Klöster in der REGIO: Baselbiet Special for Homepage | 14.08.2022 | Beat Eglin

Die Klosteranlage Mariastein

Zweitwichtigster Wallfahrtsort der Schweiz und kulturelle Begegnungsstätte mit Skulpturenpark – zwei Klöster im Baselbiet, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten.

Kloster Mariastein – Kreuz und Hahn

Trutzig thront die Anlage hoch oben auf einem Felsen am Fuße des Passwangs: Ein Kloster ist hier im Laufe der Jahrhunderte gewachsen, um einen Wallfahrtsort, der heute in der Schweiz hinter dem Innerschweizer Spitzenreiter Einsiedeln (Kanton Schwyz) an zweiter Stelle steht.

Eine Legende steht am Anfang der Geschichte von Mariastein: Ein Hirtenjunge soll einen 50-Meter-Sturz von einem Felsen überlebt haben, weil er, wie der Knabe erzählte, von einer unbekannten Frau aufgefangen worden sei. Sein Vater war überzeugt, dass es sich bei dieser Erscheinung um Maria handelte. Er bedankte sich für die Rettung seines Kindes mit dem Bau einer Kapelle, die in der Folge zur Pilgerstätte wurde. Eine Kapelle „im Stein“ wird 1434 erstmals urkundlich erwähnt. 1470 nach einem Brand neu erbaut, gab es während der Reformation 1530 Verwüstungen und Plünderungen. Die Popularität der Wallfahrtstätte sank. Erst nach einem zweiten Wunder, als ein Junker 1541 einen Absturz überlebte, strömten die Pilger wieder. Benediktinermönche des Klosters Beinwil übernahmen die Betreuung des Wallfahrtsortes, und 1648 übersiedelte ihr Konvent ganz nach Mariastein. Das Kloster, darunter die imposante Klosterkirche, wurde erbaut. Im 17. und 18. Jahrhundert blühte die Wallfahrt, man zählte jährlich mehr als 40.000 Pilger. Mit der französischen Besetzung 1798 endete die Hochzeit, das Kloster wurde aufgehoben, die Mönche vertrieben.

Die Turmspitze der Klosteranlage Mariastein

Rund um eine kleine Kapelle wuchs im Laufe der Jahrhunderte die Klosteranlage Mariastein (o.). Kreuz und Hahn sind auf der Turmspitze der neobarocken Klosterkirche einträchtig vereint.

Zwar erhielten die Mönche vier Jahre später ihren beschädigten Besitz zurück und konnten Wallfahrt und auch eine Schule wiedereröffnen – doch die Wirren dauerten an. 1874/75 musste die Anlage aufgegeben werden. Erst 1970/71, nach Aufhebung des Klosterverbotes, wurde die Institution nach einer kantonalen Volksabstimmung wieder öffentlich-rechtlich anerkannt.

Kloster Mariastein liegt im Kanton Solothurn, ist aber mit der Tramlinie 10 ab Bahnhofsplatz Basel in einer guten halben Stunde erreichbar. Von Flüh aus führt ein Spazierweg hinauf auf die Anhöhe. Herzstück und Ziel der Wallfahrer heute ist die in eine Felsenhöhle gehauene Gnadenkapelle, über 59 Treppenstufen erreichbar. Vom stimmungsvollen Dunkel der Kapelle wandern Besucher in die neobarocke Pracht und Helligkeit der Klosterkirche. Warum auf der Spitze des Kirchturms ein Kreuz und ein Hahn thronen, ist bis heute ein ungelöstes Rätsel. Üblich ist das Kreuz für katholische und der Hahn für reformierte Kirchen. Forscher vermuten, dass der Hahn in seiner frühchristlichen Symbolik zu verstehen ist, als Künder des Tagesanbruchs, der die Gläubigen zu Reue und Bitte um Vergebung aufruft.

 

Kloster Schönthal – Romanik und Skulpturen

Zwischen Jurafelsen und sanften Hügeln schmiegt sich das Kloster Schönthal ins grüne Weideland. Wer das Auto in Langenbruck parkt und zu Fuß hinauf wandert (25 Minuten), entdeckt die alte, in den Felsen gehauene Straße mit den originalen Rillen für die Pferdewagen – und bekommt eine Ahnung, dass das 1145 gegründete Kloster beim Pass „Oberer Hauenstein“ einst weit weg von weltlichen Einflüssen lag.

Die Klosterkirche betreten Besucher heute nicht durchs alte Holztor, sondern von Osten über den einstigen Altarraum. Die 1187 geweihte Kirche ist immer noch in gutem Zustand; sie dient als Ausstellungsraum. Mauerwerk und Reliefs der Westfassade gelten als Prunkstücke der hochromanischen Schweizer Architektur.

Die Klosterkirche Schönthal mit ihrem Westportal

Die über 800 Jahre alte Klosterkirche Schönthal mit ihrem romanischen Westportal ist sehr gut erhalten.

Ursprünglich war Schönthal ein Kloster für Frauen und Männer, die in separaten Häusern wohnten. Die Stadt Basel übernahm das Kloster im Jahr 1400, 15 Jahre später wurde das inzwischen reine Frauenkloster an den Servitenorden abgetreten. Während des Bauernkrieges 1525, also noch vor der Reformation, plünderten die Bewohner der umliegenden Dörfer das Kloster und nutzten die Kirche fortan als Holzschopf. Seit 1836 ist der Gebäudekomplex in Privatbesitz und steht seit 1967 unter Denkmalschutz.

Heute gehören Klosteranlage und der 100 Hektar große Landwirtschaftsbetrieb einer gemeinnützigen Stiftung. Umgeben von einem wunderschönen Skulpturenpark, wird das Anwesen als spirituelle und kulturelle Begegnungsstätte genutzt.

Der Skulpturenpark ist öffentlich zugänglich. Die Kirche, in der Ausstellungen stattfinden, ist am Freitag von 14–17 Uhr, am Wochenende und an Feiertagen von 11–18 Uhr geöffnet.

INFO:
www.schoenthal.de

Fotos: © zVg, Beat Eglin, Gerhard Born