Schwätze wie de Chrischdian Streich: Mundart-Künstler bringen Schulklassen das Alemannische näher findefuchs | 06.06.2018 | Isabel Barquero

Wiä stohts um unser Dialäkt? Nicht so gut, finden die Muettersproch-Gsellschaft und der Verein „schwäbische mund.art“. Viele Kinder und Jugendliche können oder wollen heute keinen Dialekt mehr sprechen. Um das Aussterben zu verhindern, haben die beiden Vereine 2003 das Projekt „Mundart in der Schule“ gegründet.

Dabei besuchen Mundart-Künstler Schulklassen in Baden-Württemberg, um dort eine Doppelstunde zu gestalten. Während das Projekt in Stuttgart gut läuft, ist die Nachfrage in Freiburg jedoch gering.

„Gute Tag, i freu mi, dass ihr euch fir s Alemannisch interessiere.“ Jürgen Hack, alemannischer Musiker mit kariertem Hemd und grauen Haaren, begrüßt die Klasse 5b vom Droste-Hülshoff-Gymnasium Freiburg. Die zehn- und elf-jährigen Schüler fangen an, laut zu lachen. „Ich schwätz wie de Chrischdian Streich. Ich ka aber au extremer, nur würdet ihr mich dann nimmer verstehen.“

In zwei Schulstunden bringen Künstler – Autoren, Musiker oder Kabarettisten – spielerisch und musikalisch den Schülern Alemannisch näher. Gefördert wird das Projekt vom Land. Bisher gab es bereits mehr als 500 solcher Veranstaltungen, doch die Nachfrage fällt sehr unterschiedlich aus: In Stuttgart laufe Mundart an Schulen hervorragend, in Freiburg sei es kaum verbreitet. So sei das Droste-Gymnasium bisher die einzige Freiburger Schule, die an dem Projekt teilnimmt, berichtet Heidi Zöllner von der Muettersproch-Gsellschaft. Dass dieses Projekt hier nicht bekannt sei, wundere sie, da auf dem Landesbildungsserver auf diese Möglichkeit hingewiesen werde.

Antje Boxberger, bei deren Deutschklasse Jürgen Hack an diesem Tag zu Gast ist, ist durch einen Schüler auf das Angebot aufmerksam geworden. „Im Unterricht nehmen wir gerade Till Eulenspiegel durch, da gehen wir auch in den Sprachgebrauch rein, es passt also sehr gut“, begründet die Lehrerin die Teilnahme. Auch für sie als gebürtige Berlinerin sei der alemannische Dialekt interessant.

Nach einer kurzen Begrüßung steigt der Freiburger Profimusiker mit geschichtlichen Fakten in den Vortrag ein. Anschließend liest er den Satz „Ich gehe Äpfel pflücken“ in verschiedenen alemannischen Varianten vor. Das Gelächter ist groß. „Die Sprache ist eben zum Totlachen“, sagt der 64-Jährige. Auch die Kinder dürfen sich an den zungenbrecherischen Sätzen versuchen.

Für Hack ist es ein wichtiges Anliegen, Mundart im Alltag aufrechtzuerhalten. Er selber „schwätzt nur im Dialekt“, besonders im Urlaub. So verstehe ihn keiner. „Dialekt ist ein Stück Heimat und Kultur. Die Pflege und der Erhalt dieser Tradition soll den Schülern vermittelt werden“, so Hack.

Nach einem kleinen Quiz packt der Musiker seine Gitarre aus. Die Kinder jubeln. Kräftig stimmen alle mit ein, obwohl sie das Lied gar nicht kennen: „D’r Hans im Schnogeloch het alles, was er will! Un was er het, des will er nit un was er will, des het er nit; D’r Hans im Schnogeloch het alles, was er will!“

Der Liedermacher baut gerne musikalische Komponenten in seine Vorträge ein. „Ich habe schon viele Lieder auf Alemannisch komponiert. Das funktioniert bei jungen Klassen sehr gut.“ Die Schüler bringen sich ein und machen fleißig mit.

Die Stunde neigt sich dem Ende zu, der Mundart-Künstler packt ein Roll-up mit alemannischen Begriffen aus. Wörter wie „Zischdig“, „Käpsele“ und „huddle“ sollen übersetzt werden.

Hacks Auftrag, den Dialekt zu erhalten und zu verbreiten, ist ihm mit dieser Doppelstunde gelungen. Der Stellenwert des Dialektes ist im Bewusstsein der Schüler verankert und gestärkt worden. Doch der Freiburger möchte weitere Schulen besuchen, denn er findet: „Muaddasproch muss weiterleben.“

Foto: © Jürgen Hack