Zartmann in Freiburg: Durchstarter vor 7000 Menschen Musik | 16.02.2026 | Till Neumann
Zartmann live: Bilder von der Freiburger Show zu machen, war nicht erlaubt.
Ein Act der Stunde: Zartmann aus Berlin. Alter und bürgerlicher Name sind geheim. Sein Erfolg nicht mehr. Am Samstag rockte der Indie-Musiker die ausverkaufte Sick Arena. 7000 Menschen bejubelten den Sänger, der eine außergewöhnliche Show bot, sich aber entschuldigen musste.
Wie unter Strom
Mit unbändiger Power stürmt „Zarti“ kurz nach 20 Uhr die Bühne. „Meinen die uns“ ist sein Opener. „Du siehst mich da, wo die Partys sind“, singt der braunhaarige Lockenkopf. Und springt wie unter Starkstrom über die Stage. Hinter ihm seine vier Musiker*innen. Sie performen unter einem überdimensionalen Scheinwerfer-Dach. Dann blitzt ein Schriftzug rot auf: „Fick die AfD“. Eine Textzeile, die für Jubel sorgt.
Nicht nur Zartmann, auch das Publium ist schnell auf Temperatur. Schließlich wollen sie endlich den gehypten Berliner sehen. Kein Song wurde 2025 häufiger in Deutschland gestreamt als sein größter Hit „Tauf mich auf“. Ein Track, der viele Facetten des Musikers vereint: tanzbarer Elektrosound, angeschlagener Nachtschwärmer, zerbrechlicher Romantiker. Dazu eine Mitsing-Hook, die lange im Ohr bleibt. Doch darauf müssen die Freiburger Fans noch warten.
Alles ausverkauft
Trotz des Anti-Rechtsextremismus-Statements zu Beginn: Zartmann liefert keine politische Musik. Er spielt die Deutsch-Indie-Pop-Elektro-Klaviatur dafür perfekt. Die Texte sind zerbrechlich-melancholisch, die Stimme durchdringend, sein Style Berlin alternativ. Lila Fußball-Shirt, weite Hose. Das Paket begeistert die Massen. Seine Show in Freiburgs größter Halle ist schon lange ausverkauft: 7000 Menschen haben sich für knapp 60 Euro ein Ticket geholt, um ihn zu sehen.

Emotion, Gefühl und Power: Zartmann vereint viele Skills
Der Sänger muss das selbst noch realisieren. „Die größte Zartmann-Show aller Zeiten“, schwärmt er und erklärt dem Publikum immer wieder seine Liebe. Die drei Tage davor war er live in Frankfurt, Stuttgart und Nürnberg. Es folgen elf weitere Termine – und überall heißt es „sold out“. Nur für die Presse gibt’s weniger Sympathie: Fotograf*innen dürfen keine Bilder der Show machen.
Überraschungen im Gepäck
Seine bisher größte Tour kostet Kraft: Während der Show entschuldigt sich Zartmann für die heisere Stimme. Er tue alles, um fit zu bleiben. Wärme sich auf, achte auf Ernährung und Alkohol. Doch heute sei ihm das egal: „Ich scheiß drauf.“ Vor dem Song „eehhhyyy“ lässt er sich eine Flasche Sekt auf die Bühne bringen, nimmt einen großen Schluck. Trotz seines Sorrys: Zartmann performt voller Leidenschaft und Begeisterung, auch seine Stimme lässt ihn nicht im Stich.
Er wechselt gekonnt zwischen Dynamik und Balladen – und hat einige Überraschungen im Gepäck. Neben Feuerfontänen gibt’s Konfetti-Regen und eine waghalsige Kletteraktion auf das Bühnendach. Dort oben steht er mit Gitarre und singt wie auf einem Berliner Hochhausdach. Später taucht er mitten in der Menge auf und singt dort weiter.
Kasi kommt auch
Seine Band begleitet ihn gekonnt. Drums, Gitarre, Bass und Keyboard. Zartmann dankt seiner Crew mehrfach, nennt sie namentlich, fordert Applaus ein. Den größten bekommt sein Drummer und langjähriger Weggefährte Aaron. Mit ihm gemeinsam performt er den vielleicht schönsten Song des Abends: „Sommer“. Ein gefühlvolles Duett mit Zartmann am Piano.
Zum Abschluss dann das lang ersehnte „Tau mich auf“. Der Saal tanzt. Und dann gleich nochmal den Opener „Meinen die uns“. Dieses Mal aber mit den gefeierten Lokalhelden Kasi und Antonius. Die beiden Freiburger sind auch Gäste der Studioversion – und reißen nun gemeinsam mit Zartmann ab. Bei keinem anderen Song wird’s wilder im Saal.
Video-Finish
Schließlich fällt der Vorhang. Die Ersten gehen, doch zu früh. Auch hier hat das Zartmann-Team noch ein Ass im Ärmel. Es folgt eine Live-Videoübertragung, projiziert auf den Vorhang. Man sieht, wie die Band sich hinter der Bühne in die Arme fällt. Dann wie Zartmann hinter die Kulissen läuft. Er wirft er einen Basketball-Korb (und trifft), dann setzt er sich an ein Klavier und spielt im Kreise seiner Crew eine letzte Ballade.
Wunderschönes Finish für einen gelungenen Abend. Eine Show, die gezeigt hat: Zartmann begeistert die Massen. Mit musikalischem Können auf hohem Niveau, das aber andere in der Form auch beherrschen. Vielmehr ist wohl ein großer Teil des Hypes die mysteriös-charmante Aura des Emporkömmlings. Zudem gibt’s eine Show auf Champions-League-Level.
Vielleicht auch deswegen hat Weltstar Ed Sheeran den Musiker Ende 2025 in Stuttgart auf die Bühne geholt. Für Zartmann geht’s rasant bergauf, wie er selbst feststellt: „Vor eineinhalb Jahren war ich hier auf der Bühne als Voract von Cro“, erzählt er dem Freiburger Publikum. In der Menge haben es manche vor lauter Euphorie übertrieben. Gleich drei Mal werden während der Zugabe die Sanis geholt. Zartmann unterbricht dafür ohne zu zögern seine Songs. So einen muss man wohl einfach gernhaben.
Hinweis: Der chilli-Redaktion war es nicht gestattet, bei der Show Fotos zu machen. Daher gibt es leider nur Bilder vom Tour-Management von Konzerten, die nicht in Freiburg gestiegen sind.










