Mehr als schwarze Wälder – Ein neues Filmfestival soll sich in Südbaden etablieren Kinonews | 18.11.2025 | Erika Weisser

Bunter Mix: Beim Black Forest Film Festival sind auch Klassiker wie „The Godfather“ oder die Rockoper „Tommy“ zu sehen Bunter Mix: Beim Black Forest Film Festival sind auch Klassiker wie „The Godfather“ oder die Rockoper „Tommy“ zu sehen

Die Kinostadt Freiburg wird um ein neues internationales Format bereichert: Black Forest Film Festival ist der Titel des Events, das vom 25. bis 29. November in den Kinos Harmonie und Friedrichsbau sowie im Emmendinger Kino CineMaja stattfindet. Damit wollen Anna Katharina Gerson, Cornelia Hammelmann und ihr Team eine Bühne schaffen, „auf der Filmschaffende, Autor·innen und Publikum gemeinsam in faszinierende Erzählwelten eintauchen“ können.

Für Südbaden ist das „zwischen realen und fantastischen Geschichten“ angesiedelte und genreübergreifende Festival eine Premiere. Es ist indessen auf Fortsetzung angelegt; die beiden Kulturmanagerinnen, die andernorts schon seit Jahrzehnten in der Branche tätig sind, geben sich zuversichtlich, dass es sich langfristig im Dreiländereck etabliert. Entsprechend ambitioniert ist das Programm: Außer Deutschland- oder Europapremieren, Kinoklassikern Freiburger Produktionen und einem Wettbewerb gibt es bei Filmgesprächen, offenen Runden, Lesungen und anderen Begegnungen die Gelegenheit, „neue Perspektiven auf das Kino von heute zu eröffnen“.

Zu den eingeladenen „Filmschaffenden aus aller Welt“ gehört etwa Margarethe von Trotta. Die Regisseurin von Weltrang hat auch die Schirmherrschaft für das Festival übernommen und bietet im Friedrichsbau eine Masterclass für jüngere Kollegen – und das interessierte Publikum – an. Sie bringt natürlich auch einige ihrer Filme mit; sie sind in einer speziellen Retrospektive zu sehen. Ein weiteres internationales Highlight ist ein Publikumsgespräch zwischen dem legendären Rolling-Stones- und Led Zeppelin-Musikproduzenten Chris Kimsey und dem Filmfestivalmacher und -berater Adrian Wootton. Dabei geht es um die Stories, die hinter so manchem großen Hit liegen. Und um die Übergänge zwischen Film und Musik.

Ein weiterer Gast ist Felix Rottberger. Der in Freiburg wohlbekannte 89-Jährige kommt als Protagonist der im „Fokus Erinnern – gegen das Vergessen“ gezeigten Dokumentation „Felix – eine jüdische Odyssee“ zum Gespräch ins CineMaja in Emmendingen. Die Stadt ist nicht nur mit dem örtlichen Kino am Festival beteiligt, sondern vor allem mit dem dortigen Deutschen Tagebucharchiv. Als „Stoffemarkt“ ist es für Produzenten und (Drehbuch)Autoren zugänglich; hier finden sie in 10.000 Tagebüchern „tatsächlich gelebte Geschichten“ und können daraus möglicherwiese eigene fiktionale Geschichten entwickeln, wie Bettina Hammelmann hofft.

Selbstverständlich gehören zum Programm auch Filme, die den Schwarzwald zum Thema haben, sagt Anna Katharina Gerson. Dazu gehören neben modernen Produktionen auch Klassiker wie das romantische „Schwarzwaldmädel“ oder auch die erste Verfilmung von Wilhelm Hauffs mythischem Märchen „Das kalte Herz“. Die BerlinerKunst- und Filmhistorikerin kennt die Filme aus ihrer Kindheit: Ihrer Familie gehörte das inzwischen längst geschlossene Kino Roxy in Waldkirch.

Fotos: © Black Forest Film Festival: The Godfather © PARAMOUNT PICTURES, Tommy © 1975, renewed 2003 Columbia Pictures Industries, Inc.