Showdown in der Messe – So war’s beim Deutschlandfinale der Roboter-Olympiade Künstliche Intelligenz | 13.07.2023 | Pascal Lienhard

Roboter spielen Tennis Roboter können auch sportlich sein: Bei der WRO treten die Apparate im Doppeltennis an.

Vier Roboter spielen Doppeltennis. Um sie herum stehen Kinder und Jugendliche. Leidenschaftlich fiebern sie mit, feuern die Maschinen an. Solche Szenen waren an der Freiburger Messe unlängst Dauerzustand. Mitte Juni stieg dort das Deutschlandfinale der World Robot Olympiad (WRO). Beim Contest für Technikbegeisterte zwischen 8 und 19 Jahren war auch ein Freiburger Duo am Start.

Für die Koordination des Deutschlandfinales dieser etwas anderen Olympiade ist seit elf Jahren der Verein „Technik begeistert“ zuständig. In Freiburg kooperiert er dafür mit dem Schülerforschungszentrum Region Freiburg (SFZ). Ziel ist es, Kinder und Jugendliche frühzeitig an Informatik, Technik und Robotik heranzuführen.

Am ersten Nachmittag des zweitägigen Showdowns herrscht in Halle 2 der Messe reges Treiben und großes Stimmengewirr: Roboter tragen Tennis­duelle aus, an langen Tischen wird fiebrig an neuen Exemplaren geschraubt und über wichtige Details diskutiert. Der Wunsch, bestmöglich abzuschneiden, ist verständlich: Für 16 Teams winkt die Teilnahme an der WM in Panama, vier weitere dürfen im September zur EM nach Dänemark.

Stadt Modell

Beeindruckende Technik: Damit hat die WRO rund 2000 Gäste angezogen.

Neben den 122 Teams und deren Anhang haben übers Wochenende auch rund 2000 Gäste den Weg in den Freiburger Westen gefunden. Sie beobachten die Wettkämpfe der verschiedenen Disziplinen, erhalten Crash-Kurse in Robotik oder informieren sich bei den ausstellenden Betrieben. Einige Eltern genießen entspannt einen Cappuccino oder unterhalten sich über ihr Hotel, während der Nachwuchs hitzig an den Robotern herumdoktert oder sich über die eigenen Kreationen mit Sätzen wie „Was macht er denn jetzt?“ aufregt.

Die Hoffnung der Breisgaumetropole ruht beim europaweit größten Nationalfinale auf Jonathan Pulkowski und Miro Ritter. Die 13-jährigen Schüler haben sich in Waldkirch auf einer der 39 regionalen Vorrunden mit insgesamt 710 Teams durchgesetzt – und das Ticket für die Messe gelöst.

Vor dem Wochenende war das Duo angespannt: „Ich hatte ein paar schlaflose Nächte“, gibt Jonathan zu. Dabei hatten bis vor kurzem weder er noch Miro etwas mit Robotik am Hut. Ihre Leidenschaft haben sie im Freiburg Seminar entdeckt. Dort werden begabte und interessierte Schüler in den Bereichen Mathe und Naturwissenschaften unterstützt. Unter anderem lernten Jonathan und Miro die Grundlagen der Robotik – und bekamen die Chance, am Wettbewerb teilzunehmen.

Drei Teams aus dem Ländle fahren zur WM nach Panama

„Von der WRO hatte ich davor noch nie gehört“, erzählt Jonathan, „außer einem Lego-Roboter hatte ich keine Berührungspunkte.“ Auch Miro ist hier ein Neueinsteiger: „Allerdings haben wir mit einem ähnlichen Dienst wie Scratch programmiert, und da hatte ich bereits Erfahrung.“

Das Duo tritt in der Junior-Klasse der Robo-Mission an. Dort müssen selbst gebaute Roboter auf einem Spielfeld helfen, Seekabel zu verlegen und zu reparieren, Unterwasser-Serverfarmen zu installieren und Offshore-Solarmodule zu aktivieren. Die Maschinen selbst werden erst vor Ort zusammengebaut.

Am ersten Tag haben die Nachwuchstüftler Pech: Im ersten Lauf gibt es nur das Minimum an Punkten, die zweite Runde ist geringfügig besser. „Das war deprimierend“, sagt Miro. Doch an Tag zwei blühen Schüler und Roboter auf – und das, obwohl das Team nun zuvor völlig unbekannte Aufgaben lösen muss. „Da haben wir richtig Punkte geholt“, blickt Miro stolz zurück. „Nur ein Team hatte mehr Punkte als wir.“

Das Fazit am Samstagnachmittag: Drei Teams aus The Länd werden nach Panama reisen, zwei nach Dänemark. Für Miro und Jonathan hat es nicht gereicht. „Es war aber eine tolle Erfahrung, mit Leuten aus ganz Deutschland am Wettbewerb teilzunehmen“, resümiert Jonathan. „Zudem haben wir viel gelernt.“ Dieses Wissen will das Duo anwenden – und nächstes Jahr wieder teilnehmen. Dann soll Passau beim Finale zum Robotermekka werden.

Fotos: © Pascal Lienhard