KI: Investmentchance oder reines Risiko? – Claus Walter über die Börseneuphorie rund um ChatGPT & Co. business im Breisgau | 01.08.2026 | Claus Walter
Claus Walter, Gründer und
geschäftsführender Gesellschafter
der Freiburger Vermögens-
management GmbH
Künstliche Intelligenz (KI) ist ohne Frage eines der spannendsten Themen unserer Zeit. Aber ist es auch eine gute Idee, in diesen Trend zu investieren? Tatsächlich wirft es schon Fragen auf, wenn allein die vier großen US-Unternehmen Amazon, Microsoft, Meta und Googles Mutterkonzern Alphabet laut Meldungen im Februar zusammen die gigantische Summe von 650 Milliarden US-Dollar 2026 in diesen Bereich investieren wollen. Kann dieses Geld jemals wieder verdient werden?
Die Börsen schwanken gerade zwischen KI-Euphorie und Angst vor der Bildung einer Blase, die jederzeit platzen könnte. Finanzprofessor Andreas Hackethal von der Goethe-Universität in Frankfurt schätzt, dass weltweit rund ein Viertel des Börsenwerts mehr oder weniger direkt von diesem Trend abhängt – in den USA soll es sogar etwa die Hälfte sein. Also alles nur ein Megahype und Finger weg? So einfach ist die Antwort für langfristig orientierte Anleger nicht, denn die Entwicklung ganz zu verschlafen, ist ziemlich sicher auch keine gute Option.
Das Potenzial von KI-Lösungen wird gerade erst in vielen Branchen sichtbar: Egal ob im Großen zum Beispiel in Medizin, Verwaltung oder Forschung oder im Kleinen, etwa in der immer stärker automatisierten Buchhaltung eines Handwerksbetriebs oder wenn der Nachwuchs in wenigen Minuten die Präsentation für das nächste Referat erstellt. Angesichts der enormen Möglichkeiten ist eine Zukunft ohne KI nicht mehr vorstellbar. Das heißt aber auch nicht, dass sich jede Erwartung erfüllt und alle Investitionen lohnen werden. Anleger sind also wahrscheinlich sehr gut beraten, hier nicht nur auf den Erfolg eines Unternehmens oder eines Geschäftsmodells zu setzen.
Um vom großen Trendthema zu profitieren, kann in viele Bereiche investiert werden. Das können relativ direkt Varianten wie die genannten großen Anbieter von Rechenpower sein, die derzeit enorme Summen investieren, um ganz vorne im KI-Rennen zu landen. Aber daneben profitieren auch Unternehmen, die Infrastruktur für Rechenzentren bauen, die nötige Hardware herstellen oder für eine unterbrechungsfreie Stromversorgung sorgen.
Die würden natürlich auch leiden, wenn die hohen KI-Erwartungen enttäuscht werden. Aber sie bieten oft noch andere, weniger empfindliche Geschäftsfelder. Ziel ist es, durch eine Aufsplittung von Investments auf viele, möglichst unabhängige Werte, Klumpenrisiken zu vermeiden und trotzdem die Chancen rund um den KI-Trend zu nutzen.
Auch ETF-Anleger sollten sich Gedanken machen. Denn wer genau hinsieht merkt schnell, in so manchem beliebten Indexfonds stecken jede Menge US-Markt und KI-Werte. Der US-Anteil am MSCI World liegt bei über 70 Prozent und unter den zehn größten Werten finden sich bekannte Namen wie zum Beispiel Chipgigant Nvidia und die schon genannten KI-Vorreiter Microsoft, Amazon, Alphabet und Meta.
Auch bei so manchen Emerging Markets Fonds finden sich größere Positionen von Taiwan Semiconductor Manufacturing Co. (TSMC), dem weltweit führenden Halbleiterhersteller, der massiv von der Nachfrage nach KI-Rechenpower profitiert. Auch die chinesischen Techgiganten Tencent und Alibaba investieren kräftig in KI-Themen und gehören bei einigen Schwellenländer-Produkten zu den Top-Positionen.
Das spricht alles nicht gegen ein Investment, Anleger sollten sich nur bewusst sein, dass sie hiermit oft auch ein Stück weit auf den Erfolg der künstlichen Intelligenz setzen. Es gibt durchaus gute Argumente dafür, dass es in der Zukunft enorme Vorteile haben kann, wenn man sich an Unternehmen beteiligt, die eine gute Startposition am KI-Rennen haben. Die Analysten von MarketsandMarkets schätzen die Erlöse rund um Künstliche Intelligenz 2026 auf 601,93 Milliarden Dollar. Bis zum Jahr 2033 soll das Marktvolumen auf 3,63 Billionen Dollar um 29,3 Prozent pro Jahr anwachsen.
Trotz der derzeit an einigen Stellen ambitioniert erscheinenden Bewertungen können sich vor so einem positiven Hintergrund die Gewinnhoffnungen durchaus erfüllen und die enormen Investitionen unter dem Strich doch lohnen. Letztlich wird die Digitalisierung mit einer intelligenten Verknüpfung und Nutzung der anwachsenden Daten kein kurzfristiger Hype sein, sondern zu einem strukturellen Wandel führen. Stehen zu bleiben und nur auf Althergebrachtes zu vertrauen, ist wohl eher keine aussichtsreiche Strategie. Es gilt in dieser spannenden Phase Risiken und Chance im Blick zu haben und vernünftig auszubalancieren, um mit der Zeit zu gehen, ohne zu stolpern.
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