Vegane Sternstunden – Restaurant Stella Schlemmen & Sürpfeln | 22.02.2026 | Reinhold Wagner

Koch Florian Feckl Kleine Küche, großer Geschmack: Florian Feckl in seinem Element

Eigentlich suchten Samantha Poser und Florian Feckl in Freiburg nach einer geeigneten Produktionsstätte, um sich mit ihrem vegan-­vegetarischen Catering selbstständig zu machen. Als sie dabei auf die freien Räumlichkeiten eines ehemaligen Restaurants im Rieselfeld stießen, wurde daraus ganz spontan die Geburtsstunde von „Stella“, ihres ersten eigenen gemeinsamen Restaurants.

Wie der Zufall manchmal so spielt: Samantha Poser und Florian Feckl wollten „nur“ Catering, Kochkurse und Gastro-Coaching anbieten. Selbstständig arbeiten, am liebsten direkt in Freiburg. Ihr Ziel: gute vegane und vegetarische Küche zu den Menschen bringen. Diese Pläne stehen auch heute noch. Doch auf der Suche nach passenden Räumen fanden die beiden gelernten Gastronomen nicht nur eine Küche, sondern gleich ein ganzes leerstehendes Restaurant im Rieselfeld. Ein Ort, der auf neue Pächter wartete. Die Entscheidung fiel spontan. Das Restaurant wurde übernommen und kurzerhand zum vegan-vegetarischen Lokal umgewidmet. Nach Umzug, Streicharbeiten und einigen Neuanschaffungen – von Stühlen bis Dekor – startete das Duo im Dezember den Probebetrieb. Am 3. Januar öffnete „Stella“ – lateinisch für „Stern“ – offiziell die Türen für die Gäste.

Seither strahlen die Räumlichkeiten: Große Panoramafenster, gerahmt von hellem Holz, goldbraune Kacheln um die Theke in frischen Farben. Auf den Tischen bunte Blumen. An den Wänden Gemälde, die von Fernweh erzählen: Lieblings- und Sehnsuchtsorte der weitgereisten Wirtsleute. Im langgezogenen, um drei Ecken gewundenen Raum sind die Tische so verteilt, dass fast jeder Gast einen Fensterplatz hat. Niemand sitzt beengt. Selbst wenn alle 50 bis 60 Sitzplätze besetzt sind, genießt dennoch jeder seine Privatsphäre. Im Sommer kommen auf der Terrasse noch einmal 20 bis 30 Plätze dazu.

Restaurant Stella

„Gute Vorbereitung ist das A und O“

Etwas enger hat es dagegen der Küchenchef. Florian Feckl arbeitet in einer kleinen Küche. Hier ist alles organisiert, alles hat seinen Platz. „Gute Vorbereitung ist das A und O“, sagt der 35-Jährige. Die meisten Zutaten bezieht er frisch und verarbeitet sie umgehend. Momentan kocht er noch allein, doch erste Bewerbungen für Küchenhilfen und Servicekräfte sind schon in Aussicht. Dann sollen auch Catering, Kochkurse nebst Hochzeiten und anderen Feiern anlaufen – mittel- bis langfristig. Vorerst aber läuft die Restaurantküche auf Hochtouren. Schon kurz nach Eröffnung sind vor allem die Abende und der vegane und vegetarische Sonntagsbrunch regelßig ausgebucht.

„Wir kochen alles selber“, betont der gelernte Koch und überzeugte Veganer. Als Kind zweier Eltern, die in Ehningen bei Stuttgart ihr eigenes Landhaus mitsamt Sterne-­Restaurant betreiben, wuchs er praktisch in der Küche auf. Sein Handwerk lernte er bei Douce Steiner und Udo Weiler im renommierten Sterne-Restaurant „Hirschen“ in Sulzburg. Es folgten ein Auslandsjahr in Neuseeland und Stationen in weiteren Sterne­küchen: im Tantris und im vegetarischen Gourmet-Restaurant Tian in München.

Samantha Poser und Florian Feckl

Das Power-Duo im Stella: Samantha Poser und Florian Feckl

Seine heutige Geschäftspartnerin Samantha Poser (35) lernte er im Bürgerstüble in St. Peter kennen, wo beide bis Ende 2024 Seite an Seite arbeiteten. Die aus St. Peter stammende Gastronomin, die Stationen in Freiburg, Hamburg und München durchlief, kümmert sich im „Stella“ um Theke und Service, unterstützt von einer weiteren Servicekraft. Sie ist das kommunikative Herz des Lokals, organisiert Abläufe und sorgt dafür, dass sich die Gäste willkommen fühlen. Zug um Zug soll das kleine Team wachsen, damit künftig auch externes Catering angeboten werden kann.

Erste positive Erfahrungen mit zunächst fleischarmer, später rein vegetarischer und veganer Ernährung machte Florian Feckl vor rund zehn Jahren. Als er merkte, wie gut ihm das tat, stellte er sich und seine Küche konsequent um. Irgendwann war ihm klar: Diese Art zu kochen ist mehr als ein Trend. Und so war es nur eine Frage der Zeit, bis sich die Gelegenheit ergab, die Liebe und Leidenschaft so an seine Gäste weiterzugeben, wie er sie selbst versteht: als eine Haltung. Und einen Beitrag zu mehr Tierwohl, zu Gesundheit, zu bewusster Ernährung und zum Klimaschutz.

