Sonne, Schnee und Weitblick: Winterwanderung bei Freiamt Special for Homepage | 11.01.2022 | Wolfgang Speer

Baum steht in Winterlandschaft

Wenn nachts Schnee gefallen ist und am Morgen die Sonne vom Himmel lacht, heißt es „Raus in die Winterlandschaft“. Auf der Rundtour auf den Höhen von Freiamt wartet Wandervergnügen pur.

Die Vesperbank ist verschneit, die Tannen weiß „gezuckert“: Auf dem Bildsteinparkplatz im hinteren Brettental wirkt das Auto wie ein Fremdkörper. Hier startet die Tour ins Winterwunderland. Die Wanderstiefel sind geschnürt, es geht die Bildsteinstraße aufwärts. Schon hier zeigt sich der Schwarzwald von seiner allerschönsten Seite. Ein Bach zieht unten sein dunkles Band in der weißen Schneelandschaft, einige Schwarzwaldhöfe schmiegen sich ins winterliche Weiß. Der Wegweiser zeigt eine rote Raute mit weißem „K“. Auf dem Kandelhöhenweg geht es zum ersten Ziel, dem Schillingerberg. Die Schneehöhe im Wald ist dezent, sodass ein gutes Fortkommen mit Wanderschuhen möglich ist. Im Weiß am Boden Tannennadeln, wo Sonnenstrahlen auf den Schnee fallen, glitzert es.

Hagebutten mit leichtem Rauhreif

Nach einem knappen Kilometer führt eine Abzweigung nach oben zum Windrad. In der nächsten Lichtung öffnet sich der Blick in Richtung Simonswald. Eindrucksvoll ragt der Kandel über weißen Tannenwipfeln auf. Es ist still, nur das feine Knirschen des Schnees ist Schritt für Schritt zu hören. Weiter geht’s am Windrad vorbei und auf schmalem Weg am Waldsaum abwärts. Hier gibt es eine tolle Sicht auf die Höfe am Schillingerberg. Danach wird der Hang zur Rodelbahn. Warm und bunt eingepackte Kinder erleben hier Winterfreuden, „Bahn frei Kartoffelbrei“, schallt es, und es herrscht ein ausgelassen fröhliches Treiben.

Am Hauptweg rechts leicht bergauf ist bald der Abzweig zum Scheerberg erreicht. Wie wärs mit einem lohnenden Abstecher? Dort oben wartet ein toller Rundblick ins Elztal, nach Freiburg und in die Vogesen. Auf den umliegenden Höhen zeigen sich fünf Windräder, ein Grund, warum Freiamt mit Ökostrom autark ist. Abwärts auf gleichem Weg zurück ist schnell der Hauptweg wieder erreicht. Ein schmaler Pfad mit gelber Raute führt wenig später leicht nach unten, vorbei an einer Weide, deren Pfosten weiße Hauben tragen. Aus der Weite geht es in den Winterwald, der Weg gerahmt von Tannen, die der Schnee in Kunstwerke verwandelt hat. Plötzlich meckert ein Specht, klopft heftig an einem Baum, kurz danach finden sich Spuren im Schnee – Hasen haben den Weg gekreuzt.

Aussichtstelle Scheerberg

Lohnender Abstecher: Auf dem Scheerberg wartet ein toller Rundumblick ins Elztal, nach Freiburg und zu den Vogesen.

Genussvolles Wandern

Nach einer Linkskurve zeigt am breiten Weg eine Wandertafel an, dass der Spiesberg erreicht ist, auf 637 Metern Höhe. Aber Höhenklimmen ist nicht das Ziel, sondern Genusswandern. Und diesem Motto folgend geht es hinein in einen schneeweißen, lichtdurchfluteten Tannenwald. Winterstimmung. Zauberhafte Schatten- und Lichtspiele. Bis ein lichter Buchenwald die heimelige Stimmung auflöst.

Bergab ist das Plätschern eines Bachs zu hören, Fahrgeräusche von der Bildsteinstraße tönen herauf. Gegenüber der Straße zeigt die gelbe Raute bergauf. Nach etwa 300 Metern zweigt die Tour zu den Paulyhöfen ab. Hier am „Winterberg“ gibt es in der kalten Jahreszeit wenig Licht, doch wenn der Weg den Wald verlässt, wärmt die Wintersonne. An den Paulyhöfen rauchen zwei Kamine auf schneebedeckten Dächern. Wer denkt da nicht an Kachelofen und warme Stube? Verlockend, aber es geht weiter. Links der Höfe nach oben, vorbei an einer etwa 250 Jahre alten Eiche. Still steht sie da, starr. Wartet sie auf wärmere Tage?

Bauernhof Schillingerberg

Ein Wegzeiger am Schild „Am Paulyhof 4“ zeigt das nächste Ziel an: Kreuzmoos ist in zwei Kilometern erreicht. Bis dahin gibt es noch einen famosen Rundblick zu den Windrädern am Scheer- und Spiesberg, begleitet von puschelig verschneiten Ginsterbüschen am Wegrand. Vorbei an einer alten Garage und einem Schuppen führt der Weg in freie Schneelandschaft. Rechter Hand zwei Ferienhäuser, links vom Weg liegt das Naturschutzgebiet Kreuzmoos im Winterschlaf. Ein kurzer Aufstieg, dann ist das Wanderheim am Kreuzmoos erreicht. Badische Küche verheißt die „Zaunkarte“, die – nomen est omen – draußen am Jägerzaun hängt. Das hört sich gut an und lädt zur Rast ein.

Gestärkt und erfrischt wäre über den Kandelhöhenweg der Bildsteinparkplatz schnell wieder erreicht. Die Sonne scheint. Lust auf mehr? Ganz leicht lässt sich das Wandervergnügen mit einem Abstecher auf den Aussichtspunkt Rheintal verlängern. Von dort zeigt sich die reizvolle Winterlandschaft nochmals aus anderer Perspektive. Mit knapp drei Kilometern ist der Abstecher zum Hünersedelturm etwas länger. Aber wenn das Wetter mitspielt, ist die Aussicht vom Turm fantastisch: Von der Kanzel schweift der Blick ins hintere Brettental, das Bleich- und Schuttertal mit dem Geisberg. Bei Weitsicht dominieren die hohen Schwarzwaldberge wie Hornisgrinde und Feldberg. Über das Kreuzmoos und den Kandelhöhenweg führt der Weg zurück zum Parkplatz.

Tannenwald im Winter

Info
Länge: 5,8 km
Dauer: 1 ¾ Stunden
Auf- u. Abstieg: 110 Höhenmeter
Start u. Ziel: Wanderparkplatz Bildstein

Fotos: © Wolfgang Speer