83 Bewerbungen für 23 Grundstückspakete – Erste Erfolgsmeldung bei Dietenbach-Vermarktung Bauen & Wohnen | 21.09.2026 | Lars Bargmann

Erster Bauabschnitt im Anflug: Am 8. Dezember sollen die ersten 65 Grundstücke vergeben werden. Erster Bauabschnitt im Anflug: Am 8. Dezember sollen die ersten 65 Grundstücke vergeben werden.

Die Skepsis ist erst einmal wie weggewischt: Für die ersten 23 Vergabepakete mit 65 Grundstücken in Freiburgs geplantem Stadtteil Dietenbach haben sich 38 Wohnungsbauakteure mit insgesamt 83 Bewerbungen gemeldet. Damit hatte selbst Freiburgs Baubürgermeister Martin Haag nicht gerechnet.

Wenn man Schulnoten für die aktuellen Rahmenbedingungen des Wohnungsbaus vergeben müsste, würde wahrscheinlich eine Fünf auf dem Zeugnis stehen.  „Wir haben aktuell kein Genehmigungsproblem, wir haben ein Bauproblem. Und dass in dieser Phase so viele Akteure sich auf Grundstücke beworben haben, hat mich wirklich gefreut und ich war ganz ehrlich auch erleichtert“, sagt Haag im Gespräch mit der Redaktion. Im Vorfeld der ersten Vermarktungsrunde hatten nicht nur Immo­bi­lien­markt-Experten Skepsis an der Attraktivität der Pakete geäußert.

Ungewohnt sei auch, dass die Bewerber etwa zur Hälfte aus dem Freiburger Raum kommen, ein Viertel aus anderen Teilen Baden-Württembergs und ein Viertel aus dem Rest der Republik. „So etwas haben wir in Freiburg noch nicht gesehen“, so Haag.

Eingereicht wurden die Konzepte von privaten Bauherrinnen und Baugemeinschaften, von Genossenschaften, Bauträgern und Projektentwicklern. Mal geht es dabei um kleine Stadthäuser mit nur zwei Wohneinheiten, mal um Geschosswohnungsbauten mit rund 50 Wohneinheiten. Die erste Tranche des ersten Bauabschnitts bietet rund 800 Wohnungen, insgesamt sollen im Westen Freiburgs 6900 Einheiten für rund 16.000 Menschen gebaut werden. Es ist eines der größten Wohnungsbauprojekte in ganz Deutschland.

Das Quartiershaus baut die Stadt selber.

Das Quartiershaus baut die Stadt selber.

„Die eingegangenen Bewerbungen werden wir sichten und auswerten. Wir freuen uns darauf, mit allen Bewerber·innen ins Gespräch für die weitere Ausarbeitung zu gehen“, hatte Mario Pfau, der Leiter der Projektgruppe Dietenbach, bei der Bekanntgabe der Zahlen Mitte Juni gesagt. Und mit allen Bewerbern wurden schon bis Anfang August die ersten Gespräche geführt, erzählt Haag: „Wir müssen da jetzt schon ein bisschen Tempo reinkriegen.“ Es gibt einige Grundstücke, auf die sich mehrere beworben haben, aber auch manche, für die noch keine Bewerbung reinkam.

Unter den Bewerbern ist etwa der Bauverein Breisgau, wie die Vorstände Marc Ullrich und Jörg Straub der Redaktion berichteten. Die Freiburger Stadtbau (FSB) plant allein im ersten Vermarktungsabschnitt rund 130 Wohneinheiten. Zudem sind mehrere Grundstücke für Alteigentümer reserviert. Mit einem Potenzial von rund 300 Wohnungen.

Das Quartiershaus Q1 mit einer sechsgruppigen Kita, einem Bürgersaal, Räumen für Büros und dem Quartierstreff sowie einer Dachterrasse baut das Freiburger Rathaus mit seinem Immobilienmanagement Freiburg (IMF) selber. In einem Realisierungswettbewerb hatte sich das Architekturbüro Spiecker Sautter Lauer zusammen mit Krause Landschaftsarchitekten und noi architektur hörmann weinfurtner (alle aus Freiburg) durchgesetzt.

Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) war in der ersten Runde noch nicht aktiv. Aber die BImA hat in Freiburg aktuell mehrere Mehrfamilienhäuser im Bau oder in der Planung. Im Stühlinger, in Haslach, an der Otto-Wels-Straße an der Dreisam. Im ersten Vermarktungsabschnitt gibt es auch ein Grundstück, auf dem ein kleiner Supermarkt mit rund 500 Quadratmetern gebaut werden soll. Auch dafür gab es Bewerber.

Nach der Sommerpause werden sich Stadtspitze und die gemeinderätliche Auswahlkommission zusammensetzen, um die Vergaben vorzubereiten. Damit nicht am 8. Dezember, an dem Tag soll der Gemeinderat über die Vergabe entscheiden, über 65 Grundstücke debattiert wird. Das Bauland im neuen Stadtteil wird zu Festpreisen an die – aus Sicht der Verwaltung – besten Konzepte verkauft. „Wir wollen bezahlbaren Wohnraum schaffen und zugleich Vorbild sein für eine soziale und kulturelle Vielfalt sowie den Klima- und Umweltschutz“, betont Haag.

In derselben Sitzung am 8. Dezember soll auch schon die zweite Tranche des ersten Bauabschnitts auf den Markt kommen. „Sozusagen durchaus beflügelt vom Erfolg der ersten Tranche.“ Im zweiten Vermarktungsbereich liegt auch die Meistermeile, eine „Urban Factory“ mit gestapeltem und daher besonders platzsparendem Gewerbe an der Endhaltestelle der Straßenbahn. Hört sich gut an, es braucht aber dafür auch einen guten Bauherrn.

Wann es mehrere Jahre nach dem ursprünglichen Plan nun den ersten Spatenstich auf Freiburgs jüngstem Stadtteil geben wird? Haag wägt lange ab. Und sagt dann: Anfang 28.

Visualisierungen: © LINK3D; Architekturbüro Spiecker Sautter Lauer noi architektur