Am Sonntag im Kommunalen Kino: Filmemacher Darío Aguirre zeigt seinen neuen Film Kinonews | 03.05.2019 | Peripher Filmverleih

Einbürgerungsfeier Dario

Eigentlich ist Darío wegen Stephanie aus Ecuador nach Deutschland gekommen, aber die Behörden gehörten vom ersten Tag zu ihrer Beziehung dazu.

In den folgenden 15 Jahren sollten sie ihm insgesamt zehn Visa ausstellen – eine lange Spur aus Papieren, Stempeln, Genehmigungen und Einschränkungen verband Darío seitdem mit Deutschland und hielt ihn doch auch immer auf Abstand.

Und dann das: Der Bürgermeister von Hamburg lädt Darío ein, Deutscher zu werden. Eine Liebeserklärung? Darío beantwortet sie mit einem zart-ironischen Roadmovie, der nicht nur eine Reise durch die deutsche Bürokratie beschreibt, sondern auch seine Aussöhnung mit dem, was im Laufe der Zeit verloren gegangen, und was neu hinzugekommen ist. Klug und neugierig erforscht Darío Aguirre seine Stationen zwischen damals und heute und findet sich in unterschiedlichen Rollen wieder.

Über Jahre mussten Daríos Visaanträge von seiner Frau Stephanie mit unterschrieben werden. Als er nun für die Einbürgerung auch noch das Heiratsdatum ihrer Eltern angeben muss, wird es ihr zu viel und sie schickt Darío nach Zittau, er soll ihre Eltern selbst fragen. Damit beginnt seine Reise in das Niemandsland zwischen Ecuador und Deutschland. Als Darío an der Wohnungstür der Schwiegereltern seine Schuhe auszieht, wird das Vergessene wieder lebendig. Damals, als er von Ecuador nach Deutschland kam, hatten sie ihn aufgenommen, und es lief einfach alles schief. Heute spricht er ihre Sprache und Missverständnisse von damals werden endlich geklärt.

Daríos Videoperformances und seine abstrakten Bilder aus jener Zeit wirken in der Stille der Provinz selbst für ihn heute laut und explosiv. Sie zeigen einen schmalen jungen Mann und dessen Suche nach Ausdruck. Sie sind berührende Dokumente einer energischen Verwandlung, einer angstvollen Suche nach einem Platz in der Welt. Die Ungeduld von damals zeigt deutlich: Ankommen braucht seine Zeit.

Ganz fein legt der Film die Spur zurück zum Anfang entlang der Frage: „Wer war ich? Wer bin ich? Und wieviel davon ist Staatsbürger?“ Dabei sucht Darío das Gespräch mit Menschen aus seinem Leben: Seinem Vater in Ecuador, seiner Studienkollegin Mariuxi, die ebenfalls von Ecuador nach Deutschland kam – anderes mitbrachte und anderes zurückgelassen hat als er.

„Integration ist Anpassung“, sagt Mariuxi. Aber stimmt das? Im Verlauf des Films wird immer deutlicher, dass Darío mit all dem, was er mitbringt, auf das reagiert, was er in Deutschland erlebt. Manches reibt sich, wirkt ungelenk und befremdlich. Anderes geht eine überraschende Verbindung mit der neuen Umgebung ein. Darío beginnt Wurzeln zu schlagen und wird Vater.

Der Film „Im Land meiner Kinder“ erzählt die Fabel von der Integration überraschend anders. Für Darío ist sie ein Weg, den jeder Mensch, egal wo er geboren ist und wohin er sich entscheidet zu gehen, bestehen muss, um Talente zu entwickeln, Glück zu finden und mit den Menschen zu leben, die ihm nahe sind.

Im Land meiner Kinder

 

Im Land meiner Kinder
Deutschland/Schweiz 2018
Regie: Darío Aguirre
Dokumentarfilm
Verleih: Peripher
Laufzeit: 88 Minuten
Freiburger Erstaufführung mit Darío Aguirre:
Sonntag, 5. Mai, 17.30 Uhr, Kommunales Kino

 

Foto: © Helena Wittmann-Büchner