geschichte bringt der kanadische Regisseur Ken Scott in die Kinos: Die Geschichte von Roland Perez, der mit einem gesunden und einem fehlgebildeten Fuß zur Welt kam und der heute dank des unentwegten Engagements seiner Mutter trotz anderslautender Prognosen gehen kann wie jeder andere Mensch. Scotts sehr emotionaler Film basiert auf der Autobiografie, die der erfolgreiche Anwalt und beliebte Rundfunk- und Fernsehmoderator Perez 2021 unter dem Titel „Ma Mère, Dieu et Sylvie Vartan“ veröffentlichte.
Im Herbst 1963 erwartet die aus Marokko nach Paris eingewanderte jüdische Familie Perez das sechste Kind – und hat somit Anspruch auf eine Sozialwohnung fernab der Banlieues. Die resolute Mutter Esther hat kaum den Umzug organisiert und für eine passende schulische und vorschulische Unterbringung ihrer Kinder gesorgt, da setzen die Wehen ein. Sie packt ihre Tasche, lässt ihrem Ehemann am Arbeitsplatz ausrichten, dass sie in die Klinik geht, und macht sich zu Fuß auf den Weg.

Als sie ihr Kind nach der Geburt nicht in die Arme nehmen darf, die betretenen Gesichter von Arzt und Hebamme sieht und sie von einer lebenslangen Behinderung raunen hört, ist sie sofort entschlossen, sich von nichts und niemandem aufhalten zu lassen: Sie verspricht sich und Roland, alles dafür zu tun, dass er auf seinen eigenen Füßen in die Schule und durch ein glückliches Leben gehen kann.
Fortan tut sie wirklich alles – und manchmal auch zu viel –, um ihr Versprechen zu halten: Sie betet, hofft auf Wunder, rennt von Arzt zu Arzt, von Orthopäden zu Heilern, von Pontius zu Pilatus. Und immer trägt sie das Kind, das größer und schwerer wird. Als schließlich die Schulpflicht und damit die Einweisung Rolands in ein Sonderinternat droht, wird Esther zur Löwin. Sie überzeugt die Dame von der Schulbehörde, Aufschub zu gewähren für eine innovative Therapie, mit der ihr Sohn nicht nur genesen, sondern auch lesen lernen werde.
Der Junge wird also regelrecht ans Bett gefesselt, mit einem Korsett und einer Zugvorrichtung, die die Stellung seines Fußes peu à peu korrigiert. Zur Ablenkung darf er pausenlos fernsehen; dabei entdeckt er die glamouröse Sylvie Vartan, die Ender der 1960er-Jahre eine kometenhafte Karriere startete. Er verliebt sich in sie und hört ständig ihre Platten, die Esther trotz des knappen Familienbudgets für ihn kauft. Bald ist die ganze Wohnung ein einziger Vartan-Fan-Club, doch alle halten zu Roland. Der hält still, singt die Chansons bald auswendig – und lernt mit der Hilfe seines Bruders, sie zu lesen.
18 Monate später geht er selbstständig zur Schule – und macht seinen Weg. Und Vartan wird Jahrzehnte später seine Mandantin. Als sie erfährt, dass sie einst – indirekt und ohne es zu ahnen – zu seiner Genesung beitrug, wird sie zu einer engen Freundin. So eng, dass sie nun selbst im Film mitspielt.
Mit Liebe und Chansons
Frankreich/Kanada 2025
Regie: Ken Scott
Mit: Leïla Bekhti, Jonathan Cohen, Joséphine Japy, Jeanne Balibar, Lionel Dray, Sylvie Vartan, u.a.
Verleih: Neue Visionen
Laufzeit: 102 Minuten
Start: 27. November 2025








