Freiburger Konus- Karte vor dem Aus? – Rathaus sucht nach konkreten touristischen Mehrwerten business im Breisgau | 24.07.2026 | Lars Bargmann
Das Freiburger Rathaus hat im vergangenen Jahr rund 6,3 Millionen Euro an Übernachtungssteuern eingenommen. Der Tourismus boomt: Im Jahr 2025 zählten die Statistiker 2,13 Millionen Übernachtungen. 16,9 Prozent mehr als im Vor-Corona-Jahr 2019. 2024 hatte es mit 2,173 Millionen gar einen neuen Rekord gegeben. Mehrere Hoteliers und auch die damalige FWTM-Geschäftsführerin Hanna Böhme hatten dennoch damals schon gefordert, dass es für Freiburg-Gäste ein kostenloses ÖPNV-Angebot geben müsse. Grund: die überschaubare Bettenauslastung.
Im Bereich der Schwarzwald Tourismus GmbH (STG) bieten mittlerweile mehr als 9000 Gastgeber die sogenannte Konus-Karte an, mit der die Gäste während ihres Aufenthalts über 600 Bus- und Bahnlinien kostenlos nutzen können. Von Pforzheim bis Basel, von Karlsruhe bis Waldshut, kreuz und quer durch den Schwarzwald und durch neun Verkehrsverbünde.
In Freiburg müssen die Touristen das zusätzlich bezahlen. „Wir brauchen endlich eine positive Entwicklung, um für die Gäste in Freiburg einen spürbaren Mehrwert zu bekommen“, hatte Wiltrud Rösler an die Politik appelliert, damals Hotelmanagerin des Adagio Access in Freiburg. „Wir verlieren Gäste ans Umland, weil wir dieses Angebot nicht haben.“
Das Freiburger Stadtmagazin chilli hatte vor der jüngsten Kommunalwahl alle 17 Listen gefragt, ob sie dafür sind, dass aus den Einnahmen der millionenschweren Bettensteuer eine Konus-Karte finanziert wird. 10 von 17 Listen hatten den Daumen nach oben gereckt, nur drei abgewunken.
Die Freiburg Wirtschaft Touristik und Messe GmbH (FWTM) hatte angekündigt, die Kosten durch eine Studie berechnen zu lassen. Im Rathaus haben sich die Bürgermeister am 2. Juli, kurz nach der Anfrage der Redaktion, hinter verschlossenen Türen über das Thema unterhalten.
Was kostet’s und was bringt’s, ist die Frage: Die Kosten jedenfalls steigen offenbar. War anfangs von zwei Millionen Euro die Rede, heißt es nun aus dem Rathaus, eine von der FWTM in Auftrag gegebene Studie sei auf 4,5 Millionen Euro gekommen. Zur Arithmetik gibt es keine Angaben. „Die weiteren inhaltlichen und organisatorischen Abstimmungen laufen derzeit“, so Stadtsprecherin Martina Schickle. Da die Bettensteuer eine Steuer ist, könne sie aber nicht zweckgebunden für bestimmte Dinge genutzt werden.
Es gebe, so Schickle, zudem einen deutlichen Stadt-Land-Unterschied: Während im ländlichen Raum Busse und Bahnen außerhalb der Kernzeiten wenig ausgelastet seien, treffe das für Freiburg nicht zu. Schon jetzt, so heißt es in einer Studie eines externen Gutachters, würden rund 70 Prozent der Touristen den ÖPNV nutzen. „Eine sehr positive Nachricht“, so Schickle.
Die FWMT diskutiere derzeit mit relevanten Partnern, wie für die Gäste ein eigenes städtisches Mobilitätsangebot mit „konkreten touristischen Mehrwerten“ entwickelt werden könne: „Dabei schauen wir uns auch Best-Practice-Beispiele aus anderen Städten an.“
Es spricht aktuell wenig dafür, dass es für Freiburg-Gäste ein konuskarten-ähnliches Angebot geben wird. Hoteliers, deren Häuser nah an der Freiburger Gemarkung liegen, etwa das Libertas Elements Pure am Ortseingang von Merzhausen, dürfte das ein Gläschen an der Bar wert sein.
Foto: © Schwarzwald Tourismus









