Klöster in der REGIO: Südbaden Special for Homepage | 31.07.2022 | Dorothea Wenninger, Erika Weisser

Die Klosteranlage in Sankt Blasien

Altehrwürdige Gemäuer locken mit meditativer Stille, einem spannenden Uhrenmuseum, einem besonderen Heilkräutergarten und aktivem Klosterleben. Vier Klöster im Schwarzwald und in Freiburg-Günterstal haben wir besucht und ihre unterschiedliche Geschichte kennengelernt.

Kloster St. Blasien – Licht und Weite

Wer nach Sankt Blasien im Hochschwarzwald kommt, wird von dem Anblick der mächtigen, über den Dächern thronenden Domkuppel empfangen. Sie misst 36 Meter im Durchmesser und ist die viertgrößte Kuppel Europas. Der wuchtige Kirchenbau mit dem großen Vorplatz dominiert das Ensemble des ehemaligen Klosters, in dem heute das Jesuitenkolleg untergebracht ist.

Der erste Eindruck beim Betreten des Doms ist eine überwältigende Helligkeit. Scheint die Sonne, strahlt sie durch die vielen großen Fenster auf die weißen Wände. Die gigantischen Säulen, das Gestühl und Teile des Marmorfußbodens sind ebenfalls weiß. Eine besondere Wirkung erzielt auch die Geometrie des Kircheninneren: Der Rundbau ist bis einschließlich der Säulen genauso groß wie die Kuppel und ebenso hoch. Die zwanzig Säulen haben exakt die halbe Höhe.

Ein Schild am Kircheneingang lädt dazu ein, die Erfahrung von Licht und Weite auf sich wirken zu lassen – und das fällt in der recht schmucklosen Rundkirche tatsächlich leicht.

Die beiden Putten von der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Silbermann-Orgel

Die beiden Putten sind Relikte der im Zweiten Weltkrieg in Karlsruhe zerstörten Silbermann-Orgel.

Das Benediktinerkloster entwickelte sich aus einer Einsiedelei an der Alb – dem Flüsschen, an dem Sankt Blasien liegt. Um 1100 wurde ein Märtyrerbischof aus Armenien, der Heilige Blasius, Namenspatron. Bereits hundert Jahre später verfügte die Abtei über beachtlichen Besitz. Im Laufe ihrer Geschichte erlebte sie etliche Brandkatastrophen und Zerstörungen, so im Bauernaufstand 1525 und 1634 während des Dreißigjährigen Krieges. Dementsprechend oft wandelte sich das Bild des Klosters. Die beiden wichtigsten Bauphasen waren die barocke und die klassizistische: In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde das alte Kloster großzügig umgestaltet. In diesem Zuschnitt sehen wir das Ensemble heute. Nach dem verheerenden Brand 1768 beauftragte Fürstabt Martin Gerbert den Architekten d’Ixnard, der mit seinem Entwurf – auch der Domkuppel – den französischen Klassizismus in den Schwarzwald brachte.

Nach der Säkularisierung 1806 wurden die Gebäude industriell genutzt: Zürcher Unternehmer richteten eine der ersten Maschinenfabriken Deutschlands darin ein und betrieben im Ostflügel eine Spinnerei. Anfang der 1930er-Jahre erwarben die Jesuiten die Klostergebäude und eröffneten ein Gymnasium und ein Internat. Heute erhalten hier so viele Mädchen und Jungen Unterricht, wie damals zu Hochzeiten in der Fabrik Erwachsene und Kinder arbeiteten: rund 800. Aus dem ganzen Umkreis kommen Gymnasiasten zur Schule und 300 wohnen im Internat. Das Jesuitenkolleg, in dem auch öffentliche Konzerte stattfinden, ist wie der Dom noch heute von großer Bedeutung für das kleine Schwarzwaldstädtchen Sankt Blasien.

 

Kloster St. Märgen – Klingendes Klostermuseum

Die beiden hellen Zwiebeltürme der Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt sind das Wahrzeichen der auf einer Schwarzwaldkuppe gelegenen Gemeinde Sankt Märgen. Von den umliegenden Schwarzwaldhöhen aus ist der Ort an den beiden charakteristischen Kirchtürmen leicht zu erkennen.

