Schlösser in der REGIO: Baden Special for Homepage | 01.07.2022 | Dorothea Wenninger und Erika Weisser

Beleuchtetes Schloss in Karlsruhe Die Barockresidenz Karlsruhe dient während der Schlosslichtspiele als Projektionsfläche für moderne Medienkunst

Alte Schönheiten in der REGIO: Repräsentative Stadtresidenz und einstiger Kraftort am Rhein – zwei Schlösser in Baden locken mit völlig unterschiedlichen Reizen. Die REGIO-Redaktion besuchte Karlsruhe und Schloss Beuggen.

Schloss Karlsruhe – Traumschloss

Schloss Karlsruhe mit vielen Besuchern

Ein Herrscher geht spazieren, döst beim Rasten ein und träumt von einer Stadt mit einem Schloss im Zentrum, von dem strahlenförmig alle Straßen abgehen. Der Legende nach soll dieser Traum Markgraf Karl Wilhelm von Baden-Durlach dazu bewogen haben, seine Residenz namens „Carols Ruh“ mitten in den Hardtwald zu bauen. Damit legte er den Grundstein für die Stadt Karlsruhe und ihre fächerförmige Anlage.

Das Schloss wurde zwischen 1715 und 1718 erbaut. Die Markgrafen, später die Großherzöge von Baden nutzten es ungefähr 200 Jahre lang als Wohn- und Regierungssitz. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts erhielt es seine jetzige Gestalt. Die Umbauten und Erweiterungen gehen auf den berühmten Barockbaumeister Balthasar Neumann zurück. Erst in dieser Zeit erhielt der Turm seine charakteristische Kuppel. Dieses Zentrum des Schlosses bietet heute noch aus 42 Metern Höhe einen wunderbaren Überblick über die Fächerstadt.

Nach dem Ersten Weltkrieg floh Großherzog Friedrich II. vor den revolutionären badischen Truppen. Die Residenz wurde nicht mehr gebraucht und stattdessen Sitz des kulturhistorischen Badischen Landesmuseums. Kunst und historische Lebenswelten von der Ur- und Frühgeschichte über antike Kulturen, das Mittelalter und die Barockzeit bis ins 21. Jahrhundert sind hier versammelt. 

Das Schloss ist heute ein beliebtes Ausflugsziel, nicht nur für einen Museumsbesuch. Im Schlossgarten tummeln sich viele Erholungssuchende. Während auf dem Platz davor das Formale dominiert, lockt hinter dem Schloss der Hardtwald zu ausgedehnten Spaziergängen und Radausflügen.

In der Zeit vom 18. August bis zum 18. September 2022 werden die Karlsruher Schlosslichtspiele allabendlich bei Einbruch der Dunkelheit die Schlossfassade wieder in eine riesige Projektionsfläche verwandeln. Projection mappings aus aller Welt bespielen die historischen Gebäude. Unter anderem veranstaltet vom inzwischen weltberühmten ZKM, dem Karlsruher Zentrum für Kunst und Medien. Um Gedränge auf dem Schlossplatz zu verhindern, werden auch dieses Jahr an verschiedenen Punkten in der Karlsruher Innenstadt gleichzeitig Lichtinstallationen und Illuminationen zu sehen sein. Wer nicht nach Karlsruhe reisen kann, kann die Projektionen auf dem Schloss auch wieder virtuell zu Hause auf dem Rechner genießen. 

Info:
www.schlosslichtspiele.info
www.landesmuseum.de  

 

Schloss Beuggen – Kraftort am Rhein

Schloss Beuggen von oben

Wer von der Stadt Rheinfelden aus immer flussaufwärts fährt oder wandert, gelangt nach etwa drei Kilometern zum malerisch am Rheinbogen gelegenen Schloss Beuggen. Viele Wege führen zu diesem einstigen Kraftort, zu dieser aus mehreren, in einem zum Fluss hin offenen Halbkreis angeordneten Gebäuden bestehenden Anlage. Da ist die Hochrheinbahn, deren Haltepunkt Beuggen nur ein paar Meter vom Schloss entfernt ist. Da ist der Rheintal-Weg, der sich am Ufer entlangschlängelt und mit dem Fahrrad oder zu Fuß zurückgelegt werden kann. Und da gibt es außerdem die B34, die parallel zur knapp 250 Meter breiten Ufertrasse verläuft, auf der das geschichtsreiche Wasserschloss steht. 

Vom waldigen Uferweg an der Schweizer Seite des Rheins aus betrachtet, wirken einige zu dem Ensemble gehörige Häuser so, als seien sie direkt in das Wasser gebaut. Sind sie aber nicht: Das aus zwei Komplexen bestehende einstige Herrenhaus, die Schlosskirche, ein lange als Pfarrhaus genutztes Nebengebäude, das eindrucksvolle Torhaus, der Storchenturm, die ehemalige Mühle und andere Wirtschaftsbauten stehen auf festem Boden. Seit mindestens 750 Jahren: Vom ältesten Bauteil, dem unmittelbar am Rhein gelegenen „Alten Schloss“ ist urkundlich bezeugt, dass es als Wehrturm errichtet und im Jahr 1268 fertiggestellt wurde. Der restliche Gebäudetrakt, das „Neue Schloss“, war etwa 300 Jahre später vollendet. 

In den ersten 550 Jahren seiner wechselvollen Geschichte diente das Schloss mit seinen weitläufigen, heute öffentlich nicht mehr frei zugänglichen Park- und Gartenanlagen dem Deutschritterorden als Sitz am Hochrhein. Und es wurde in dieser Zeit um die meisten Gebäude erweitert, die sich heute noch auf dem Gelände befinden. Nach der Säkularisierung zu Beginn des 19. Jahrhunderts ging es nach etlichen Zwischennutzungen in den Besitz der Deutschen Christentumsgesellschaft über, die dort ab 1820 ein Kinder- und Erziehungsheim sowie ein Seminar für Armenlehrer einrichtete. Von dem 1981 geschlossenen Kinderheim existiert heute lediglich noch die Schule; sie beherbergt die Förderschule „Tüllinger Höhe“. 

Seit 2016 wird die Anlage als privates Hotel und beliebter Hochzeitsort genutzt. Auf dem Gelände finden aber auch Führungen (nach Anmeldung), kulturelle Veranstaltungen, Kunsthandwerksmessen und andere Feste statt. Schloss Beuggen ist aber auch Ausgangs- und Zielpunkt für schöne Wandertouren, etwa dem Rundweg zu „Mythischen Orten am Oberrhein“. 

Info:
www.tourismus-rheinfelden.de
www.schloss-beuggen.de

Fotos: © KME/Jürgen Rösner; Tourismus Rheinfelden