Standort für Erdwärmekraftwerk gefunden – Wenn’s am Rastplatz 3,2 Kilometer in die Tiefe geht Nachhaltigkeit | 27.08.2025 | Lars Bargmann

Das ist der Plan: In 3200 Metern Tiefe ist das Wasser 120 Grad heiß. Das ist der Plan: In 3200 Metern Tiefe ist das Wasser 120 Grad heiß.

Vor vier Jahren gestartet, ist die Standortsuche für ein Erdwärmekraftwerk in Südbaden nun beendet:Am Autobahnparkplatz Hardt an der A5 bei der Anschlussstelle Hartheim soll die regionale Wärmewende einen Turbo bekommen: Zwei Bohrungen plant die Badenova-Tochter Wärme­plus dort. Es geht 3,2 Kilometer Richtung Erdmitte. Dort wartet 120 Grad heißes Wasser. Grüne Wärme für 20.000 Haushalte.

800 Meter weg von Wohngebieten, außerhalb von Natur- und Trinkwasserschutzgebieten und mit geologisch optimalen Bedingungen – das ergab beim Standorte-Ranking Platz eins. Zudem ist dort vom Baustellenlärm in erster Linie die Autobahn betroffen. Und die wird als akzeptierter Lautsprecher nicht vor Gericht ziehen.

Das geplante Heizwerk, etwa so groß wie eine kleine Turnhalle – soll ab 2029 den Wärmebedarf von rund 20.000 Menschen aus Erneuerbarer Wärme decken. Etwa ein Viertel des Energieverbrauchs in Deutschland entfällt auf die Raumwärme – ohne Warmwasser. Als Kunde ist im ersten Schritt die Stadt Freiburg vorgesehen, die bereits über eine derzeit massiv ausgebaute Fernwärmeinfrastruktur verfügt. Die Erdwärme soll über eine regionale Transportleitung von Hartheim nach Freiburg geliefert werden. Dort sagt Oberbürgermeister Martin Horn: „Für unser Ziel der Klimaneutralität brauchen wir die Wärme­wende.“

„Wärme aus Erdwärme stärkt die Region. Sie bietet Versorgungssicherheit, ist klimaneutral und schützt vor Preisschwankungen“, erklärt Badenova-Vorstand Dirk Sattur. Für ihn ist das Erdwärme-Kraftwerk ein „entscheidender Meilenstein auf dem Weg zu einer nachhaltigen Wärmeversorgung“.

Das eingesetzte hydrothermale Verfahren zur Förderung der Erdwärme ist bewährt und sicher: Schon seit 1994 versorgt eine vergleichbare Anlage im schweizerischen Riehen zuverlässig die Bevölkerung. Dort wird derzeit eine zweite Anlage umgesetzt, um noch weitere Haushalte anzuschließen. In Staufen wurde oberflächennahe Geothermie versucht – mit verheerenden Folgen für die Faust-Stadt.

„Bis 2035 wollen wir in der Region klimaneutral sein. Für die Versorgung der Menschen in unseren Fernwärmegebieten ist das eine gewaltige Herausforderung“, so Wärmeplus-Geschäftsführer Klaus Preiser. Die Lage im Oberrheingraben verschaffe der Region einen großen Vorteil, das heiße Thermalwasser in bis zu 3500 Metern Tiefe ist rund um die Uhr kostenlos verfügbar. 

Noch in diesem Herbst wird die Wärmeplus die Genehmigungsunterlagen bei der Landesbergdirektion im Regierungspräsidium Freiburg einreichen. Dann können die betroffenen Kommunen Stellung nehmen. Mit einer Verfahrensdauer von etwa zwölf Monaten ist zu rechnen. Die Baustelleneinrichtung ist für 2026 geplant, die Bohrung für 2027. Im Anschluss folgt der Bau des Heizwerks und der Transportleitung nach Freiburg. Mit der ersten Wärmelieferung ist 2029, spätestens 2030 zu rechnen.

Bürger können sich am Kraftwerk beteiligen

Die Bürgerinnen und Bürger aus Hartheim, aber auch aus anderen Kommunen, sollen sich am Projekt – wie bei Windkraftprojekten bereits erfolgreich umgesetzt – beteiligen können, für ihre Einlage Zinsen bekommen. Bei den umfangreichen Untersuchungen im insgesamt 300 Quadratkilometer großen Gebiet haben Fachleute für die tiefe Geothermie auch geeignete Areale unter Bad Krozingen und Breisach gefunden.

Das Bundeskabinett hat unlängst das Geothermie-Beschleunigungsgesetz verabschiedet. Damit steht der Geothermie rechtlich ein überragendes öffentliches Interesse an der Seite.

Mit dem Gesetz werden auch Änderungen an Bergrecht, Wasserrecht und Umweltrecht gemacht, um den Ausbau erneuerbarer Wärmequellen zu erleichtern. Das gibt den Projektentwicklern Planungssicherheit – das höchste Gut bei kapitalintensiven Investitionen. Das Potenzial für die Erdwärme in Deutschland ist hoch. Ob es eine Erfolgsgeschichte wird, hängt vor allem vom Fernwärmenetz ab.

Quelle der Illustration: BADENOVA