Betreuung für alle: Inklusive Kita am Seepark findefuchs | 28.05.2019 | Tanja Senn

Kita am Seepark

Kinder mit und ohne Behinderung, die gemeinsam spielen, toben und lachen – das ist in der Kita am Seepark Alltag. Die Verantwortlichen sind sich sicher: Die inklusive Kindertagesstätte ist ein Erfolgsmodell. Dazu tragen nicht nur die besonderen Räume, sondern vor allem die Mitarbeiter bei.

Eine Polizistin durchquert geschäftig den Raum. Am Fenster spielen zwei Prinzessinnen. Ein Feuerwehrmann baut einen Turm aus Klötzchen. „Das ist unser Rollenspielzimmer“, sagt Daniel Reinhard und schaut lächelnd zu den verkleideten Kindern. Von dem hellen Raum mit den Kleiderstangen geht der Kita-Leiter weiter durch Bauzimmer, Atelier, Musikzimmer und Turnhalle. Treppenstufen muss er keine überwinden, in den ersten Stock führt ein Aufzug. Will er in einem Raum das Licht anmachen, drückt er auf einen Lichtschalter, auf dem sich die Umrisse einer Glühbirne ertasten lassen. Die schwarzen Schalter heben sich ebenso wie die grauen Türen gut von den hellen Wänden ab.

Man merkt bei dieser Tour recht schnell, dass die Kita am Seepark ein besonderer Ort ist. „Das Gebäude ist so gebaut, dass es jedem Bedarf gerecht wird“, sagt Christa Zink, Leiterin des Amts für städtische Kindertageseinrichtungen. So haben von den knapp 90 betreuten Kindern acht eine Behinderung. Auf sie ist man in Freiburgs einziger städtischer Kita, die komplett inklusiv ausgerichtet ist, bestens eingestellt. 2013 gegründet, stand das Modellprojekt drei Jahre lang unter wissenschaftlicher Beobachtung. Heute wissen Reinhard und sein Team: Inklusion in der Kita funktioniert – solange die Rahmenbedingungen gegeben sind.

So verfügt nicht nur das Gebäude über eine spezielle Ausstattung, auch das Team ist ein besonderes: Die Erzieher werden von drei Heilpädagoginnen unterstützt, die die Kinder „alltagsorientiert begleiten“, wie Zink erklärt. „Das ist hier der wesentliche Erfolgsfaktor und einzigartig in einer Freiburger Kita.“ Während sich Heilpädagogen in anderen Tagesstätten nur stundenweise um einzelne Kinder kümmern, sind sie in der Kita am Seepark fest ins Team eingebunden, machen Angebote für alle Kinder und stehen in engem Austausch mit den Erzieherinnen.

„Davon profitieren auch Kinder ohne besonderen Förderbedarf“, ist sich Zink sicher. Sie ist vom Konzept der inklusiven Kita überzeugt, sieht für solche Einrichtungen sogar weiteren Bedarf in Freiburg: „Es wäre ideal, wenn auch in anderen Kitas Heilpädagoginnen fest verankert wären.“ Wie hoch die Nachfrage ist, sieht Reinhard täglich. „Die Vormerklisten platzen aus allen Nähten, ich muss leider sehr viele Absagen erteilen“, erzählt der Leiter. Dieses Jahr wurden in der Krippe gerade einmal zehn Plätze frei, im Ü3-Bereich waren es sogar nur zwei.

Dass beide Bereiche unter einem Dach sind, ist von Vorteil. Im Atelier blättert eine Erzieherin mit einem kleinen Jungen in einem Bilderbuch. „Sie macht gerade die Umgewöhnung“, erklärt Reinhard. Ähnlich wie bei der Eingewöhnung durch die Eltern begleiten die Erzieher jedes einzelne Kind beim Übergang von der Krippe in den Kindergarten. „Die Umgewöhnung ist bei uns sehr unkompliziert. Die Kinder kennen das Haus, das Konzept, die Erzieher – das hilft.“ Auch die Verzahnung mit der benachbarten Gerhart-Hauptmann-Grundschule ist eng.

Der Kita-Leiter hat seine Runde durch die hellen, offenen Räume beendet. Immer mehr Kinder sind mittlerweile der lockenden Maisonne gefolgt und buddeln, spielen und gärtnern auf den Spielplätzen und Grünflächen rund um das Gebäude. Welche der gemeinsam spielenden Kinder eine Behinderung haben und welche nicht, ist auf den ersten Blick nicht zu erkennen. „Bei uns wird die ganze Gruppe mit einbezogen, jedes Kind wird zu Aktivitäten eingeladen“, macht Reinhard deutlich. „Für die Kinder ist dieses Miteinander ganz normal – wir haben hier genau das erreicht, was wir gesamtgesellschaftlich wünschen.“

Foto: tas