Glaser spricht von »Mieten-Mafia« – MdB finanziert Beratung im Mieterring Bauen & Wohnen | 13.09.2026 | Holger Schindler
Will auch politisch Kapital aus der Kooperation schlagen: Vinzenz Glaser
Für einkommensschwache Mieter aus Freiburg übernimmt der Linken-Bundestagsabgeordnete Vinzenz Glaser nach eigenen Angaben die Mitgliedsbeiträge im Badischen Mieterring. Der Freiburger sieht Fälle von systematischer „Miet-Abzocke“ auf dem regionalen Wohnungsmarkt. Der Mieterring zeichnet ein differenzierteres Bild.
Wer wenig verdient und Ärger mit seinem Vermieter hat, kann sich künftig auf Kosten von Glaser Unterstützung beim Badischen Mieterring holen. Der Linken-Politiker übernimmt für Betroffene, die in dessen Sprechstunde kommen, den Mitgliedsbeitrag für die ersten eineinhalb Jahre. Dieser beträgt sechs Euro monatlich. Ziel der Kooperation ist es, Mietern zu helfen, ihre bestehenden Rechte etwa bei Nebenkostenabrechnungen oder Mieterhöhungen durchzusetzen.
Glaser sieht Handlungsbedarf. Bei Haustürgesprächen und in seiner Sprechstunde höre er häufig von hohen Nebenkostenabrechnungen und Mieterhöhungen. Bei genauer Prüfung seien diese teilweise nicht rechtskonform. Besonders hart geht der Abgeordnete mit großen Immobilienunternehmen ins Gericht – und scheut nicht vor harten Worten zurück. „Die Abzocke hat System. Die Mieten-Mafia nutzt die Mietenkrise in Freiburg aus, um auf Kosten der Mieter Kasse zu machen“, sagt Glaser.
Als typische Beispiele nennt er überhöhte Mieten, falsche Nebenkostenabrechnungen sowie Mieterhöhungen, die über das rechtlich Zulässige hinausgingen. Er verweist dabei unter anderem auf Paragraf 558 des Bürgerlichen Gesetzbuchs, der Mieterhöhungen bis zur ortsüblichen Vergleichsmiete regelt, sowie auf die gesetzlichen Regelungen gegen Mietpreisüberhöhungen und Mietwucher. Die Freiburger Stadtbau GmbH und die Freiburger Genossenschaften will Glaser allerdings nicht pauschal in seine Kritik einbeziehen. Kommunale Wohnungsgesellschaften hätten ausdrücklich den Auftrag, bezahlbaren Wohnraum bereitzustellen; Genossenschaften seien nicht im klassischen Sinne profitorientiert.
Auffallend ist, dass der Kooperationspartner die Lage deutlich weniger dramatisch beschreibt. Nach Angaben des Vorsitzenden Volker Hug berät der Badische Mieterring seine Mitglieder ausschließlich außergerichtlich und komme auf rund 1000 persönliche Anfragen pro Jahr. Zwar gebe es auch in Freiburg schwarze Schafe unter den Vermietern. Das seien aber nur „einige wenige“. Rund 95 Prozent der Vermieter hielten sich nach seiner Einschätzung an den Mietspiegel.
Auch beim Immobilienkonzern Vonovia unterscheiden sich die Bewertungen. Glaser verweist auf Mieter in Haslach, die sich im vergangenen Winter wegen hoher Nebenkosten, ausgefallener Heizungen und Schimmel zusammengeschlossen hätten. Der öffentliche Druck habe dazu geführt, dass Vonovia erste Schritte eingeleitet habe. Hug dagegen bewertet die Erfahrungen mit dem Unternehmen in Freiburg nicht schlechter als mit anderen Großvermietern.
Es gebe seit Jahren einen engen Kontakt und regelmäßigen Austausch unter anderem mit Vonovia, der städtischen Stabsstelle Bezahlbares Wohnen und den Mieterorganisationen. Die Zusammenarbeit mit dem Konzern sei aus Sicht des Mieterrings sehr unmittelbar und verlässlich.
Es zeigt sich: Glaser will auch politisch Kapital aus der Kooperation schlagen und stellt Mitbewerber als Teil des Problems dar: „CDU und SPD schützen Immobilienkonzerne statt uns Mieterinnen und Mieter.“ Der Badische Mieterring setzt dagegen vor allem auf konkrete Beratung und außergerichtliche Lösungen.
Parallel versucht die Linkspartei, das Thema auf politischem Weg in den Freiburger Gemeinderat zu tragen. Über einen Einwohnerantrag nach Paragraf 20 der Gemeindeordnung Baden-Württemberg sollen 2500 Unterschriften gesammelt werden. Darauf basierend soll sich der Gemeinderat dann mit Sofortmaßnahmen gegen hohe Mieten und für mehr bezahlbaren Wohnraum befassen. Die Unterschriften sollen am 17. Oktober im Rahmen einer Mieterdemonstration übergeben werden.
Foto: © Jan Schlottau









