Im Schneeschuh-Paradies: Winterwandern im Schwarzwald Special for Homepage | 02.01.2021 | Wolfram Köhler

Trauertanne

Am Schauinsland, in Hinterzarten, Belchenland und Feldberg sind Schneeschuhtrails durch schneeweiße Winterwelten ausgewiesen. Ein ortskundiger Ranger plaudert über Wild und Wald, auch Abend- oder Nachtwanderungen mit Fackeln bei Mondschein sind im Angebot.

„Krrrks“ – knirschend durchbrechen die Schneeschuhe die glitzernde Schneedecke zu eisigen Scherben. Eine Wandergruppe trottet im Gänsemarsch vom Stollenbach über Toter Mann zum Feldberg. Still ist es in der weißen Landschaft, die Natur verharrt im Winterschlaf. Nur das Krächzen einer Krähe verliert sich in der Ferne. Schönwetterwolken am blauen Himmel wetteifern mit der Schneepracht um das strahlendere Weiß.

Mühsamer ist diese Fortbewegungsart als das Gleiten auf Skiern. Das Gehen im tiefen Schnee kostet Kraft und Konzentration. Schneeschuhe verhindern ein tiefes Einsinken, auf viermal größerem Fuß geht’s voran. Schnell ist die Gehtechnik gelernt. Stockeinsatz beteiligt den ganzen Körper wie beim Skilanglauf oder Nordic Walking. Der Schnee dämpft die Belastung der Gelenke.

Ziel der Tour ist das Gipfelkreuz am Feldberg. Dort kreist ein Flachmann zur Belohnung. Die herrliche Aussicht und das Gefühl, es geschafft zu haben, berauschen mehr als der Gipfelschnaps. Der Abstieg wird wie der Aufstieg schrittweise zurückgelegt – Entschleunigung ist angesagt, „Schneebaden“. Auf Schneeschuhen sind längere Gehzeiten als beim Wandern einzuplanen. Doch ohne die großflächigen Gehhilfen kein Genusserleben in der weißen Pracht.

Spuren im Schnee

Naturschützer hegen zwiespältige Gefühle gegenüber diesem Trend. Für Wildtiere sind die Winterlandschaften lebenswichtige Ruhe- und Rückzugsräume. Sie müssen im Winter sparsam umgehen mit ihren Energien, Ruhestörung und Flucht zehren an ihren Kräften. Zu sehen sind Spuren im Schnee: Haben sich Fuchs und Hase gute Nacht gesagt? Wie erklärt sich die Fraßspur eines Meister Lampe an einem Buchenast in zwei Metern Höhe? War es ein Kletter-, Flug- oder Schneehase? Weit gefehlt! Der Schnee war am Feldberg mal unvorstellbare zwei Meter höher. An abschüssiger Stelle hinterlässt eine Schneekaskade ihre Falllinien, wer hat sie ausgelöst? Tierspuren kreuzen sich, umkreisen einen Baum. Fand ein Kampf oder eine wilde Verfolgung statt?

Schneeschuhtrail

Um den Tieren ihre Rückzugsräume zu lassen, führen ausgewiesene Schneeschuh-Trails eher durch offenes Gelände.

Die ausgewiesenen Trails im Schwarzwald führen eher durch offenes Gelände, um Zielkonflikte zwischen Mensch und Natur zu vermeiden. Die Tiere bevorzugen den Schutz des Waldes. Und wer vom Weg abweicht? Manchmal wird das eigenmächtige Eindringen ins Waldesdickicht unmittelbar bestraft. „Autsch!“ schreit ein Schneeschuhgänger, der sich voreilig ins Geäst wagte und von der elastischen Kraft eines im Schnee eingespannten Zweiges, der sich löste, einen schmerzhaften Hieb verpasst bekam.

