Hohe Strahlkraft – WeTell gewinnt Deutschen Nachhaltigkeitspreis business im Breisgau | 24.11.2025 | Philip Thomas

WeTell-Team: Alle Gehälter offengelegt WeTell-Team: Alle Gehälter offengelegt

Für die Entwicklung von grünen Handyverträgen wird der Mobilfunkanbieter WeTell mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis ausgezeichnet. Nun möchten die Freiburger sich breiter aufstellen und einen digitalen Workspace auf den Markt bringen. Auch Engagements in anderen Branchen schließt ein Mitgründer für die Zukunft nicht aus.

Bis auf seinen privaten Handyvertrag hatte Nico Tucher mit Mobilfunk lange nichts am Hut. „Wir wollten da nicht unbedingt rein, es kann ein hässliches Geschäft sein“, sagt der 39-Jährige heute vor seinem Container-Büro im Kreativpark in der Freiburger Lokhalle. Schließlich habe er in dem Markt aber eine Lücke entdeckt – und den Mobilfunkanbieter WEtell mitgegründet.

„Das war ein Versuch, wir wussten nicht, ob es funktioniert“, erinnert sich Tucher an die Zeit als Start-up. 2019 waren sie noch zu dritt, heute arbeiten 27 Köpfe in dem Jungunternehmen. Das Ziel: Mobilfunk nachhaltiger machen, durch CO₂-Kompensation durch Pflanzenkohle und Investitionen in Photovoltaik und Windkraft. „Likes und Telefonminuten produzieren CO₂ – zusammen so viel wie der innerdeutsche Flugverkehr“, erklärt Tucher.

Mittlerweile zählt WEtell knapp 30.000 Kunden. Tucher nennt sie „Community“. Monatlich kommen 400 bis 1000 Personen neu hinzu, darunter auch im Geschäftsbereich. „Wir wachsen stetig“, so Tucher. Seit kurzem schreibt WEtell auch schwarze Zahlen.

Tucher will „mit einem Werteanspruch rausgehen, nicht mit erhobenem Zeigefinger“. Trotzdem werde WEtell an seinem Nachhaltigkeitsversprechen gemessen. Als das Unternehmen Anzeigen bei Google und Co. schaltete, regte sich prompt Kritik der Kundschaft. „Es kostet ein bisschen mehr, da müssen wir überzeugen, dass das Geld bei uns gut angelegt ist“, erklärt Tucher.

Die am meisten geklickte Anfrage auf der WEtell-Website sei deshalb: „Warum nicht einen Discountervertrag abschließen und das gesparte Geld spenden?“ Für Tucher eine Frage des Weltbilds: „Ich glaube nicht, dass diese Unterteilung in gute NGOs und schlechte Wirtschaft wirkungsvoll ist. Ich glaube an die positive Kraft der Wirtschaft.“ Zuletzt sei Nachhaltigkeit darin kein starkes Verkaufsargument mehr: „Seit Corona und Inflation sitzt der Geldbeutel nicht mehr so locker.“

Zuletzt hat der Mobilfunkanbieter viel Strahlkraft: Nachdem WEtell im August seine Gehälter offenlegte, um damit für Transparenz am Arbeitsplatz zu sorgen, besuchte der SPIEGEL die Freiburger Lokhalle. Es folgte ein Auftritt bei SternTV sowie ein Bericht auf Tagesschau.de. „Das sind Meilensteine, die gerade passieren“, sagt Tucher.

Anfang Oktober wurden die Freiburger mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis 2026 in der Branche Telekommunikation ausgezeichnet. „Wir freuen uns über diese Anerkennung. Gerne hätten wir den Preis auch früher gewonnen“, sagt Tucher. Im vergangenen Jahr ging die Auszeichnung an die Telekom. „Pro Kunde sind wir meiner Ansicht nach weitaus wirksamer als die großen Netzbetreiber“, kommentiert der Gründer.

Und WEtell will sein Portfolio vergrößern: Mitte Oktober startete das Unternehmen eine Crowdfunding-Kampagne für einen digitalen Workspace: „WEtell Hub“ vereint Mail, Kalender und Cloud in einem Angebot. Ziel sind 100.000 Euro. Unterstützer erhalten Gutscheine für die spätere Nutzung. „Wir verstehen uns als Kommunikationsanbieter und stellen uns breiter auf“, so Tucher.

Die Konkurrenz in diesem Segment könnte nicht kleiner sein: Microsoft oder Google haben längst ähnliche Pakete am Markt etabliert. WEtell möchte darin mit „Schwerpunkten auf Klima- und Datenschutz“ eine Nische erobern. Auch dieses Projekt sei – wie 2019 – ein Versuch.

Trotz der Erfolge, mit Mobilfunk ist Tucher nicht verheiratet: „Ich könnte mir vorstellen, in fünf Jahren mit WEtell zusätzlich auch etwas ganz anderes zu machen. Im Baubereich oder in der Unternehmensberatung. Jedenfalls im Bereich Nachhaltigkeit.“ 

Foto: © WEtell