25 Jahre – und kein bisschen erwachsen: Lirum Larum Lesefest feiert Jubiläum findefuchs | 07.10.2018 | Erika Weisser

„Lirum Larum Löffelstiel …“ heißt es in einem überlieferten Volkslied aus Clemens Brentanos Sammlung „Des Knaben Wunderhorn“, in dem in Versform behauptet wird, dass alte Frauen viel essen – und junge fasten müssten.

So hieß aber auch ein Aufmerksamkeitsspiel aus Kindertagen, bei dem das Lirum-Larum-Sprüchlein, das zum flinken Hantieren mit einem Löffel aufgesagt wurde, so endete: „ … wer das nicht kann, der kann nicht viel“.

Ob die Namenserfinder des vor genau 25 Jahren ins Leben gerufenen und speziell für Kinder ausgerichteten Lirum Larum Lesefests eher an das alte Volkslied oder an den davon abgeleiteten Abzählreim gedacht haben, lässt sich heute zwar nicht mehr zweifelsfrei ergründen. Recht hatten sie jedoch allemal: Wer nicht lesen kann, der kann wirklich nicht viel. Oder sagen wir: Wer nicht liest, obwohl er die Gelegenheit hatte, es zu lernen, hat weniger vom Leben, als er haben könnte.

Denn wie arm wäre das Leben, ja, die Welt ohne Jim Knopf und Lukas, den Lokomotivführer? Ohne den ewig schlecht gelaunten Bärbeiß oder den wüsten Grüffelo? Ohne die fabelhafte Mrs. Braitwhistle, ohne die abenteuerlustige fliegende Maus Lindbergh – oder gar ohne das Sams? Ohne den skurrilen Ritter Rost oder ohne den Kleinen Prinzen? Und was wüssten wir vom Mond, wenn nicht Peterchen dorthin gefahren wäre, um das Beinchen von Maikäfer Sumsemann zu retten?

Lirum Larum Abschlussfest im Theater Freiburg: Impressionen aus den vergangenen Jahren.

Ein Mensch, der nicht (mehr) lesen kann, kann all diese Figuren nicht direkt kennenlernen. Und das wäre, von allen anderen Nachteilen abgesehen, ein großer Verlust. Ein Mensch, der das Lesen verlernt hat, ist außerdem kaum in der Lage, sich Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Welt, in der wir leben, selbst zu erschließen; er ist dabei auf die Interpretation von „Schriftgelehrten“ angewiesen.

Wer liest, ist also klar im Vorteil gegenüber jenen, die darauf verzichten. Sie oder er erweitert Wissen, Wortschatz und Ausdrucksmöglichkeit, außerdem muss sie oder er nicht alle Infos im eigenen Gehirn abspeichern – alles ist ja jederzeit nachlesbar, sei es im Bücherschrank, in einer Bibliothek oder im Internet.

Nicht zuletzt beflügelt das Lesen die Fantasie. Wer hat nicht schon erlebt, dass bei der Lektüre eines spannenden Romans oder eines fesselnden Sachbuchs ein regelrechtes Kopfkino abläuft? Und genau darum – und natürlich um die Anregung zum lebenslangen Lesen – geht es den Machern des Freiburger Lirum-Larum-Kinderliteraturfestivals, das heuer bereits 25 Jahre alt wird. Doch das merkt man ihm nicht an – Lirum Larum ist kein bisschen erwachsen. Auch wenn die Verantwortlichen von Kulturamt und Theater und auch die vielen Geburtstagsgäste – die geistigen Mütter und Väter einiger der oben erwähnten literarischen Gestalten – es schon längst sind. Unter den Autorinnen und Autoren, die nach Freiburg kommen und in der Festwoche vom 14. bis 21. Oktober in Schulen, Buchhandlungen, Bibliotheken, Büchertreffs, im Literaturhaus, im Centre Culturel Franc˛ais und im Theater aus ihren Werken lesen und mit den Kindern ins Gespräch kommen, sind Jutta Bauer und Thorben Kuhlmann, Annette Pehnt und Salah Naoura, Sabine Ludwig, Claude K. Dubois und Mehrdad Zaeri. Und natürlich noch viele andere. Mit Unterstützung der Maskottchen Lesemax, Lesedachs und Leselotte präsentieren sie ihre Bücher und Einfälle. 

Info
www.freiburg.de/lesefest

Fotos: © M.KORBEL 2016 / Kulturamt