Nachgewürzt: Ansgar Hufnagel über einen Flamingo im Hochschwarzwald Natur & Umwelt | 07.10.2025 | Ansgar Hufnagel
Neuer Nachgewürzt-Kolumnist: Multitalent Ansgar Hufnagel aus Freiburg
„Der Hochschwarzwald – ein Paradies für Flamingos.“ So könnte es schon bald in einer Werbebroschüre der Hochschwarzwald Tourismus GmbH heißen. Statt eines einsamen grauen Jungtiers, wie zuletzt am Titisee gesichtet, werden dann ganze Kolonien rosafarbener Schönheiten anreisen, um ihren kunstvollen Putztwist vorzuführen.
Der Balztanz wird nicht nur von den anderen Flamingos neugierig beäugt, sondern auch von Touristen auf den Aussichtsplattformen. Beige Montur, Fernglas in der Hand, Hut mit feinem Netz – Schutz vor der TIGERMÜCKE! – so steht man dann da und staunt über das neue Schwarzwald-Spektakel.
Der Klimawandel macht’s möglich. Bis es so weit ist, vergehen wohl noch ein paar Jahre. Doch solange diese Klimaflüchtlinge unsere Wirtschaft ankurbeln, sind sie herzlich willkommen. Alle Flamingos dieser Welt – ab in den Schwarzwald!
Aber wenn der Flamingo kommt – kommt er allein? Oder bringt er andere Tiere mit? Verändert sich dann unsere Tierwelt? Haben wir bald echte Krokodile in der Dreisam, der Elz und im Rhein? Kommt mit den Flamingos auch die Tüpfelhyäne in unsere Breitengrade und wird hier heimisch? Wie sollen wir das kontrollieren? Wer entscheidet, wer kommen darf? Und wenn sie mal da sind – wer darf bleiben?
Die Flamingos – schön, exotisch, elegant und vor allem instagram-tauglich – die wollen wir. Das produziert tolle Bilder, bringt den Tourismus in Schwung und wertet die Region auf. Aber die hässliche, hinterhältige Tüpfelhyäne? Die doch bitte nicht!
Also: Luftraum sichern. Gewässer überwachen. Landweg blockieren. Ungebetene Gäste zurückschicken. Auch wenn es dort, wo sie herkommen, nicht mehr sicher ist. Der Schwarzwald soll nicht zur Arche Noah 2.0 verkommen. Das wäre doch nur ein undurchsichtiges Chaos. Ein Flamingo ist keine Kolonie.
Und doch sorgt schon dieser eine rosa (na gut, graue) Vogel für Schlagzeilen. Der Titisee-Flamingo wurde übrigens eingefangen und zur Schweizer Grenze gebracht. Eine formale Überführung war zu aufwendig – also hat er kurzerhand selbst die Grenze überquert. Mit der Hilfe einer engagierten Naturschützerin fand er Anschluss an eine Gruppe seiner Artgenossen am Klingnauer Stausee.
Vielleicht hat uns dieser kurze Besuch gezeigt, dass sich mit Hilfsbereitschaft, Engagement und ein bisschen Kreativität sehr oft Lösungen finden lassen, von denen am Ende alle profitieren.
Ansgar Hufnagel, Freiburger, Moderator, Bühnenmensch und Gründer von „Comedy Flex“ würzt im chilli aktuelle Themen kräftig nach. Mehr zu ihm auf ansgarhufnagel.de und comedyflex.de.
Foto: © Michaela Klaehn