Abenteuer pur

Schneeschuhwandern erfreut sich zunehmender Beliebtheit. Das Landschaftserleben in meditativer Stille abseits von Loipe und Piste begeistert alle Altersklassen. Traumhaft ist es, über unberührte Schneefelder zu stapfen, unter verschneiten Tannen mit Raureiffahnen an den Stämmen zu gehen. Nadelbäume sind in Schnee eingepackt. Da löst sich immer mal eine Schneelage, zerstiebt zu einer Wolke aus glitzernden Schneekristallen. An offenen Stellen modelliert der Wind Wellen und wabenähnliche Strukturen im Schnee wie in einer Dünenlandschaft. Es kommt Abenteuerfeeling auf, denn immerhin bewegen sich auch die Helden in den Abenteuerromanen von Friedrich Gerstäcker und Jack London auf Schneeschuhen durch einsame, verschneite Landschaften: „Kid zertrat die zarten, glitzernden Kristalle unter seinen breiten, kurzen Schneeschuhen. Es gehörten gute Muskeln und Lungen dazu.“

Winterlandschaft

Darüber hinaus sind Schneeschuhtouren unterhaltsam, kommunikativ und witzig. Für Lacherfolge sorgt weniger der Gang „wie der Storch im Salat“, die Technik haben alle schnell drauf. Aber wenn es steil bergab geht und der Rat kommt, gerade hinunter zu gehen, dann wird’s wackelig: Die Angst vor einem Sturz führt zur Unsicherheit, zum Tritt auf den anderen Schuh … und der Salto in hoffentlich weichen Schnee weckt die Schadenfreude der Gruppe. Die hat den Abstieg noch vor sich und überwindet die steile Stelle nun lieber schräg oder im Rückwärtsgang.

Historische Vorläufer

In der Pionierzeit des Wintersports Ende des 19. Jahrhunderts bezeichnete man Skier als Schneeschuhe. Sie dienten Waldarbeitern, Landärzten und Postboten zum Fortkommen in verschneiter Landschaft: „Da wimmelt es auf den weiten Schneeflächen von Schneeschuhläufern, die mit großer Begeisterung den nordischen Skisport betreiben. Voll Neid betrachtet der Anfänger auf den Brettern den erfahrenen Läufer, der wie spielend bergauf, bergab seine Bahn dahin zieht.“ Fridtjof Nansen ging also nicht „Auf Schneeschuhen durch Grönland“, so ein Buchtitel des Polarforschers, er glitt auf Skiern in 40 Tagen über das schneebedeckte Inlandeis der Insel. Im Schneeschuhgang hätte er länger gebraucht. Bewohner des Kaukasus verwendeten flache Lederflächen, die Armenier runde Holzkonstruktionen. Die Schneeschuhe der Inuit, Trapper und Indianer sahen wie Tennisschläger aus: gebogene, spitz auslaufende Holzrahmen, mit Lederstreifen bespannt. An der Grundidee hat sich bis heute wenig geändert, aber längst haben Kunststoff, Stahlkrallen und Aufstiegshilfen die Naturmaterialien verdrängt. Schneeschuhe sind heute topmoderne Ausrüstungsstücke, die bei geführten Touren leihweise zur Verfügung gestellt werden.

Über den Wolken: neue Panoramaterrasse

Wer mit der Schauinslandbahn nach oben schwebt, den erwartet seit Neuestem an der Bergstation eine großzügige und barrierefreie Panoramaterrasse mit fantastischer Aussicht. 70 Quadratmeter groß, aus Sichtbeton und mit einem aus Edelstahlnetz gefertigten Geländer versehen, bietet sie viel Platz zum Verweilen, Fotografieren und Ausblick-Genießen – ganz entspannt auf terrassenförmig angelegten und aus heimischer Douglasie gefertigten Sitzbänken.

Schauinslandbahn

Für Kinder gibt es ein besonderes Highlight: eine Spielanlage mit zwei Baumhäusern, Treppenturm, Verbindungstunnel und Röhrenrutsche. Hinzu kommen spannende Spielelemente zum Thema „Schauen“ und „Blicken“.

Schauinsland Sonnenterasse

Nicht nur die neue Terrasse, auch der Weg entlang des Gebäudes zum Vorplatz der Bergstation wurde ausgebaut, beides ist nun bequem und barrierefrei zu erreichen und bietet damit „Naherholung für alle“, so Freiburgs Oberbürgermeister Martin Horn. Auch bei Stephan Bartosch vom Vorstand der Freiburger Verkehrs AG ist die Freude groß: „Die Terrasse mit ihrem wunderbaren Ausblick, den neuen Sitzgelegenheiten, sowie die neuen Spielbaumhäuser laden zu einer Fahrt auf den Schauinsland ein.“

Fotos: © Wolfram Köhler, Freiburger Verkehrs AG/ Schauinslandbahn