Strabag kauft Südwest-Auto-Areal – Businessmile 2 auf zwei Fußballfeldern Bauen & Wohnen | 14.02.2020 | Lars Bargmann

Nach der Insolvenz des Traditionsbetriebs Südwest-Auto in Freiburg übernimmt jetzt die Freiburger Niederlassung der Strabag Real Estate GmbH (SRE) die Zukunftsgestaltung auf dem Grundstück am Eingang ins Gewerbegebiet Haid. „Wir freuen uns auf die Aufgabe“, bestätigt Martin Lauble, der in Freiburg die Geschäfte der SRE führt.

Das markante Eckgrundstück an der Besançonallee und Munzinger Straße ist rund 14.000 Quadratmeter und damit etwa zwei Fußballfelder groß. Der Arbeitstitel für die Entwicklung lautet: Businessmile 2. „Wir wollen das erfolgreiche Konzept von der Bahnhofsachse nun ins Gewerbegebiet Haid mitnehmen, das sich nicht zuletzt durch die Haufe-Group immer mehr zu einer guten Dienstleistungsadresse entwickelt“, sagt Lauble.

Spieglein Spieglein: Hinter den Fassaden öffnen sich attraktive Plätze.

Der Bereichsleiter geht bei der anstehenden Entwicklung von einer Geschossflächenzahl von mindestens 2,4 aus (die GFZ gibt das Maß der Bebaubarkeit von Grundstücken an) und könnte demnach mindestens rund 33.000 -Quadratmeter planen. An der Businessmile 1 sind es – mit dem vorab gebauten Embex-Gebäude – rund 54.000 Bruttogeschossfläche. Auch der dort kreierte Nutzungsmix mit Büroflächen, kleinerer Gastronomie, womöglich einem Hotel und einer Kita soll auf die Haid mitgenommen werden. Die SRE plant für die Bebauung, noch in diesem Jahr einen städtebaulichen Wettbewerb auf den Weg zu bringen. „Wir sind deswegen gerade in Abstimmung mit dem Baudezernat“, sagt Lauble.

Zum Kaufpreis des Grundstücks macht er indes keine Angaben. Der aktuelle Bodenrichtwert liegt bei 190 Euro pro Quadratmeter, demnach hätte die SRE 2,67 Millionen Euro überwiesen. Meist werden Grundstücke aber deutlich über den Richtwerten verkauft.

 
Finale an der Bahnhofsachse  

An der Businessmile schlägt die Strabag derzeit das letzte Kapitel auf: Was 2011 mit dem Kauf des alten Post-Areals begann, wird Anfang 2023 nach Investitionen in Höhe von rund 200 Millionen Euro – die überwiegend vom regionalen Handwerk verbaut wurden – beendet sein. Denn dann werden auch die beiden Schlusspunkte, zwei je 7500 Quadratmeter große Gebäude hin zum Hölderle Carrée, gesetzt sein.

Im Baufeld 5C an der Bahnlinie hat das Freiburger Büro Harter + Kanzler & Partner ein längliches Gebäude geplant, in das neben Büronutzern auch eine rund 400 Quadratmeter große Kindertagesstätte einziehen soll. Lauble führt sowohl mit Firmen als auch mit privaten Kita-Betreibern bereits Gespräche und hat Vorverträge unterzeichnet. Weiter möchte er sich noch nicht in die Karten schauen lassen.

Der Gestaltungsbeirat der Stadt Freiburg bewerte den Entwurf insgesamt positiv. „Die Ausbildung der Fassaden wird begrüßt, insbesondere die Feinheit und die gleichwertige Ausbildung zu allen Seiten“, heißt es im Protokoll.

Visualisierung Freiburg Milestone 2

Einmal hoch: Der Hochpunkt ist im Rohbau fertig und hört auf den Namen Milestone 2.

Vorne an der Heinrich-von-Stephan-Straße wird nach einem Entwurf von Böwer Eith Murken + Vogelsang aus Freiburg ein Haus erstellt, das wie ein Spiegel zum benachbarten Jobrad-Gebäude wirkt. Beide Gebäude haben die offene Seite eines C zueinander, sodass sich im Zwischenraum eine zu bespielende Fläche ergibt. Auch hier hatte der Gestaltungsbeirat manche Optimierungsidee, nicht zuletzt über die Gestaltung des dritten Platzes auf dem Areal. „Wir werden noch Verbesserungen erzielen, die Einbeziehung des Beirats war positiv“, sagt Lauble.

Dass 54.000 Quadratmeter neue Nutzer finden, daran habe er nicht gezweifelt. „Diese Sorge hatten wir nie. Freiburg ist ein Standort, an dem hochwertige Büroflächen gebraucht werden.“ Als „stets konstruktiv und verlässlich“ bezeichnet er die Zusammenarbeit mit dem Rathaus. Die SRE sei „glücklich und auch ein bisschen stolz“, dass der ursprüngliche Masterplan für die Bebauung des Areals – sowohl der Hochbau als auch Freiflächen und gemeinsame Tiefgaragen – ohne eine einzige Bebauungsplanänderung umgesetzt wurde. Alle Häuser haben eine DGNB-Zertifizierung in Gold. Die SRE versucht jetzt, auch die seltene Quartierszertifizierung in Gold zu bekommen. Mit demselben Anspruch werde sie auch auf dem Südwest-Auto-Areal entwickeln. Dort, wo statt Automobilen bald Immobilien gehandelt werden.

Foto: © bar; Visualisierungen: © böwer eith murken vogelsang architekten