»Wird Maßstäbe setzen« – Rohbau des zweiten Rathauses im Stühlinger fertiggestellt Bauen | 22.08.2025 | Philip Thomas

Rede zum Richtfest: OB Martin Horn lobte das Tempo au der Baustelle. Rede zum Richtfest: OB Martin Horn lobte das Tempo au der Baustelle.

Die Stadtspitze hat das Richtfest fürs zweite neue Rathaus im Stühlinger gefeiert. Das mit 111 Millionen Euro veranschlagte Gebäude soll knapp 800 Personen moderne Arbeitsplätze bieten und Freiburgs Verwaltung bündeln. Das Oval soll außerdem 30 Prozent weniger Wärme- und Kälteenergie verbrauchen als das Schwesterhaus. Die Eröffnung ist für das Jahr 2027 geplant.

„Man kann beim Wachsen zusehen“, sagte Freiburgs Oberbürgermeister Martin Horn vor knapp 200 geladenen Gästen. Hinter Horn ragt der fertige Rohbau von Freiburgs neuem Familienrathaus empor. Das Rathaus im Stühlinger B (RiS B) soll 111 Millionen Euro kosten, eine Gesamtraumfläche von 19.622 Quadratmetern haben.

„Wir bauen hier nicht aus Selbstzweck“, so Horn. Das Verwaltungsgebäude soll Beratung und Service für Familien, Jugendliche und Kinder unter einem Dach vereinen. „Wir schaffen hier eine Verwaltungskonzentration“, kommentiert der 40-Jährige. Beschlossen wurde das Gebäude im Jahr 2021 mit Kosten in Höhe von 87 Millionen Euro.

Im Erdgeschoss sieht das Konzept ein Besucherzentrum sowie 30 Beratungs- und Besprechungsräume vor. Die darüberliegenden Bürolandschaften mit Räumen für Videokonferenzen, Telefonboxen und Besprechungsräumen sind offen gestaltet und sollen zeitgerechtes Arbeiten ermöglichen. Markus Bechthold, Vorsitzender des Gesamtpersonalrats im Rathaus, mahnt daher: „Bei aller Begeisterung für modernes Arbeiten: Beim Flurfunk kommt oft mehr herum als bei so manchem Videocall.“ Im Untergeschoss ist eine Fahrradgarage mit Platz für 600 Drahtesel geplant.

Kein 0815: 610 Rundstützen tragen das neue Oval im Stühlinger. Der fertige Bau soll 800 Arbeitsplätze beherbergen.

Kein 0815: 610 Rundstützen tragen das neue Oval im Stühlinger. Der fertige Bau soll 800 Arbeitsplätze beherbergen.

Die Kubatur entspricht der des Nachbargebäudes mit dem Zentrum für Bürgerservice. Es wurde 2018 als weltweit erstes öffentliches Nullenergie-Gebäude nach drei Jahren Bauzeit eröffnet. Das RiS B soll noch einmal ein Schritt nach vorne sein: Rechnerisch ist der Energiebedarf für Wärme- und Kälteversorgung 30 Prozent geringer. „Als Energiehaus wird das Gebäude Maßstäbe setzen“, sagt Freiburgs Baubürgermeister Martin Haag.

Davon geht auch der Architekt Christoph Ingenhoven aus: „Das wird kein x-beliebiger Verwaltungsbau.“ Der 65-Jährige, der auch die Pläne für Stuttgart 21 entworfen hat, lobt die Zusammenarbeit mit der Freiburger Stadtspitze. „Es ist nicht selbstverständlich, dass man sich mit so viel Respekt begegnet.“ Er betont, dass die größten baulichen Herausforderungen auf der Baustelle noch bevorstehen. Für die Zeit nach der Fertigstellung gibt er den Hausherren noch einen Tipp: „Bereiten Sie sich darauf vor, dass die Kita auf dem Gelände zum Zentrum wird.“

Für den Bau kalkuliert der Generalunternehmer, die Schleith GmbH Baugesellschaft aus Rheinfelden, mit 1700 Tonnen Stahl, 12.000 Kubikmetern Beton, 12.000 Quadratmetern Wandschalung und 2000 Quadratmetern Mauerwerk. Insgesamt 610 Rundstützen sollen das Oval tragen. Parallel zum Abschluss des Rohbaus haben die Arbeiten am Dach, an der Fassade und am Innenausbau begonnen. Die Fertigstellung ist für Ende 2026 geplant. Bezogen werden sollen die Büros im Jahr 2027. Die Grundsteinlegung war im Juli des vergangenen Jahres.

Fotos: © Phillip Thomas