Raves auf dem Acker – Der mazedonische Regisseur Georgi M. Unkovski zeichnet das Bild eines Landlebens im Zeitalter von Social Media 4Film | 17.03.2026 | Erika Weisser
Ahmet ist 15 und lebt mit seinem Vater und dem jüngeren Bruder Naim in einem Dorf in der malerischen nordmazedonischen Hügellandschaft. Und er geht offenbar gern zur Schule. Jedenfalls verlässt er nur widerwillig das Klassenzimmer, als der Lehrer ihm sagt, dass sein Vater draußen wartet. Und nicht eben begeistert geht er mit, um ihm beim Zusammentreiben der Schafherde zur Hand zu gehen.
Seit dem im Film nur vage am Rande erwähnten Tod seiner Frau verlangt der eigentlich gutmütige, umständehalber aber strenge Mann immer öfter Ahmets Mithilfe: Er ist überfordert mit der zusätzlich zu seiner schweren landwirtschaftlichen Arbeit zu leistenden Erziehung und Versorgung seiner beiden Söhne, von denen der jüngere nicht spricht.

Ahmet kann den Vater verstehen. Doch dann setzt der sich in den Kopf, mit Naim zu einem entfernt wohnenden Heiler zu gehen, der ihn zum Reden bringen soll. Und eröffnet seinem Älteren, dass er während seiner Abwesenheit von der Schule freigestellt ist und seine Arbeit bei den Schafen und auf den Tabakfeldern zu übernehmen hat. Begeistert ist Ahmet nicht, doch er fügt sich. Sein einziger Trost: Während der langen Traktorfahrten kann er über Internet seine Lieblingsmusik hören. Allerdings ist sein Datenvolumen zu gering, um die hämmernden Traktor-Beats stundenlang mit basslastigen elektronischen Beats aus seiner selbst gebastelten Soundanlage zu überwummern.

Dann läuft ihm die schöne Aya über den Weg. Sie ist etwa gleich alt wie Ahmet, lebt mit ihren Eltern in Deutschland und ist zu Besuch bei ihrer Großmutter, die auch im Dorf wohnt und gelegentlich auf Naim aufpasst. Als sie sich zum ersten Mal treffen, sind sie sofort wie elektrisiert. Und als sie sich zum zweiten Mal treffen, stellen sie fest, dass sie am liebsten die gleiche Musik hören und Tiktok-Tänze mögen. Und da Aya im Besitz eines Handys mit unbegrenztem Datenvolumen ist, steht spontanen und schier endlosen Raves auf dem Acker nichts im Wege. Und es ist nicht einmal eine Frage der Zeit, dass sich die beiden näherkommen.

Allerdings hat Ayas Besuch bei der strenggläubigen Großmutter einen ernsten Hintergrund: Gemäß der dörflichen Tradition soll sie verheiratet werden – an einen Mann, den sie noch nie gesehen hat. Diese Pläne stoßen bei der freiheitsliebenden und selbstbewussten Jugendlichen nicht eben auf Gegenliebe; es kommt zu nicht nur inneren Konflikten zwischen familiären Erwartungen und dem Wunsch nach einem selbstbestimmten Leben. Auch bei Ahmet.
Ein höchst bemerkenswerter Film über die erste Liebe zweier Außenseiter – und ihrer Suche nach einem weniger beengten Platz in der Welt.
DJ Ahmet
Mazedonien 2025
Regie: Georgi M. Unkovski
Mit: Arif Jakub, Dora Akan Zlatanova, Agush Agushev, Aksel Mehmet u.a.
Verleih: Neue Visionen
Laufzeit: 99 Minuten
Start: 19. März 2026










