Kreative Oase – „Feingefühl und Kompromissbereitschaft“ business im Breisgau | 16.05.2025 | David Pister

Hinterhof Layback Hinterhof-Paradies: Layback Workspace

Mitten im Gewerbegebiet von St. Georgen wird getöpfert, fotografiert, gesägt und genäht. 30 Menschen haben sich dort im Layback Workspace zusammengefunden und sind gemeinsam kreativ. Wie funktioniert das überhaupt – so viele Menschen und Unternehmen unter einem Dach?

Noch ist der Hof der Schopfheimer Straße 3 leer. Die Fahrradständer sind verwaist. Nur Hamisi Saidi Mweusi ist schon da. Der 56-Jährige hat vor einem Jahr das „Jahbro Coffee“ eröffnet – eines von rund 30 Projekten auf 420 Quadratmetern.

„Wir sind viele unterschiedliche Menschen und Geschäfte, die eins verbindet: Nachhaltigkeit“, sagt Mweusi. Seinen Kaffee – mit den Röstungen Gazelle, Elefant, Löwe – bezieht er aus seinem Heimatland Kenia: „Ich arbeite dort mit einem kleinen Bauern zusammen. Die gesamte Verarbeitung passiert vor Ort.“

Man weiß nicht, wo man hinschauen soll. Dort Longboards, drüben Porträtfotos, und weiter hinten nackte Tonfrauen und Retro-Rennräder. Langsam kommt Bewegung in die kreative Insel zwischen Edeka und Europcar.

Angefangen hat alles mit dem gleichnamigen Layback Skateshop – nach ihm ist auch der Workspace benannt. Gründer Hartmut Olpp, den alle Hack nennen, hat den ehemaligen Kfz-Betrieb seit 2013 für einige Jahre komplett alleine bespielt – mit der hauseigenen Manufaktur Hackbrett Longboards und dem dazugehörigen Shop. Vor fünf Jahren entschied er: Jetzt ist Platz für andere.

Hartmut Olpp

Vermieter und Vermittler: Hartmut „Hack“ Olpp

„Ich wollte einen freien Space, auf dem alle das machen, worauf sie Bock haben“, sagt Hack. Klar charakterisieren kann er die Menschen nicht, die hier arbeiten. „Das sind offene Menschen, die mit Veränderung klarkommen“, so Hack. Am längsten dabei: Olga Ballardt mit ihrer Keramikwerkstatt und Daniel Willert mit „Pedali“, seinem Rennrad-Service.

„Ich darf kein klassischer Vermieter sein, auch weil ich ständig hier bin und mich frei bewegen muss. Das braucht viel Feingefühl und Kompromissbereitschaft“, sagt Hack. Denn hier wird gesägt und Musik gehört – aber auch konzentriert gearbeitet. Von Teilzeit bis Vollzeitunternehmen. „Alles ist fließend. Der Ort lebt vom Austausch“, sagt Hack.

Der Standort ist abgelegen, aber in 15 Minuten ist man mit dem Rad von der Innenstadt hier. Ruhig zum Arbeiten – aber kaum Laufkundschaft. In einer verwinkelten Ecke, die man nach einer steilen Treppe vom Skateshop aus erreicht, hat Gwendolyn Schumacher ihren Bereich. Sie teilt ihn mit Gabi, Xenia und Isabell – Kunst, Schneiderei, Kostüme. Unter dem Namen „SEND IT!“ schenkt sie alten Kletterseilen oder Fahrradschläuchen ein neues Leben – als Gürtel, Etui oder Mäppchen. Die Upcycling-Produkte macht Schumacher nebenher – hauptberuflich arbeitet sie in der Softwarebranche. „Niemand arbeitet hier nur. Das ist für alle eine Leidenschaft. Man kann sich super gut austauschen“, sagt Schumacher.

Dieser Meinung ist auch Lena Kaier von lekai.art. Die Druckgrafikerin und Textildesignerin zieht gerade wieder neu ein, über das Café von Mweusi. Sie war schon einmal hier. Zwischendurch war Kaier in einem Atelier in der Wiehre. „Ich habe das alles sehr vermisst. Hier entstehen neue Dinge im Miteinander. Das Café ist super für Workshops, ich kann die Säge von Hack nutzen und privat töpfern“, sagt Kaier. Die Stimmung sei harmonisch, der kreativ-romantische Hinterhof ein Geheimtipp. „Natürlich kommt es hier zu den typischen Themen wie in jeder großen WG“, sagt sie wissend und empfiehlt einen Blick in die gemeinsam genutzte Küche.

Am 17. und 18. Mai findet jeweils ab 11 Uhr das Frühlingsfest im Layback Workspace statt.

Fotos: © David Pister