Das dazugehörige Kloster ist kurz nach 1100 als Augustinerchorherrenstift Maria-Zell gegründet worden. Aus diesem Namen entwickelte sich im Laufe der Zeit Marienzell, Sante Merien und Sankt Märgen, wie Kloster und Ort heute heißen. Fünf Mal kam es im Laufe der Zeiten zu verheerenden Bränden. Ein Teil der heutigen Anlage, darunter die Kirche, wurde 1907 nach einem Feuer infolge Blitzeinschlags originalgetreu im Stil des Neobarock wiederaufgebaut.

Klostergebäude von Sankt Märgen

Im Klostergebäude von Sankt Märgen befindet sich das mit viel Engagement geführte Klostermuseum mit einer beeindruckenden Sammlung Schwarzwälder Uhren.

In der ehemaligen Klosteranlage ist heute ein Museum eingerichtet. Die Geschichte des Klosters und sakrale Kunst sind ebenso Ausstellungsinhalte wie Alltag und Brauchtum der Menschen im Schwarzwald. Der Schwerpunkt aber liegt auf dem Thema Uhren. Ab den 1660er-Jahren begann der Uhrenbau im Schwarzwald. Vor allem im 18. und 19. Jahrhundert fertigten Bauern vorwiegend im Winter Uhren aus Holz. Was als Nebenerwerb begann, wurde sehr bald zur Haupteinkommensquelle, denn die oft kunstvoll bemalten Schwarzwalduhren erwiesen sich als Verkaufsschlager. Nicht nur Uhrenbauer und Schildermaler hatten ein gutes Einkommen, auch die sogenannten Uhrenträger: Viele Bauernsöhne, die keinen Hof erbten, zogen mit den Holzuhren auf dem Buckel in die Welt, um ihre Waren anzubieten. Das Klostermuseum zeigt, wo überall auf der Welt die Schwarzwälder Uhren Abnehmer fanden.

In der Ausstellung geht es sehr unterhaltsam und lebendig zu, denn es darf mal hier und da ein Knöpfchen gedrückt werden, woraufhin sich etwas in Bewegung setzt oder ein Klingen ertönt. Das weckt auch bei Erwachsenen den Spieltrieb. Und nach anfänglicher Zurückhaltung bimmelt und klappert es überall in den Museumsräumen.

Es lohnt sich gleichwohl, sonn- und feiertags an einer Führung teilzunehmen oder die Aufsichtspersonen anzusprechen. Denn die sind Mitglieder des Fördervereins des Museums und mit Herzblut und viel Wissen bei der Sache. Durch ihre Schilderungen wird die Geschichte der Uhrmacherei im Hochschwarzwald lebendig.

Bis Ende des Jahres sind in der aktuellen Sonderausstellung Holzräderuhren zu sehen, Uhren, bei denen sogar die Mechanik aus Holz ist.

INFO:
www.kloster-museum.de

 

Kloster St. Lioba – Friedliche Stille

„Sie können sich gerne auf dem ganzen Gelände des Klosters aufhalten und bewegen“, sagt Schwester Maris Stella zur Begrüßung. Um sogleich hinzuzufügen, dass die Besucherin jedoch beachten möge, dass es Bereiche gibt, „an denen wir unter uns sein wollen“. Die zugewandte Benediktinerin gehört zum Leitungsteam des Klosters St. Lioba in Freiburg-Günterstal und heißt im neben dem Haupteingang gelegenen Gästehaus St. Benedikt Leute von außen willkommen.

Es gibt indes nicht viele solcher durch freundliche Hinweisschilder gekennzeichneter Bereiche auf dem parkähnlichen Klosterareal, zu dem außer einer toskanisch anmutenden Villa auch mehrere Gäste-, Wohn- und Wirtschaftsgebäude, ein Torhaus und ein Klosterladen gehören.

Die Klosteranlage von St. Lioba mit Heilkräuter- und Bibelgarten

Die Villa Wohlgemuth ist heute das Herzstück der Klosteranlage von St. Lioba, einem stillen Paradies mit Heilkräuter- und Bibelgarten.

Letzterer ist dem Klostergarten angegliedert, dessen Eingang ein Säulenbogen markiert. Friedlich und still ist es in der ganzen, in Terrassen auf einem Hügel am Rand des Sternwalds gelegenen Anlage. Stille und sogar eine gewisse Kühle liegt über dem nach klösterlichen Regeln angelegten Heilkräutergarten und besonders über dem angrenzenden Bibelgarten mit alt- und neutestamentarischen Pflanzen, einem Teich und der Mariengrotte. Nur in der mit wildem Wein begrünten Mauer beim Aufgang zu der auf der obersten Geländeterrasse befindlichen Klosterpforte ist munteres Summen zu vernehmen: Hier suchen und finden unzählige Insekten ihre Nahrung.

