S-Immo trotzt dem Trend: Energieausweise gewinnen an Gewicht Makler | 19.02.2024 | Lars Bargmann
Waldkirch: Beim Projekt Sonnhalde Waldkirch wächst aktuell der Rohbau des ersten Bauabschnitts in die Höhe.
Die Immobiliengesellschaft der Sparkasse Freiburg (S-Immo) hat im – für die Wohnungswirtschaft äußerst schwierigen – vergangenen Jahr nicht etwa weniger, sondern mehr Geschäft gehabt: Der Wert der durch die S-Immo vermittelten Immobilien kletterte um 4,7 auf 55,2 Millionen Euro, die eigenen Provisionserlöse legten um 5,8 Prozent zu.
Im Jahr 2022 hatte das Team um Geschäftsführer Oliver Kamenisch 113 Immobilien an den Mann oder die Frau gebracht, im vergangenen Jahr waren es 125. Fast ausschließlich gebrauchte. „Wir können sehr zufrieden sein“, kommentiert Kamenisch. Noch besser könnte es laufen, wenn auch der Neubau Schritt halten würde, aber Bauträger, die Mehrfamilienhäuser fertigstellen, sind in diesen Zeiten rar. Ein großes Neubauprojekt haben die Freiburger immerhin in Waldkirch im Angebot.
Hauptsächlich Bestandsimmobilien finanziert auch Dorothea Müller, die Leiterin der Immobilienabteilung der Sparkasse, die im vergangenen Jahr rund 700 Finanzierungen mit einem Volumen von 150 Millionen Euro abgeschlossen hat. Wobei der energetische Zustand der Bestandsimmobilien immer mehr an Gewicht gewinnt. Und beim einen oder anderen Objekt sogar die Zinswende in eine Nebenrolle drängt.
Deswegen haben es ältere Gebäude mit schlechter Energiebilanz mittlerweile deutlich schwerer, Kaufinteressenten anzulocken. Und wenn, dann „werden anstehende Sanierungen auch deutlich im Preis berücksichtigt“, weiß Kamenisch. Die Nachfrage entwickle sich zunehmend in Richtung jüngerer Immobilien.

Oliver Kamenisch
Eigentümer, die ihre Wohnungen oder Häuser energetisch modernisieren wollen – um den Wert zu steigern oder schlicht etwas für den Klimaschutz zu tun –, können aufgrund des Wirrwarrs um staatliche Förderungen aktuell nur schwer seriöse Entscheidungen treffen. „Die große Unsicherheit bezüglich der Förderung von Energiemaßnahmen oder auch des Einbaus von Wärmepumpen hat bei uns zu deutlich weniger Finanzierungen in diesem Bereich geführt“, sagt Müller, die für die private Baufinanzierung nichtselbstständiger Kunden verantwortlich ist.
Bei ihrem Team häufen sich zum Jahresanfang aber jetzt wieder die Finanzierungsanfragen. Die zehnjährigen Zinsfestschreibungen sind leicht gesunken, aktuell steht bei den Zinsen keine vier mehr vor dem Komma. Auf der anderen Seite steigen die Mieten und dann wird es für viele offenbar doch wieder interessant, einen Kauf durchzuspielen.

Dorothea Müller
Im Vergleich zum Jahresende 2022, als der gebrauchte Quadratmeter im Schnitt 4470 Euro kostete, lag er Ende vergangenen Jahres mit 4530 Euro leicht drüber. Kamenisch zeichnet im Gespräch mit der Redaktion aber auch längere Entwicklungen nach: Die großen Preissprünge gab es zwischen 2015/2016 und 2022. Seither geht es bei älteren Wohnungen und Häusern (Baujahr vor 2000) bergab, bei jüngeren aber seitwärts oder gar leicht bergauf.
Der Neubau indes steigt im Preis weiter leicht an. Alles andere wäre auch überraschend, weil hier die Zinsen für die Bauträger, die Grundstückspreise und auch die Baukosten immer noch sehr hoch sind.
Beim Verhältnis von Eigennutzern zu Kapitalanlegern spielt die Zinswende allerdings weiter die Hauptrolle. Unter 100 Wohnungen sind vielleicht noch fünf, die der neue Eigentümer vermietet. Und weil die Anleger sich anderen Märkten zuwenden, sorgen diese auch seltener für neue Mietwohnungen. „Dadurch werden die Mietpreise wohl weiterhin steigen“, so Kamenisch. Nicht nur in Freiburg.
Visualisierung: © Artefactorylab, Fotos: © S-IMMO, privat









