Gefühle für KI – Freiburger erforschen Emotionen für Chat-Bots Künstliche Intelligenz | 18.03.2026 | Till Neumann

Bein Blauer Hintergrund. Im Fokus ist ein Roboterarm auf dem ein Schmetterling sitzt.

Wie reagieren Menschen, wenn sie mit KI-Bots chatten? Emotionaler als beim Chat mit Menschen. Vorausgesetzt, sie glauben, ihr Gegenüber ist human. Das haben Forschende der Unis Freiburg und Heidelberg herausgefunden. Teil davon ist der Freiburger Psychologe Tobias Kleinert. Ihn hat vor allem eins überrascht.

Zu sehen ist Tobias Kleinert. Er trägt eine Brille und einen schwarzen Pullover.

Überrascht: Psychologe Tobias Kleinert


Maschine schlägt Mensch.
So lässt sich zusammenfassen, was Tobias Kleinert (35) und sein Team erforscht haben. 492 Menschen haben sie mit einem unbekannten Gegenüber chatten lassen. Einige in der Annahme, es sei ein Mensch. Ein Teil der Antworten kam jedoch von einem Chat-Bot. Das Ergebnis: Wir können unter gewissen Bedingungen mehr emotionale Nähe zu KI aufbauen als zu Menschen.

Das Team um Markus Heinrichs und Tobias Kleinert vom Institut für Psychologie der Uni Freiburg sowie Bastian Schiller vom Psychologischen Institut der Uni Heidelberg hat die Ergebnisse in der Fachzeitschrift Communications Psychology veröffentlicht. Kleinert hat es nicht überrascht, dass Menschen grundsätzlich Nähe zur KI aufbauen, wenn sie annehmen, es sei ein Mensch: „Alle wissen, dass die KI wahnsinnig gute sprachliche Fähigkeiten hat.“
Für die Chats hat sein Team das Programm Google Bard genutzt. Der Vorgänger von Gemini. Es wurde gepromptet, aus der Sicht eines 25-jährigen Studierenden zu antworten. Teilweise ging es um Hobbys oder Urlaube, teils um persönliche Themen wie Freundschaft und Gefühle.

Erstaunt hat ihn dabei, „dass innerhalb der Deep-Talk-Unterhaltungen KI-generierte Antworten mehr Nähe erzeugt haben als menschliche Antworten“. Erwartet habe man das Gegenteil. „Immerhin hat die KI ja keine Gefühle“, betont Kleinert.

„KI kann anscheinend Gefühle hervorrufen – unter Umständen sogar überzeugender als wir Menschen“, folgert er. Um herauszufinden, woran das liegt, hat das Team Sprachanalysen gemacht. Mit dem Ergebnis: Auch wenn es auf den ersten Blick nicht erkennbar ist: Die KI hat in ihren Antworten „mehr Selbstoffenbarung gezeigt“. Sie nutze mehr ich-bezogene Wörter, mehr emotionale Adjektive wie mutig oder stolz sowie mehr soziale Begriffe wie Freundschaft oder Eltern. Kleinerts Analyse: „Das führt zu größerer Nähe.“

Erschreckend findet er das dennoch nicht. Künstliche Intelligenz sei ein Werkzeug. Es gelte, sie richtig zu nutzen. „Das ist wie mit einem Hammer“, erklärt Kleinert. Der könne dafür eingesetzt werden, ein tolles Haus zu bauen. Er könne aber auch genutzt werden, um anderen die Köpfe einzuschlagen. Wichtig sei daher, international gültige Regeln zu finden, die den Umgang mit KI definieren.

Potenziale sieht er in der psychologischen Unterstützung von Menschen – beispielsweise in der Pflege, Bildung oder Beratung. „Man könnte zum Beispiel KI einsetzen – nachdem man es mit Patient·innen besprochen hat –, um Wartezeiten zu überbrücken, bis eine Therapie angefangen werden kann“, erklärt Kleinert. Solange das Ganze von Menschen angeleitet werde.

Wie wirkungsvoll das ist, bleibt offen. Denn die Studie hat auch gezeigt: Wissen Menschen, dass gegenüber ein digitaler Chat-Bot ist, bauen sie weniger Nähe auf als bei Gesprächen mit echten Menschen.

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