Oben angekommen, bietet sich ein schöner Blick zum Lorettoberg und weiter hinunter in die Ebene. Diesen Blick hatten auch die einstigen Bewohner: August Wohlgemuth, der mit einer Tochter des Seidenfabrikanten Carl Mez verheiratet war, ließ das Haus nach Plänen seines von toskanischer Baukunst inspirierten Bruders bauen und lebte mit seiner Familie von 1910 bis 1927 dort. Im selben Jahr erwarben es die nach den Benedikt-Regeln lebenden Lioba-Schwestern, die sich 1920 zu einer Gemeinschaft zusammengefunden und das Kinderkrankenhaus St. Hedwig gegründet hatten. Bis heute ist die Villa Wohlgemuth der Lebensraum dieser auch in Schulen tätigen Benediktinerinnen; 40 Frauen sind es derzeit, sie nahmen zudem16 Dominikanerinnen auf, als deren Kloster Neusatzeck aufgelöst wurde.

INFO:
www.kloster-st-lioba.de

 

Kloster St. Trudpert – Kein Museum, sondern Lebensraum

Am Fuße des Belchens, wo im Münstertal die Ausläufer einiger Nebentäler zusammentreffen, steht das Kloster St. Trudpert. Malerisch fügt sich der stattliche, aus drei Sakralbauten und mehreren Häusern bestehende Gebäudekomplex in die schöne Landschaft ein. An dieser Stelle richtete der iroschottische Mönch Trudpert um das Jahr 600 eine Einsiedelei ein, um die Alemannen zum christlichen Glauben zu bringen. Nach wenigen Jahren wurde er erschlagen; seine Gebeine wurden sichergestellt und in dem erst nach seinem Tod vollendeten Bethaus beigesetzt. Heute steht an dieser Stelle die Trudpertskapelle, die neben dem riesigen Kuppeldach der heutigen Klosterkirche und dem Zwiebelturm der Barockkirche eher unscheinbar wirkt.

Um das Jahr 800 gründeten Benediktinermönche aus St. Gallen das Kloster St. Trudpert; die Abtei bestand bis zur Säkularisierung im Jahr 1806 und war einer wechselvollen Geschichte mit Kriegen, Brandschatzungen, Plünderungen, Zerstörungen und Wiederaufbau unterworfen. Der letzte Wiederaufbau datiert in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. In dieser Zeit wurde außer der bis heute bestehenden Klosteranlage auch die Barockkirche erbaut, die damals als Kloster- und heute als örtliche Pfarrkirche diente.

Das Kloster St. Trudpert im Münstertal

Lebendiges Schmuckstück mit Zwiebelturm- und Kuppelkirche: das Kloster St. Trudpert im Münstertal.

Im Jahr 1919 erwarb der Orden der nach der Benediktinerregel lebenden Schwestern vom Heiligen Josef das Anwesen und ließen sich dort nieder; sie leben und arbeiten bis heute dort. Sie sind in der Krankenpflege tätig, im Religionsunterricht in Münstertal, betreiben zwei Gästehäuser, zelebrieren jeden Sonntag um 9 Uhr ihren Gottesdienst in der zu diesem Zeitpunkt für alle offenen Kuppelkirche. Ansonsten leben die derzeit 58 Schwestern, deren älteste bald 100 Jahre alt wird, ihren Glauben lieber zurückgezogen: Provinzoberin Schwester Teresa weist darauf hin, dass das an die stets zu besichtigende Pfarrkirche angrenzende, aber nicht zugehörige Kloster kein Museum, sondern der private Lebensraum sowohl der Schwestern als auch der 30 Flüchtlinge aus der Ukraine ist, die jetzt dort wohnen. Und dass dies respektiert werden solle. Gäste, sagt sie, sind willkommen. Doch „in Maßen und nach Anmeldung – etwa für eine Gruppenführung“.

INFO:
kloster-st-trudpert.de/kontakt

Fotos: © Dorothea Wenninger, Kloster Museum St. Märgen/Herbert Mark,  Erika Weisser, Ferienregion Münstertal-Staufen