Geballte Energie: Trommelgruppe Brasilikum bringt Samba-Ekstase nach Freiburg Musik | 08.09.2025 | Till Neumann
„Immer noch Gänsehaut“: Der furiose Brasilikum-Auftritt
im Tanzbrunnen bei „Freiburg Stimmt Ein“
Rhythmus. Tanz. Power. Die Trommelgruppe Brasilikum hat sich mit mitreißenden Auftritten einen Namen gemacht. Im Tanzbrunnen versetzte sie Hunderte in Ekstase. Die Logistik dahinter ist schweißtreibend.
„Stimmung war Wahnsinn“
Der Freiburger Tanzbrunnen lockt eigentlich kleine Gruppen an. Nicht so beim Festival „Freiburg Stimmt Ein“ im Juni: Brasilikum nutzte ihn als Bühne. Sie begeisterte mit wilden Samba-Sounds, aufwendigen Choreos und fesselte rund 1000 Fans rund um den Brunnen.
„Die Stimmung war Wahnsinn, ich krieg schon wieder Gänsehaut“, erinnert sich Brasilikum-Leiter Marc Noller (53). Dass der Auftritt ein besonderer würde, habe sich angebahnt. Schon beim Warmspielen seien 150 Menschen dagesessen. Bei der Show zu später Stunde kamen rund 1000 und feierten ausgelassen.
Sound schiebt ordentlich
Samba-Feeling wie in Rio? „Eher wie in Salvador de Bahia”, korrigiert Noller. Ihre Musik orientiere sich mehr an den Klängen des Sambas aus der Stadt im Nordosten Brasiliens als an dem aus Rio. Statt mit einer Pfeife wird mit den Händen dirigiert. Das Tempo ist langsamer. Die Musik klingt afrikanischer, erdiger.
Seit fast 20 Jahren sind Brasilikum in und um Freiburg zu sehen. Zuletzt traten sie beim African Music Festival in Emmendingen auf. Beim Freiburg Marathon heizten sie den Läufer·innen beim Hauptbahnhof ein. Auffällig: Der Sound schiebt mittlerweile mit geballter Power, die Choreos der Riesen-Truppe setzen eins obendrauf. Stillstehen? Unmöglich.
Passion und Nebenjob
„Wir sind wahrscheinlich die größte Trommelgruppe Süddeutschlands“, schätzt Noller. Für Freiburg gelte das ohnehin. Rund 80 Menschen zählt der gemeinnützige Verein. Zirka 70 sind aktive Trommler·innen. Nur sieben waren es 2011. Seit dem Jahr leitet Noller die Gruppe. Im Vorstand sitzt er mit Rafael Schmitt und Doris Filippi.

Leitet das Riesen-Ensemble seit 2011: Der Freiburger Lehrer und Percussionist Marc Noller
Für Noller, berufstätig als Lehrer, ist Brasilikum Passion und Nebenjob. Er schreibt Stücke, organisiert Proben und Auftritte, dirigiert gemeinsam mit Schmitt die Shows. Bei großen Auftritten sind 40 bis 50 Musiker·innen am Start.
Proben im Hans-Bunte
Allein für die Proben braucht es Platz und die Möglichkeit, laut zu sein. Fündig geworden sind sie im Club Hans-Bunte. Dort üben sie wöchentlich, aufgeteilt in vier Level. Zudem gibt es eine Choreo-Gruppe für die Tanzschritte.
Nächstes Jahr könnte die Gruppe auf 100 Menschen gewachsen sein. Nicht alle wünschen sich das, berichtet Noller: „Viel Zulauf ist eine totale Überforderung für die Leitung und die Einsteigergruppe.“ Es brauche Zeit, um sich zu finden.
„Nächstes Niveau erreichen“
Das Besondere an Brasilikum? „Für mich ist es die Vielfalt“, sagt Doris Filippi (36). In Sachen Alter, Herkunft und musikalischem Hintergrund sei die Gruppe breit gefächert. „Es gibt Menschen wie mich, die reingekommen sind ohne irgendwelche Erfahrungen und einfach gesagt haben: Boah, was für eine tolle Atmosphäre. Da will ich Teil von sein.“ Noller ergänzt: „Für mich ist es auch die Bereitschaft, etwas zu investieren, um das nächste Niveau zu erreichen.“ Brasilianische Kultur werde mit der deutschen kombiniert und mit World-Music-Grooves angereichert.
So entsteht ein wilder Mix, der auch Hits wie „Schüttel dein Speck“ von Peter Fox im Programm hat. Noller hat ihn adaptiert und bindet das Publikum je nach Stimmungslage mit ein. Auch einen Technosong hat er für Brasilikum arrangiert. Andere Tracks kommen von der „Bahia-Connection“, eine Percussion-Gruppe, die Stücke aufbereitet und mit anderen teilt.
Messlatte hochgelegt
Noller und Filippi sehen eine wachsende Fanbase. Aber manchmal auch fehlende Wertschätzung für ihre Musik, da sie weniger auf Stimme und Melodien setzt als andere Genres. Auf einem großen Festival der Region zu spielen, das würde Noller freuen. Filippi würde den magischen Abend im Tanzbrunnen gerne noch mal erleben.
Die eigene Messlatte haben sie mit dem Auftritt hochgelegt. Und machen sich damit selbst auch etwas Druck. Bei so viel Power und Spielfreude stehen die Chancen aber sicher gut, so ein Ekstase-Event noch mal zu schaffen.
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