Fantasievolle saisonale Kreationen

Auf der Karte des „Stella“ stehen heute sogenannte „Klassiker“, darunter Arancini auf Fenchel-Grape­fruit-Petersilien-Salat und Zitronen-­Aioli als Vorspeise oder Safran-­Risotto mit gebackener Zucchini, confierten kleinen Tomaten und Nussparmesan als Hauptgericht. Alles ist vegan, Letzteres gibt es optional auch vegetarisch mit Parmesan. Wechselnde saisonale Gerichte ergänzen das Angebot: Jetzt im Winter ist Feldsalat-Zeit. Als Vorspeise wird er mit gebratenem Serviettenknödel und Granatapfel serviert. Als Hauptspeise stehen neben anderen fantasievollen Kreationen Agnolotti von der Erbse auf Zuckerschoten-­Gemüse mit Pinienkernsauce und knusprigem Buchweizen auf der Karte.

Die Gäste stellen sich ihr Wunsch-Menü aus dem vielseitigen Angebot frei zusammen – das ist preislich fair und kommt gut an. Eine Tageskarte ist geplant. Eine Kinderkarte gibt es bereits. Dazu Lese-, Mal- und Spielsachen. Denn: Alle im Team haben selbst Kinder. „Wir wollen bewusst kein Schickimicki-Restaurant sein“, sagt Fleckl, „sondern eines mit gutem Preis-­Leistungs-Verhältnis, das alle anspricht.“

Das „Stella“-Team setzt auf Qualität, Genuss und bewusst pflanzliche Küche. Alles, was auf den Teller kommt, ist frisch, saisonal und überwiegend vegan – wenige Gerichte können auf Wunsch auch vegetarisch serviert werden. Auch beim Wein achtet das Team auf sorgfältige Auswahl: Der wird derzeit noch mündlich empfohlen, bis es eine eigene Karte gibt. Neben regionalen und mediterranen Tropfen ist auch einer aus Neuseeland im Sortiment – als Erinnerung an Feckls Auslandsjahr. Und als stilles Versprechen, dass sich im „Stella“ – dem Stern – kulinarische Weltoffenheit und Kreativität mit regionaler Verwurzelung aufs Beste verbinden.

Info

Stella Freiburg

Johanna-Kohlund-Straße 24
79111 Freiburg
Tel.: 01 51/59 99 80 01
vegan-vibes@web.de

instagram:
restaurant_stella_freiburg

Warme Küche
Di.–So.: 11.30–14 Uhr und
Di., Fr., Sa.: 17.30–21 Uhr
Sonntag 9–12 Uhr Brunch
(vegan und vegetarisch)
Montag Ruhetag

Rezept des Monats

Vom Restaurant Stella

Geschmorter Spitzkohl mit Kartoffelpüree, Zwiebelsauce und karamellisierten Äpfeln 

Geschmorter Spitzkohl mit Kartoffelpüree, Zwiebelsauce und karamellisierten Äpfeln 

1 junger Spitzkohl (500–600 g)
3–4 getrocknete Tomaten
3–4 getrocknete Shiitakepilze
2 Zwiebeln
2 Lorbeerblätter, getrocknet
750 ml Gemüsebrühe
150 ml Weißwein
50 ml Sojasauce
1 EL Tomatenmark
1 EL dunkle Miso-Paste
150 ml Rotwein
250 g Margarine
ca. 100 ml Bratöl (Sonnenblumenöl)
400 g geschälte, mehlige Kartoffeln fürs Püree
150 ml Hafersahne o. Ä.
1 Apfel (z. B. Elstar)
Salz, Pfeffer, Zucker, Muskat (gem.)

Spitzkohl längs vierteln (Strunk bleibt dran) und in eine Backform legen. 500 ml Gemüsebrühe, 100 ml Weißwein, eine Zwiebel, Lorbeerblätter, Tomaten, Shiitakepilze, Sojasauce, eine Flocke Margarine, Salz und Pfeffer dazugeben. Backform abdecken und bei 170 Grad für ca. 2 Std. im Ofen schmoren, bis der Kohl butterweich ist und eine leichte Röstfarbe annimmt.

Für die Sauce: Eine Zwiebel würfeln, in einem Topf in Bratöl mit einer Prise Salz und etwas Pfeffer anbraten. Tomatenmark und Miso zufügen und kurz mitbraten. Mit Rotwein ablöschen und diesen fast vollständig reduzieren lassen. Mit 250 ml Gemüsebrühe auffüllen und kurz köcheln lassen. Alles mit einigen Flocken Margarine aufmontieren (einmixen mit einem Pürierstab o. Ä.).

Die Kartoffeln für das Püree in etwas Salzwasser garkochen, abschütten, kurz ausdampfen lassen, durchdrücken (Kartoffelpresse) und mit etwas heißer Hafersahne, ein paar Flocken Margarine und etwas Muskat mit einem Schneebesen durchmischen.

Zum Schluss den Apfel schälen, achteln, entkernen. In einer beschichteten Pfanne mit 1 EL Zucker ein leichtes Karamell ansetzen, eine Flocke Margarine dazu und einen Schuss Weißwein. Kurz alles einmal aufköcheln lassen, Apfelspalten einlegen und für 2 Minuten in der Glasage garen/schwenken.

Als Garnitur wären Schnittlauch, knusprige Röstzwiebeln oder ge­rösteter Buchweizen gut geeignet.

getrocknete Tomaten

Fotos: © Reinhold Wagner, Michaela Moser